Wernigerode l Den Rettern des Ütschenteichs steht das Wasser bis zum Hals – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Renaturierung des Naturdenkmals ist ins Stocken geraten. „Eigentlich wollten wir schon weiter sein“, sagt Projektleiterin Bettina Knab. Doch die Bauleute stehen gleich vor mehreren Problemen.

Etwa 10 000 Kubikmeter Schlamm müssen aus dem verlandeten Gewässer gebaggert werden. Eigentlich sollte der Teichgrund in den vergangenen Monaten zu Haufen zusammengeschoben werden, um dort dann „auszubluten“ - also zu trocknen. Der organische Schlamm sollte später auf Feldern verteilt werden. Der Abtransport war für Mitte, Ende Februar geplant. Aber daraus wird wohl erst mal nichts.

Der vordere Teil des Teichs ist ausgebaggert, 50 bis 70 Zentimeter tief. Aber Schlammhaufen sind nirgends zu sehen. „Wir können das Material nicht stapeln wie gedacht“, sagt Michael Wölfel vom beauftragten Bauunternehmen. „Es ist mehr dreckiges Wasser als Schlamm.“ Weil die zähflüssige Masse immer wieder „breitläuft“, sei sie vorerst auf die andere Seite des Teiches geschoben worden. Die Frage ist nun, wohin damit. In diesem flüssigen Zustand ist der Schlamm weder transportfähig, noch kann er so auf die Felder ausgebracht werden. Dort, wo er im Moment liegt, kann er auch nicht bleiben, weil der Platz für die weiteren Arbeiten gebraucht wird.

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Wohin mit dem Schlamm?

Nächstes Problem: Im hinteren Teil des Teiches sei man auf eine „abflusslose Senke“ gestoßen, „die ins Bodenlose reicht“, wie es Projektleiterin Knab beschreibt. Der Bereich lasse sich deshalb sehr schwer entwässern, geschweige denn mit Baufahrzeugen befahren. „Das Material dort ist feinkörniger, gleichförmiger und breiiger, als wir dachten“, so die Expertin. „Es ist ganz feines Material mit keinerlei Reibung.“ Wegen der Beschaffenheit des Bodens sei es momentan auch nicht möglich, Pumpen zu installieren.

Bei einem Treffen mit allen am Projekt Beteiligten sind kürzlich verschiedene Wege diskutiert worden, um einen Weg aus der Misere zu finden. Eine Idee ist es, den Abfluss auf der gegenüberliegenden Seite des Teiches tiefer zu legen, um dem Gefälle entgegenzuwirken. Durch eine Rinne könnte das Wasser dann abfließen. Für den Abtransport und die Lagerung des Schlammes wird noch händeringend nach einer Lösung gesucht.

Kampf gegen Krebsschere

Der 1,2 Hektar große Ütschenteich, der im Wald zwischen Wernigerode und Darlingerode liegt, drohte zuletzt zu verlanden. Die Krebsschere hatte sich explosionsartig in dem Gewässer ausgebreitet. Die Wasserpflanze hatte nicht nur fast die gesamte Wasserfläche überwuchert, sondern nahmen dem Teich gleichzeitig den Sauerstoff. Immer mehr abgestorbene Pflanzenteile lagerten sich ab und entzogen den Fischen den Lebensraum.

Die Angler waren es, die Alarm schlugen. Der Verein Angler und Naturfreunde Wernigerode mit Tommy Löwenberg an der Spitze ist Pächter des Teiches.

Mehrfach hatten die Mitglieder versucht, die Krebsschere zu entfernen. Hoffnung kam auf, als über den Unterhaltungsverband Ilse-Holtemme ein Förderantrag für das Artensofortprogramm des Umweltministeriums beantragt und zur Freude der Angler bewilligt wurde.

600 000 Euro stehen für die Renaturierung bereit. Im November starteten die Arbeiten. Die Angler hatten bereits im Sommer den Teich entwässert, die verbliebenen Fische eingefangen und in andere Wernigeröder Teiche umgesetzt. Geplant ist es, nach der Entsorgung des Schlammes das Gewässer samt Uferbereich neu zu gestalten, den Auslauf zu vergrößern sowie das Bachdelta der Limmecke zu profilieren. Erst danach kann wieder Wasser im Ütschenteich angestaut werden.

Eine Auflage haben die Teichretter allerdings noch: den Erhalt der Grünen Mosaikjungfer. Die Libellenart, die bei einer Kartierung am Teich entdeckt wurde, gilt als gefährdet und muss geschützt werden.