Wernigerode l „Bis nächstes Jahr“, verabschieden sich zwei gut gelaunte Helfer bei Tobias Kascha von den Wirtschafts-junioren des Landkreises Harz. Die hatten in diesem Jahr zum zweiten Mal alle Einwohner des Landkreises aufgerufen, beim Cleanup Day mitzumachen und ein Zeichen gegen das wachsende Müllproblem zu setzen. Nicht nur in Wernigerode waren fleißige Helfer mit Müllsäcken unterwegs, sondern auch in Blankenburg, an drei Orten rund um Thale und in Halberstadt.

Für Wernigerode hatten die Wirtschaftsjunioren das Zwölfmorgental und den Märchenweg als Areale zum Müllsammeln ausgesucht, und damit die selben Gebiete, in denen sie bereits im vergangenen Jahr mit weiteren Helfern unterwegs waren. „Ich war regelrecht erschrocken, wie viel Müll sich an diesen beiden Stellen in nur einem Jahr wieder angesammelt hat“, resümiert Tobias Kascha nach Abschluss der Aktion. Worüber sich der Wirtschaftsjunior besonders ärgert: Der Müll finde sich oftmals nicht einfach so am Wegesrand, wo er wohl eher aus Nachlässigkeit liegen gelassen werde. Vielmehr liegen die Abfälle häufig mehrere Meter vom Weg entfernt, was aus Sicht von Tobias Kascha geradezu für eine vorsätzliche illegale Müllentsorgung spricht. Die Wirtschaftsjunioren und die anderen freiwilligen Helfer entdeckten dort nicht nur Verpackungen und leere Flaschen, sondern auch die hölzerne Sitzfläche einer Bank, Metallteile und alte Teppiche. „Dabei kann man so etwas alles beim Wertstoffhof abgeben“, zeigt Kascha eine Alternative auf.

Symbol

Besonderen Symbolwert hat der World Cleanup Day aus Sicht von Tobias Kascha auch deshalb, weil er am Tag nach den Demonstrationen der Friday for Future-Bewegung für Klimaschutz stattfand. „Bekenntnisse sind wichtig, praktisches Handeln ebenso“, betont Kascha.

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Das sehen Sarah Reinel (13) und Ole Ringleb (14) ebenso. Die Achtklässler kümmern sich mit weiteren Schülern der Thomas-Müntzer-Sekundarschule um das Thema Umweltschutz in einer Arbeitsgemeinschaft. Oft seien sie mit einem Bollerwagen in der Stadt unterwegs, um den liegen gelassenen Müll aufzusammeln, erzählt Ole Ringleb. Fündig werden sie immer, beifällige Reaktionen für ihre Aktivitäten gebe es dagegen nicht immer. „Manche meinen gar, sie seien zu alt, um jetzt noch mit Umweltschutz anzufangen. Dabei bietet doch schon der Haushalt genügend Möglichkeiten, den Müll zu reduzieren.“ Am Sonnabend seien allein zwei Säcke mit Plastik zusammengekommen, so das Resümee der Schüler.

Danny Hoppe (40) aus Wernigerode brachte zum Cleanup Day auch seine zweieinhalbjährige Tochter Lora mit. „Ich gehe oft mit meiner Familie spazieren und finde es sehr schade, wenn überall so viel Müll herumliegt“, sagt er. Er hoffe, dass das Engagement in Sachen Umwelt nicht nur an so einem Tag eine Vorbildwirkung auf die folgende Generation habe. „Es sind so einfache Sachen, mit denen man in Sachen Umwelt- und Klimaschutz beginnen kann.“

Den Cleanup Day solle es auch 2020 im Landkreis Harz geben, kündigt Tobias Kascha an. Möglicherweise werde dann rund um Wernigerode an anderen Stellen gesammelt. Freiwillige seien auch dann wieder herzlich willkommen, je mehr, desto besser.

Hintergrund: Der World Cleanup Day findet seit 2008 immer am dritten Sonnabend im September statt und kommt ursprünglich aus Estland. 2018 beteiligten sich weltweit 17 Millionen Menschen in mehr als 150 Ländern.