Wernigerode

Waldhofbad: Badeparty steigt zum 130. Geburtstag

130 Jahre – dem Wernigeröder Waldhofbad sieht man sein Alter wirklich nicht an. Mehrfach wurde es seit 1891 umgebaut. Generationen von Wernigerödern lernten hier das Schwimmen. Die Volksstimme blickt zurück in die Geschichte.

Von Ivonne Sielaff 07.07.2021, 12:31 • Aktualisiert: 07.07.2021, 23:20
Wernigerödes Waldhofbad ist im Sommer eine der beliebtesten Freizeitstätten für die Kinder und Jugendlichen der Stadt. Durch seine zentrale Lage ist es gut zu erreichen.
Wernigerödes Waldhofbad ist im Sommer eine der beliebtesten Freizeitstätten für die Kinder und Jugendlichen der Stadt. Durch seine zentrale Lage ist es gut zu erreichen. Foto: Ivonne Sielaff

Wernigerode - Badehose nicht dabei? Kein Problem – für fünf Pfennig hilft der Badewärter aus und überlässt vergesslichen Badegästen eine Leihhose. So steht es zumindest in der Badeordnung von 1891 geschrieben – dem Geburtsjahr des Wernigeröder Waldhofbads. Im Juli vor 130 Jahren öffnete die Volksbadeanstalt – damals noch ein natürlicher Teich – erstmals ihre Pforten. Ein Jubiläum, das die Stadtverwaltung nicht einfach verstreichen lassen will. Deshalb wird am Sonnabend, 10. Juli, von 10 bis 18 Uhr zu einer Badeparty mit Hüpfburg und Rodeoreiten eingeladen. Kinder haben freien Eintritt.

Es sei gut und richtig, dass sich eine Stadt wie Wernigerode ein Freibad und dazu noch eine Schwimmhalle leiste, sagt Wernigerodes Bäderchef Ralf Schult. Der Bäderbetrieb sei immerhin eine freiwillige Aufgabe der Stadt „Aber unsere Gäste lieben das Bad.“ Besonders beliebt sei es bei Kindern und Jugendlichen. Anders als in anderen Städten liegt das Freibad mitten im Zentrum und sei von Schülern mit dem Fahrrad oder zu Fuß gut zu erreichen.

Erlaubnis vom Fürsten

Dabei war der Standort am einstigen Waldhof eigentlich nur zweite Wahl – wie ein Blick in alte Zeitungsausschnitte verrät. Im Mai 1891 hatten die Stadtverordneten 1000 Markt für die Errichtung einer Badeanstalt abgenickt – aber nur unter der Bedingung, dass der dafür ausgewählte Teich vom Wasser des Barenbachs gespeist wird. Warum – das wurde damals im hiesigen Intelligenzblatt nicht mitgeteilt. Das Problem war aber: Sämtliche Teiche mit Zufluss des Barenbachs wurden zum Fischen genutzt, waren also zum Baden ungeeignet.

Das hieß, es musste ein anderes Gewässer gefunden werden. Und dies geschah unter Federführung des Christlichen Vereins deutscher Arbeiter. „Für die Badeanstalt wurde der Seigerhüttenteich oder der Teich am Waldhofe in Aussicht genommen“, heißt es im Wernigeröder Intelligenzblatt. Zuvor musste aber die Erlaubnis des Fürsten zu Stolberg eingeholt werden. Weiter heißt es: „Die Erlaubnis zur Benutzung des Teichs am Waldhofe ist, wie wir hören von Seiner Erlaucht gnädigst erteilt worden“ – vorerst auf sechs Jahre. Auch die Bevölkerung wurde um finanzielle Unterstützung für das Bauvorhaben gebeten.

Am 6. Juli 1831 konnte schließlich Eröffnung gefeiert werden. In der Zeitung stand geschrieben: „Die Anstalt umfaßt außer dem 1,90 Meter tiefen Schwimmplatz zwei Bassins, eins für Erwachsene 1,30 Meter und eins für die Jugend, 1 Meter tief.“ Zum Bademeister sei der Schuhmachermeister Zimmer ernannt worden.

Blitzeinschlag in 2012

1936/37 wurde das Bad dann grundhaft erweitert und umgebaut. Das Becken im Teich war viel zu klein für den Andrang der Bevölkerung. Außerdem wollte man Wernigerodes Kindern gute Bedingungen für den Schwimmunterricht verschaffen. Damals entstand der Gebäudetrakt – ein Vierseitenhof, der heute unter Denkmalschutz steht – zudem ein 50 Meter Becken mit Sprunganlage und ein Nichtschwimmerbecken mit Rutsche. Anfang der 1990er Jahre folgte der nächste Umbau. Das alte Bassin war inzwischen marode. Das Waldhofbad erhielt sein heutiges Aussehen mit drei Becken, großer Rutsche und Sprunganlage.

Zumindest fast: Denn die gesamte Technik ist erst vor wenigen Jahren erneuert worden. Schuld war ein heftiges Gewitter, das in der Nacht zum 3. Mai 2012 über Wernigerode wütete. Ein Blitz schlug in den historischen Häusertrakt der Badeanlage ein und löste ein Feuer ausgelöst – und das wenige Wochen vor dem Start der Badesaison. Nicht nur der Uhrenturm, auch das Technikgebäude samt Filteranlage und Teile des Sanitärhauses fielen den Flammen zum Opfer. Mehr als 700.000 Euro Schaden – die Freibadsaison 2012 in Wernigerode war damit gelaufen.

Das ist die diesjährige Saison zum Glück noch nicht. Die ist erst vor knapp vier Wochen gestartet – wenn auch verspätet wegen der Corona-Pandemie. „Wir sind gut gestartet“, so die erste Bilanz von Ralf Schult. Inzwischen sei der Zustrom etwas verhaltener – was dem wechselhaften Wetter geschuldet sei. Für die Badeparty am Sonnabend hofft er aber auf viele Gäste und Sonnenschein.

So sah das Wernigeröder Waldhofbad um 1920 aus. Gebadet wurde im Waldhofteich.
So sah das Wernigeröder Waldhofbad um 1920 aus. Gebadet wurde im Waldhofteich.
Quelle: Stadt Wernigerode