Wernigerode l Otfried Wüstemann lässt den Kescher unter Wasser hin- und hergleiten. Wenn er auf den Knopf am Ende der Stange drückt, summt es leise – und wenige Augenblicke später springt ein Fisch ins Netz. Dieser wandert in den Eimer, den Ulrich Eichler bereit hält. Beide engagieren sich für den Wildfisch- und Gewässerschutzverein Wernigerode und haben am Montagnachmittag mit einem elektronischen Fanggerät rund 200 Fische aus der Holtemme geborgen.

Nötig war dies, weil am Dienstagmorgen die Bauarbeiten des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) begonnen haben. Die Behörde lässt die Gabionenwände beseitigen, die beim Hochwasser vor zwei Jahren entlang der Straße Am Auerhahn in die Holtemme gestürzt sind. Gleichzeitig soll das Ufer mit Steinblöcken gesichert werden. Die Kosten für das Vorhaben, das binnen vier bis sechs Wochen abgearbeitet werden soll, werden auf rund 47.000 Euro veranschlagt.

Vor dem Start von Bauarbeiten schreibe die Untere Wasserbehörde zwingend eine Elektrobefischung vor, erläutert Ulrich Eichler. „Das ist wichtig für den Artenschutz.“ Für die Bachforellen und Groppen, kleine Süßwasserfische, die unter Schutz stehen, bedeuten die Bauarbeiten am Flussufer und im Fluss Lebensgefahr – zumal sie unter den abgesackten Gabionenwänden gerne Schutz suchen. „Für die Fische ist das optimal“, so Wüstemann.

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Betäubung durch Strom

Die Elektrobefischung schade den Tieren nicht, versichert er – durch den elektrischen Impuls werden sie betäubt, können leicht gefangen und an sicherer Stelle flussabwärts wieder ausgesetzt werden. Mit von der Partie war auch Tommy Löwenberg, Vorsitzender des Vereins für Angler und Naturfreunde. Für den rund 60 Meter langen Abschnitt zwischen der Brücke an der Ilsenburger Straße und der Querung an der Kruskastraße brauchten sie eineinhalb Stunden. „Das ist zugleich eine Bestandskontrolle“, so Ulrich Eichler.

130 Bachforellen haben die Naturfreunde umgesetzt, vom fünf Zentimeter kleinen Jungtier bis zu zwei 70 Zentimeter langen Prachtexemplaren. Hinzu kamen 55 Groppen, die zwischen vier und 15 Zentimeter groß sind, sowie 15 Barsche, die jeweils zwischen acht und 15 Zentimeter maßen. Letztere gehören eigentlich nicht in den Fluss. „Vermutlich haben Enten die Brut im Gefieder eingeschleppt“, vermutet Eichler.