Wernigerode l Die Verkehrssicherheit der Grundschüler geht jeden an. In Wernigerode ist deshalb sogar ein Streit entbrannt. Auf der einen Seite die Stadtverwaltung, auf der anderen der Derenburger Denny Behrendt.

„Schulbeginn ... Achtet auf die Kinder“ steht auf dem Banner im Wohngebiet Harzblick. Am Donnerstag geht die Schule los. Die Erstklässler werden am Sonnabend eingeschult. Hunderte Mädchen und Jungen sind dann auf Wernigerodes Straßen unterwegs, manche von ihnen müssen den Schulweg zum ersten Mal bewältigen. Autofahrer werden deshalb zu mehr Vorsicht ermahnt. Die Stadtverwaltung hat insgesamt zehn Banner an ausgewählten Stellen in der Stadt und in den Ortsteilen aufgehängt – darunter im Mühlental, am Westerntor, am Heltauer Platz, in der Heidebreite, in Minsleben und Silstedt.

Ablenkung für Autofahrer befürchtet

Denny Behrendt hat sich die Verkehrssicherheit der Jüngsten ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Der Initiator der Facebookgruppe „Harzer Blitzergruppe“ verteilt seit drei Jahren Banner in den Städten des Harzkreises. Das Ganze sei in Eigenregie entstanden, gewachsen, werde finanziell von einigen Privatpersonen und Firmen unterstützt. „In diesem Jahr sind es etwa 40 Banner, die wir aufgehangen haben“, so Behrendt. Beispielsweise in Halberstadt, im Oberharz und in Blankenburg. Auch der Stadt Wernigerode habe er seine Banner angeboten. Als Standort hat er die Fußgängerbrücke „Kiliankreisel“ beantragt, sich aber vom Ordnungsamt eine Absage eingehandelt.

Es sei „ernsthaft“ zu befürchten, dass Autofahrer durch das Banner abgelenkt werden. Der Kreisverkehr in unmittelbarer Nähe erfordere „erhöhte Aufmerksamkeit“, heißt es in der Antwort von Amtschefin Anja Münzberg, die der Volksstimme vorliegt. „An dieser Stelle sehen wir Gefährdungspotential“, begründet auch Rathaussprecher Tobias Kascha. „Es ist sicherlich niemandem geholfen, wenn durch eine gut gemeinte Sache die zu Schaden kommen, die wir schützen wollen“.

Keine Einigung in Sicht

Eine Argumentation, die Behrendt nicht nachvollziehen kann. Wernigerode sei vollgepflastert mit Plakaten. „Ich frage mich, wie es sein kann, dass Plakate mit kleinster Schrift an exakt denselben – und noch weiteren – Stellen gebilligt werden“, heißt es in seiner schriftlichen Antwort an das Ordnungsamt. „Die Ablenkung ist dadurch wesentlich höher und langwieriger.“ Zudem beklagt Behrendt die schlechte Zusammenarbeit mit der Stadt in Sachen Verkehrssicherheit. „Es muss ja nicht unbedingt die Kilianbrücke sein. Ich hätte mir ein Gespräch auf Augenhöhe gewünscht, stattdessen erfahre ich Ablehnung.“

Aus dem Rathaus weist man diese Vorwürfe von sich. Die Schulbanner-Aktion der Harzer Blitzergruppe sei absolut zu begrüßen, so Tobias Kascha. „Wir haben einzig und allein den Standort an der Brücke ausgeschlossen.“ Zudem sei als Alternativstandort die Benzingeröder Chaussee angeboten worden. Zu einer Einigung zwischen beiden Parteien kam es bisher nicht.