Wernigerode l Für viele ist es die schönste Zeit des Jahres. Gemeinsam mit den Lieben unterm Tannenbaum sitzen und Weihnachtslieder singen und sich später den Festtagsbraten schmecken lassen. Für die Mitarbeiter im Harzklinikum ist Heiligabend nicht ganz so besinnlich. Für sie ist der 24. Dezember ein Arbeitstag – wenn auch nicht ganz so normal wie jeder andere.

Barbara Stechhahn arbeitet seit 42 Jahren als Krankenschwester in dem Wernigeröder Klinikum, hat in dieser Zeit etliche Feiertagsdienste absolviert. „Es ist mir ein Bedürfnis, Menschen zu helfen“, sagt die 62-Jährige. Deshalb sei sie Krankenschwester geworden. Und die Patienten brauchen Hilfe – auch in der Weihnachtszeit.“

Besondere Zeit

Es sei ruhiger als sonst auf der Station, die sie leitet. „Es ist eine besondere Zeit. Die Patienten wollen bei ihren Liebsten sein.“ Wenn möglich, würden sie deshalb zuhause feiern. Die akuten und ernsten Fälle müssten aber auch während der Festtage rund um die Uhr betreut werden.

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Das Klinikpersonal versucht, auch für diese Patienten etwas Weihnachtszauber zu verbreiten. Die Stationen sind festlich dekoriert. Die Küche zaubert etwas ganz Besonderes. „Viele Patienten bekommen Besuch“, sagt Barbara Stechhahn. Es gebe aber auch immer wieder welche, die keine Angehörigen haben. Diese Menschen seien traurig, oftmals so traurig, dass sie weinen müssten. „Niemand ist zu Weihnachten gern allein.“

Empathie gehört dazu

Diese Patienten brauchen nicht nur Medizin, sondern Jemanden, der für sie da ist, der mit ihnen redet, der ihnen zuhört – oder Jemanden, der sie einfach mal in den Arm nimmt. „Und das mache ich dann auch“, sagt Barbara Stechhahn. Die Schicksale der Patienten würden sie manchmal nicht loslassen. „Ich habe im Laufe der Jahre einiges mit nach Hause genommen.“ Man müsse lernen, mit dem Erlebten umzugehen. „Aber zum Beruf der Krankenschwester gehört eben auch Empathie.“

Trotz ihrer Feiertagsdienste fällt das eigene Fest für die Mitarbeiter des Krankenhauses nicht ins Wasser. „Das ist in meiner Familie kein Problem. Wir planen dann um den Dienst drumherum.“ Bei Frühschicht gebe es die Bescherung eben später. „Und das Essen kann man vorkochen.“

Auch auf der Station machen es sich die Ärzte und Pfleger schön. „Jeder bringt etwas mit: Kartoffelsalat, Würstchen – und wenn wir ein paar Minuten haben, dann sitzen wir zusammen.“ So ganz ohne geht es dann doch nicht.

In diesem Jahr allerdings kann Barbara Stechhahn ihren Kartoffelsalat zuhause essen. „Ich habe über die Feiertage frei“, sagt die 62-Jährige. Was Weihnachten ihr bedeute? „Die Zeit mit der Familie mit den Kindern – eben das Zusammensein“, sagt die zehnfache Großmutter. „Das ist für mich das eigentliche Weihnachten. Die gemeinsame Zeit ist mir viel mehr wert als all die Geschenke.“