Wernigerode l „Wir verwenden schon noch sehr viel Plastik“, verrät Veronica Gruben. Sie verkauft auf dem Wernigeröder Weihnachtsmarkt Plätzchen, Vanillekipferl und Glühwein. „Der Kunde sucht sich das Gebäck aus und ich verpacke es in kleine Plastiktüten. Das sieht einfach schöner aus“, sagt die 24-Jährige. Sie würde das aber gerne ändern und statt der Plastik– lieber Papiertüten verwenden. „Aber ich bin hier nur angestellt“, so Veronica Gruben.

Würde sie einem Kunden die Plätzchen in seinen mitgebrachten Behälter füllen? Das sei kein Problem, sagt sie.

Papiertüten

Am nächsten Stand verkauft Victoria von Nathusius Schmalzkuchen, Quarkbällchen und Glühwein. „Wir verwenden zum Einpacken unserer Produkte gar kein Plastik. Das Brot überreichen wir den Kunden in Papiertüten.“ Auf die Glühweingläser erheben sie Pfand. „Es kamen auch schon Besucher mit eigenen Bechern. Dann füllen wir ihnen gerne ihr Getränk dort hinein“, sagt sie.

Der Betreiber des Wernigeröder Weihnachtsmarktes ist das Ordnungsamt. „Explizite Umweltauflagen wurden mit den Händlern nicht vereinbart“, sagt Stadt-Sprecherin Winnie Zagrodnik. Ein Plastikverbot gibt es nicht. Die Händler wurden jedoch darauf hingewiesen, weitestgehend auf Kunststoffgeschirr und -besteck zu verzichten, so die Sprecherin.

Restbestände

Am nächsten Glühweinstand gibt es neben Heißgetränken auch Kartoffelpuffer. „Wir haben noch Strohhalme, Geschirr und Besteck aus Plastik. Das sind alte Bestände, die wir in diesem Jahr noch verbrauchen“, sagt Brigitte Mantau. Sie finde es gut, dass immer mehr auf die Umwelt geachtet wird. Im nächsten Jahr wolle sie auch Besteck aus Holz anbieten. Einen Stand weiter erzählt der Verkäufer, dass er neben seinen klassischen Glühweintassen aus Porzellan auch Becher aus Plastik und Styropor anbiete. „Die sind für die Kunden, die abends, bevor wir schließen, noch vorbeikommen. Die bekommen ihr Getränk zum Mitnehmen“, sagt der Verkäufer, der seinen Namen nicht nennen möchte. Ungefähr 100 Plastikbecher schätzt er, würde er an den 24 Tagen, an denen der Weihnachtsmarkt geöffnet ist, ausgeben. Aber bei den Styroporbechern seien es schon so zwanzig Stück am Tag, sagt er.

Ganz anders geht es am Stand von Anna Seidel zu. Sie verkauft Pizza, Flammkuchen und Heißgetränke auf dem Wernigeröder Weihnachtsmarkt. „Wir haben nur noch Strohhalme aus Plastik. Aber auch hier wollen wir uns umstellen“, sagt die 34-Jährige. Das Besteck sei aus Holz, die Teller aus Pappe. Möchte ein Kunde seinen Glühwein mitnehmen, bekommt er ihn in einem Pappbecher. Alle diese Produkte bestehen zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Dadurch werde zwar kein Müll vermieden, aber Plastik.

Noch keine eigene Tasse

Trinkt der Besucher sein Heißgetränk am Stand, bekommt er dieses im Glas. Würde ein Kunde seine eigene Tasse mitbringen, würde sie ihm sein Getränk dort hineinfüllen. „Das kam jedoch noch nicht vor“, so Anna Seidel. An ihrer Hütte hat sie ein Schild angebracht, mit dem sie darauf hinweist, dass sie ausschließlich Verpackungen verwendet, die zu 100 Prozent recycelt werden können und biologisch abbaubar sind. „In meinem täglichen Geschäft mit Lebensmitteln arbeite ich nur mit natürlichen Produkten und diese Einstellung soll sich auch bei den Verpackungen, die wir verwenden, widerspiegeln“, sagt Anna Seidel. Sie wolle damit aber auch die Umwelt schützen.

Neben viel Müll, ist auch der immense Stromverbrauch auf so einem Weihnachtsmarkt ein Umweltkiller. „Die Lichterketten werden von den Händlern an ihren eigenen Hütten angebracht. Zum großen Teil wurden diese bereits auf LED-Leuchtmittel umgerüstet“, sagt Winnie Zagrodnik. Für die Weihnachtsbaumbeleuchtung auf dem Marktplatz verwenden die Stadtwerke Wernigerode ausschließlich moderne und energiesparende LED-Technik, so die Stadt-Sprecherin.