Neue Kunstankäufe auf Schloss Wernigerode / Spendenkasse für Terrassengäste eingerichtet

Vier Altarleuchter und eine Königin

Von Ingmar Mehlhose

Vier originale Altarleuchter aus der Kirche auf dem Wernigeröder Schloss sind zurückgekehrt. Sie haben dafür einen Umweg über New York nehmen müssen. Neu in der Sammlung ist hingegen ein Portrait von Königin Luise. In beiden Fällen hat das Land den Ankauf finanziell gefördert.

Wernigerode l "Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass sie weg sind", sagt Christian Juranek. Der Geschäftsführer von Schloss Wernigerode steht an diesem Nachmittag neben dem Altar der Kirche St. Pantaleon und Anna. Er präsentiert vier originale Leuchter. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren sie von Carl Frühling (1839-1912) während des von ihm geleiteten Schlossumbaus zwischen 1863 und 1885 entworfen worden.

Juranek erzählt die Geschichte der Kleinode. Im französischen Limous wurden sie aus vergoldeter Bronze gefertigt und jeweils mit Steg-emailleauflagen versehen. Weil der Zahn der Zeit an ihnen nagte, nahm sich der Berliner Restaurator Thomas F. Riedel 1993/94 der Stücke an. Er veredelte die Leuchter mit einer 24-Karat-Hartvergoldung.

Um 2007/08 war es dann zunächst um die Kostbarkeiten geschehen. Die damaligen Besitzer forderten sie zurück und ließen sie am 1. April 2009 auf einer großen Kunstauktion bei Christie\'s in Amsterdam (Niederlande) zur Versteigerung aufrufen. Obwohl die Schloß Wernigerode GmbH in Kooperation mit dem sachsen-anhaltischen Kultusministerium und der Kulturstiftung der Länder mitgeboten hatte, wurden die Altarleuchter von einem amerikanischen Kunsthändler erworben. Dieser wiederum wollte sie den erfolglosen Mitbewerbern anbieten. Christian Juranek: "Zum siebenfachen Preis. Wir haben Nein gesagt." Schließlich besäßen all jene, die am Kunstmarkt tätig sind, auch eine Verantwortung dafür, dass nicht eine künstlich angeheizte Preisspirale in Gang gesetzt wird.

Damit hätte sich die Geschichte wohl erledigt gehabt. Eigentlich. Wäre der Geschäftsführer, wie er es nennt, nicht von einer Ahnung beschlichen worden. Ihr folgend, schloss Christian Juranek Ende 2012 ein zweijähriges Abonnement bei Sotheby\'s ab. Der 49-Jährige: "Das kostet 500 Euro."

Im April 2013 konnte er den ersten Katalog in den Händen halten. Juranek: "Ich habe sofort die Leuchter gesehen und das Kultusministerium angerufen." Mit dessen finanzieller Unterstützung im Rücken flog der Geschäftsführer zu der Auktion nach New York und erhielt tatsächlich den Zuschlag. Wobei das Ensemble nicht komplett ist. Zwei der ursprünglich sechs Altarleuchter sind bis heute verschollen. Vermutlich befinden sie sich in Privatbesitz.

Strittig ist derzeit allein noch die Zolleinfuhrsteuer. Dabei geht es laut Juranek um einen vierstelligen Betrag.

"Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass sie weg sind."

Christian Juranek, Geschäftsführer

Mit einer ähnlich hohen Summe konnte die Sammlung des Zentrums für Kunst- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts jetzt in Berlin um ein weiteres Bildnis ergänzt werden. Dabei handelt es sich um ein ovales Brustbild in Rückenansicht der Luise Auguste Wilhelmine Amalie Königin von Preußen, geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810). Es stammt von dem Meininger Portraitmaler Johann Heinrich Schröder (1757-1812) oder einem seiner Schüler. Das lässt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen, sagt der Experte.

