Wernigerode l Es dauerte keine Viertelstunde, bis das Thema zur Sprache kam, das wie kein anderes in den vergangenen Jahren die Gemüter vieler Wernigeröder in Wallung versetzt hat: Schierke. Ganz so hitzig wie einst stritten die Protagonisten dann zwar nicht, dafür aber ausgiebig. Das Für und Wider um Seilbahn, Skigebiet, Arena und Parkhaus scheint immer noch für eine ausgiebige Diskussion geeignet zu sein. Das Podium dafür bot am Dienstagabend das Wahlforum der Volksstimme im Audimax der Hochschule Harz.

Am 26. Mai sind die Einwohner von Wernigerode und den Ortsteilen aufgerufen, einen neuen Stadtrat zu wählen. 107 Bewerberinnen und Bewerber treten an. Neun von ihnen, einer aus jeder Partei beziehungsweise Wählergemeinschaft, waren der Einladung gefolgt: Thomas Schatz (Die Linke), Sabine Wetzel (Bündnis 90/Die Grünen), Siegfried Siegel (SPD), Hendrik Thurm (Haus & Grund), Ilja Schicker (Bunte Liste – Bunte Stadt), Daniel Ujvari (Einzelbewerber), Christoph Kath (FDP), Uwe-Friedrich Albrecht (CDU) und Kai-Uwe Uebner (AfD).

Publikumsfragen

Die neun Kandidaten auf dem Podium stellten sich nicht nur den Fragen der Volksstimme-Redakteure Ivonne Sielaff und Dennis Lotzmann, sondern auch denen des Publikums. Das war zahlreich erschienen, brachte nicht nur Interesse an Kommunalpolitik, sondern auch reichlich Diskussionsfreude mit.

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Doch zunächst waren die Moderatoren an der Reihe und zogen zum Auftakt das Thema Finanzen: Die fetten Jahre sind vorbei, in der Stadtkasse klafft ein tiefes Loch. Was also tun, um den Haushalt auszugleichen, wollte Ivonne Sielaff wissen.

Genau hinschauen

An den Einnahmen liege es nicht, meinte Thomas Schatz. „Die Stadt nimmt genug ein“, plädierte er gegen Steuererhöhungen und stattdessen dafür, sich die Ausgaben genauer anzuschauen. Ähnlich Sabine Wetzel. Auch sie hält es für sinnvoll, bei den Ausgaben, vor allem bei neuen Investitionen, genau hinzuschauen. Mit dieser Meinung hatten die Beiden die Mehrheit ihrer Mit-Diskutanten hinter sich. Ausgabendisziplin war die Devise, neue Investitionen müssten auf Folgekosten geprüft und genau geschaut werden, was sich die Stadt noch leisten könne. Steuererhöhungen, die von Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) nicht mehr ausgeschlossen werden – fanden auf dem Volksstimme-Podium keine Befürworter. Oder fast, muss man sagen, denn SPD-Mann Siegfried Siegel mag diese nicht ausschließen. Er könne sich vorstellen, „eine angemessene Erhöhung der Gebühren auf den Prüfstand zu stellen“.

Und dann die nächste Fragerunde. Schierke – ist das Winterbergprojekt samt Seilbahnbau der richtige Weg oder sollte die Region naturbelassen bleiben und so um Touristen werben? Oder, wie Dennis Lotzmann die Kandidaten zugespitzt fragte, soll in Schierke künftig alpiner Skisport möglich sein?

Der Harz als Ganzes

Für Thomas Schatz ist das keine Frage, von ihm kam ein eindeutiges Nein. Auch Sabine Wetzel sprach sich erwartungsgemäß gegen Abfahrtshang und Beschneiungsanlagen aus. Man müsse den Harz als Ganzes betrachten, solche Anlagen gebe es andernorts bereits, sie müssten deshalb nicht in jedem Dorf neu entstehen. Für eine differenzierte Betrachtung votierte Siegfried Siegel mit seinem „Jein“ – Wintersport Ja, aber ohne Beschneiungsanlage und dazugehörige Teiche. Hendrik Thurm sieht keinen Widerspruch zwischen Naturschutz und Wintersport. Angesichts des bereits investierten Geldes votierte er mit Ja zum alpinen Sport in Schierke, Ilja Schicker erachtet eine Seilbahn im Ganzjahresbetrieb für sinnvoll. Skilanglauf, Wandern und Mountainbike-Strecken hält Daniel Ujvari für sinnvoll, eine alpine Abfahrtsstrecke hingegen nicht. Dieser Ansicht ist auch Kai-Uwe Uebner, anders dagegen Christoph Kath und Uwe-Friedrich Albrecht.

Und ganz am Ende der zweistündigen Veranstaltung widerlegten (fast) alle Kandidaten das Vorurteil, dass Politiker nicht in der Lage sind, kurz und knapp zu antworten. „Sind Sie für oder gegen die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge“, lautete die Frage zu einem jüngst auch im Stadtrat heiß diskutierten Thema. Und was sagen die Kandidaten dazu? Die Mehrheitsverhältnisse im Volksstimme-Podium waren eindeutig. Ein klares Ja kam von Thomas Schatz, Sabine Wetzel, Siegfried Siegel, Hendrik Thurm, Ilja Schicker, Christoph Kath und Kai-Uwe Uebner. Uwe-Friedrich Albrecht, dessen Landespartei die Abschaffung ablehnt, rang sich in Wernigerode immerhin zu einem Jein durch. Und Einzelbewerber Daniel Ujvari ging auch hier seinen eigenen Weg, dachte um die Ecke und sagte: „Ja, wenn die Gegenfinanzierung gesichert ist. Also Nein.“ Was er damit gemeint hat, darüber können die Wernige­röder nun noch ein wenig grübeln. Aber nur bis zum 26. Mai, dem Tag der Kommunalwahlen. Dann müssen sie sich entscheiden, welchem Kandidaten sie ihre Stimme geben.

Die Volksstimme bedankt sich bei den Mitarbeitern der Hochschule Harz für die organisatorische Hilfe und die Gastfreundschaft.