Wernigerode l An der Rothen Mühle blüht der Frühling in aller Schönheit. Doch die 15 Freiwilligen, die dort am späten Donnerstagnachmittag nach und nach eintrudeln, suchen am Ufer der Holtemme nicht die Idylle, sondern Styroporteile. Der Kunststoff war vor zwei Monaten vom Sturm in den Fluss geweht worden und liegt immer noch an vielen Stellen herum (die Volksstimme berichtete). „Wir wollen heute ein Zeichen setzen, dass die Wernigeröder mit einer solchen Umweltverschmutzung nicht einverstanden sind“, sagt Ulrich Eichler vom Wildfisch- und Gewässerschutzverein.

Der Verein um den Vorsitzenden Otfried Wüstemann, der wegen der Verschmutzung bereits Anzeige erstattet hatte, griff damit einen Vorschlag der „Parents for Future“ auf – einer rund 30-köpfigen Gruppe von Eltern, die die Ziele der „Fridays for Future“-Bewegung unterstützen. Jörg Berthold gehört dazu und hatte in der Harzer Volksstimme von der Styropor-Havarie gelesen. „Mich hat es dermaßen empört, dass da einfach nichts passiert“, sagte der Wernigeröder. Seine spontane Idee, selbst aktiv zu werden und Styropor vom Flussufer aufzusammeln, stieß bei der Vereinsvertretern zunächst auf Bedenken. „Wir wollen nicht für andere die komplette Arbeit übernahmen“, sagte Ulrich Eichler – das Styropor war vom Gelände der Firma E.T.M. an der Steinernen Renne in die Holtemme geweht worden.

Davon gehen der Wildfisch- und Gewässerschutzverein sowie die Wernigeröder Stadtverwaltung aus. Das Unternehmen teilte unlängst mit, dass es den Vorfall bedauere, auf ganzer Linie mit den Behörden zusammenarbeite und der Umweltschutz Priorität habe. Weitergehende Auskünfte zur Sache gab E.T.M. auf Volksstimme-Nachfrage nicht.

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Nichts mehr unternommen

Nach einer ersten Aufräumaktion kurz nach dem Sturm sei allerdings vonseiten des Unternehmens nichts mehr unternommen worden, monieren die Vereinsvertreter, auch vom Wernigeröder Anglerverein, der die Holtemme vom Wasserkraftwerk Steinerne Renne bis zum Glaswerk Derenburg als Angelgewässer gepachtet hat.

Auf der ganzen Länge des Flusses seien noch reichlich Styroporteile zu finden, sagt Tommy Löwenberg, Vorsitzender des Anglervereins. Als Ort für die symbolische Aktion hatten er, Ulrich Eichler und Otfried Wüstemann den Flussabschnitt an der Rothen Mühle ausgewählt. Dort hatte sich an zwei Stellen viel Styropor an Schwemmgut verfangen, das im Fluss lag, so Eichler. Als die Freiwilligen mit Gummistiefeln, Müllsäcken und Mundschutz, teilweise auch mit Greifzangen, anrückten, war die Überraschung jedoch groß: Kurz zuvor waren die Hindernisse im Flussbett entfernt und dabei das dort liegende Styropor eingesammelt worden.

Das heißt allerdings nicht, dass nichts mehr zu finden gewesen wäre. Man müsse nur etwas genauer hinsehen, sagte Tommy Löwenberg. „Unter den Bäumen und in den Wurzeln hat sich viel verfangen, ebenso im Treibgut. Das sieht man nicht auf den ersten Blick“, erklärte der Anglervereinschef.

Zwischen Bäumen und Wurzeln

Das bestätigten die anderen Helfer, die sich weiträumig am Flussufer verteilt hatten, um die Corona-bedingten Abstandsregeln einzuhalten. Die Stücke seien jedoch relativ klein, sagt Bernd Minnich und zeigt verschiedene Styroporteilte, die er eingesammelt hat. Godo Jilg war erst vor gut einer Woche vor Ort. „Überall zwischen den Bäumen und den Wurzeln lag da noch das Styropor“, berichtet der Wernigeröder, der mit seiner Familie bereits säckeweise Kunststoff eingesammelt habe.

Allerdings gibt es in und an der Holtemme noch andere Fundstücke, die dort nicht hingehören. „Ich habe unzählige Hundekottüten gefunden“, berichtet Haike Ott – die Hinterlassenschaften der Vierbeiner waren achtlos ins Wasser geworfen worden. Außerdem sammelten die Aktiven Plastikteile in verschiedenen Größen, Flaschen und viele andere Gegenstände ein. Müll finde sich häufig auch entlang des Radwegs, berichtet Martina Voigt. „Die Hemmschwelle, etwas illegal zu entsorgen, ist relativ niedrig“, so Jörg Berthold.

Styropor sei indes an vielen anderen Stellen des Flusses immer noch reichlich zu finden, zum Beispiel in Hasserode. „Es liegt überall, wo es nicht wegfliegen oder wegschwimmen konnte, wo es sich verfängt“, sagt Ulrich Eichler. Am Ende sind die Müllsäcke, die die Helfer wieder mitbringen, nicht bis obenhin gefüllt. Aber das war auch nicht das Ziel, sagen die Organisatoren. „Wir wollten zeigen, wie es geht“, betont Eichler.