Schröder bannte die Monarchin in ihrem Todesjahr in Pastell. Wie auch andere Mächtige seiner Zeit. So wie zum Beispiel Karl August von Braunschweig (1740-1805) und Leopold von Braunschweig-Lüneburg (1752-1785). Der Meister galt als einer der besten seiner Zunft des späten 18. Jahrhunderts.

Der Hintergrund für den Erwerb des Kunstwerkes ist laut Juranek die Tatsache, dass es enge Beziehungen zwischen dem Wernigeröder Grafenhaus und den preußischen Königen gegeben hat. Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) und seine Gattin Luise hatten bereits 1803 geplant, Wernigerode und den Brocken zu besuchen. Schließlich fand die Visite im Harz zwischen dem 25. Mai und 6. Juli 1805 statt. Vom 29. zum 30. Mai übernachtete das Paar auf dem Schloss. Am Morgen wurde in der Orangerie im Lustgarten gefrühstückt. Anschließend ging es über das Ilsetal hinauf auf Norddeutschlands höchsten Gipfel.

Christian Juranek zitiert dazu Gräfin Friederike zu Stolberg-Wernigerode (1776-1858). Sie beschrieb die Ankunft der hochherrschaftlichen Gäste wie folgt: "Der König kam zuerst, führte Mama, die ihm bis an die erste Treppe entgegenging, sehr freundlich in der Königin Zimmer, die in dem Augenblick vor der Küche ankam, wohin wir nun folgten, um die holde Regina zu empfangen. Sie war unaussprechlich freundlich und noch schöner als damals, als wir sie in Potsdam sahen."

"Das ist der am stärksten besuchte museale Ort in Sachsen-Anhalt."

Matthias Puhle, Kultusministerium

Das zur Hälfte durch die Gesellschaft der Freunde des Schlosses Wernigerode finanzierte Portrait der Königin Luise wird zusammen mit dem ihres Mannes im zweiten Rundgang präsentiert. Des Gatten Konterfei konnte übrigens bereits im vergangenen Jahr erstanden werden.

"Damit wird die Brücke zwischen Wernigerode und dem preußischen Königshaus hergestellt", betont auch Matthias Puhle. Der Historiker war von 1991 bis 2012 Leitender Direktor der Magdeburger Museen. Zudem gehörte er zwischen 2007 und 2012 dem Vorstand der Stiftung Schloß Wernigerode an. Seit dem 1. September 2012 fungiert der 58-jährige gebürtige Braunschweiger als Abteilungsleiter im Landes-Kultusministerium. Der Professor: "Das Schloss ist ein großartiges Bauwerk." Und: "Für uns ist das ein Aushängeschild und der am stärksten besuchte museale Ort in Sachsen-Anhalt." Diesen wolle seine Behörde weiter unterstützen, "denn wir wissen, wie engagiert hier gearbeitet wird".

Das ist ein Lob, das auch Ludwig Hoffmann freut. Wernigerodes Alt-Oberbürgermeister führt den derzeit 80 Mitglieder starken Förderverein. Neben dem materiellen Beistand bei Kunstankäufen bewegt die Schlossfreunde die Pflege der Außenanlagen. Dafür liegt die Verantwortung allein bei der GmbH. Rund 50 000 Euro müssen dafür nach Angaben ihres Geschäftsführers jährlich aufgebracht werden. Allein die Außerbetriebnahme des Brunnens im Herbst schlägt mit etwa 2500 Euro zu Buche.

Hoffmann: "Wir haben zwar 200 000 Besucher, aber doppelt so viele, die nicht in das Schloss gehen, sondern nur auf die Terrasse, um die schöne Aussicht zu genießen." Für all jene steht jetzt eine Spendenkasse auf dem Gelände.

Der 70-Jährige: "Wir versprechen uns davon nicht Zigtausende." Aber wenn vielleicht 5000 bis 10 000 Euro im Jahr zusammenkämen, wäre das schon ein schöner Erfolg. Und, so betont der Vorsitzende: "Es soll nicht danach aussehen, dass wir die Leute nur schröpfen wollen."