Wernigerode l „Das geht zu weit“, sagt Kerstin Förster. Sie steht auf dem Schulhof am Oberpfarrkirchhof und blickt auf einen Scherbenhaufen. Die Verwaltungsleiterin am Landesgymnasium für Musik in Wernigerode ist stinksauer. Denn immer öfter beinhaltet ihr Job, sich mit den Folgen von Vandalismus auseinanderzusetzen.

Polizei ermittelt gegen Unbekannt

„Manchmal sind es nur zwei Flaschen, die sie nachts hier zerschmeißen, aber diesmal sind es deutlich mehr. Und das schon die zweite Nacht in Folge“, sagt sie. Seit August gehe das nun schon so. Sie hat am Dienstagmorgen die Polizei eingeschaltet und Anzeige erstattet. Den Schaden am Gebäude und auf dem Hof beziffert sie auf 1000 Euro.

Neben ihr steht der Hausmeister der Schule. Seinen Namen möchte er für sich behalten, zu groß ist die Befürchtung, die Randalierer könnten sich als nächstes ihn oder sein Auto vornehmen.

Hausmeister ist mit Geduld am Ende

Wäre es das erste Mal, dass er die Nachwehen einer aus den Fugen gelaufenen Privatparty beseitigen müsste – ja, dann hätte er Verständnis. „Dann könnte ich es als Ausrutscher betrachten. Aber es war nun schon wieder am Montag und am Dienstag der Fall. Ich muss jedesmal den Dreck wegmachen. Mittlerweile nehme ich es persönlich.“ Die Scherben sammele er per Hand auf, denn das mit Sand verfugte Granitpflaster kann schlecht mit dem Besen gekehrt werden.

Solange die Scherben liegen, ist der Pausenhof gesperrt. Direkt betroffen seien dadurch auch die Schüler, die in der großen Pause nicht auf den Hof gehen können wegen der Verletzungsgefahr. Sie schauen traurig aus dem Flurfenster nach draußen. An der Tür zum Hof klebt ein Zettel: „Schulhof wegen Vandalismus gesperrt!“ Kerstin Förster vermutet, dass Jugendliche vom städtischen Parkplatz aus die Wodka- und Likörflaschen über den Zaun schmeißen.

Gemeinde bietet Gespräche an

„Vielleicht sogar Gäste der Jungen Gemeinde“, so die Verwaltungsleiterin. Die Junge Gemeinde, kurz JG, gehört zur Kirchgemeinde St. Sylvestri-Liebfrauen. Das Areal liegt zwischen dem Schulhof des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums und dem Pausenhof des Landesmusikgymnasiums. Für die offene Jugendarbeit ist der Gemeindepädagoge Jörn Bischoff verantwortlich, teilt Siegfried Siegel vom Gemeinderat auf Nachfrage mit.

Siegel zeigt sich betroffen von den Geschehnissen am Oberpfarrkirchhof und verspricht, das Thema in der nächsten Dienstberatung der Gemeinde aufzugreifen, auch wenn er sich nicht vorstellen kann, dass die Unrufestifter aus der JG kommen. „Unser Leiter kennt seine Pappenheimer“, sagt er. „Er sagt, von denen würde niemand so etwas machen.“ Siegfried Siegel regt indes einen runden Tisch aller Beteiligten an, um sich über die Vorfälle auszutauschen. Womöglich seien die Verantwortlichen sogar in den Reihen der ehemaligen Schüler des Musikgymnasiums zu suchen.

Kerstin Förster schließt das nicht aus. Wer auch immer hinter den Partys steckt – ihr ist vor allem wichtig, dass die nächtlichen Gelage auf dem Pausenhof bald ein Ende haben.