Wasserwehr

Wernigerode wappnet sich für nächste Flut

Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser. Im Wernigeröder Rathaus will man für die Zukunft gewappnet sein - mit einer Wasserwehr.

Von Ivonne Sielaff

Wernigerode l Pegelstände überwachen, Hochwassergefahren einschätzen, Einsätze auslösen – das soll in Wernigerode eine Wasserwehr übernehmen. Deren Bildung wird im Ordnungsamt vorbereitet. „Wir sind gerade dabei, das anzuschieben“, sagt Amtsleiterin Anja Münzberg.

Gearbeitet werde noch an der „personellen Untersetzung“ der Wehr. „Wir brauchen fachkundige Leute, die den Blick für Gefahren-Situationen haben“, erläutert Volker Friedrich. Die Feuerwehr schließt der Ordnungsdezernent dafür aber aus. „Sie hat andere Aufgaben.“ Schon wegen der „Möglichkeit der Ereignisparallelität“, also wenn Hochwasser, Feuer beziehungsweise Sturm gleichzeitig drohen, funktioniere das nicht. Die Aufgaben der Wasserwehr sehe er eher bei den Kollegen des Hoch- und Tiefbauamtes. „Sie haben das nötige Fachwissen.“ Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

In Wernigerodes Nachbarstädten Ilsenburg und Blankenburg haben sich die Wasserwehren bereits bewährt. Die Einsatztruppe für den Blankenburger Ortsteil Derenburg existiert seit knapp einem Jahr.

Der Wasserwehr gehören zwölf Kameraden der Derenburger Altersabteilung an, informiert Stadtwehrleiter Werner Greif. „Vorher haben sie Feuerwehr-Aufgaben erledigt. Bei der Wasserwehr können sie nun ihre jahrelangen Erfahrungen ausspielen“, sagt Greif. Zu ihren Pflichten gehöre nicht nur der Wachdienst und die Kontrolle von Deichen, Dämmen, Brücken und Durchlässen, sondern auch „praktische Arbeit und Hilfe“ – mit Unterstützung der Feuerwehr und des Technischen Eigenbetriebes. So hätten die Kameraden der Wasserwehr beim Juli-Hochwasser die Hilfseinsätze mit koordiniert. „Da waren viele fremde und ortsunkundige Helfer im Einsatz, die von den diensterfahrenen, älteren Kameraden angeleitet wurden. Das war Gold wert“, betont Greif.

In Ilsenburg bilden seit 2010 Verwaltungs- und Bauhofmitarbeiter die Wasserwehr. Ihr Einsatz erfolgt wie auch in Derenburg nach einem Notfallplan. „Bestandteil dieses Plans ist unter anderem die Begehung von neuralgischen Punkten ab einer gewissen Pegelhöhe“, sagt Ilsenburg Bürgermeister Denis Loeffke (CDU). Die Ausstattung bestehe aus städtischen Fahrzeugen wie Radlader, Lkw und Multicar sowie Werkzeug, darunter Schaufeln, Hacken und Füllrohre für Sandsäcke. Die Ausrüstung werde je nach Bedarf ergänzt.

Wie in Derenburg werden Sandsäcke und Füllsand vorgehalten. Darüber hinaus gibt es in der Stadt einen „permanenten Wasserdienst“, so Loeffke. „Dieser sichtet regelmäßig Wehranlagen, entnimmt Schwemmgut, regelt den Wasserspiegel, um zum Beispiel Puffer vor angekündigten Regenereignissen zu schaffen.“

Voraussetzung für die Bildung der Wasserwehr ist eine genehmigte Satzung, in der unter anderem Aufgaben und Pflichten niedergeschrieben sind. Wie Ordnungsamtsleiterin Anja Münzberg informiert, wird die Satzung für Wernigerode gerade erarbeitet. Im Frühjahr soll sie den Stadträten zur Diskussion und dann zur Abstimmung vorgelegt werden.

Und im Hintergrund läuft noch mehr: Laut Volker Friedrich hat die Stadtverwaltung die Hochwasser-Ereignisse von 2017 zum Anlass genommen, um die Alarmierungsstruktur und die Meldeketten für Notfälle auf den Prüfstand zu stellen. Ebenfalls in Arbeit ist ein Hochwasserschutzkonzept für Wernigerode und die Ortsteile. Ein „Maßnahmenkatalog“ soll Mitte 2018 vorliegen, heißt es aus dem Rathaus.

Zudem möchte das Ordnungsamt interessierte Wernigeröder als „Gewässerpaten“ gewinnen. Sie könnten die Fließgewässer in ihrer Nachbarschaft beobachten und eventuelle Gefahren melden. Interessierte werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (0 39 43) 65 43 21 und per E-Mail ordnungsamt@wernigerode.de zu melden.

Hintergrund: Die Einrichtung von Wasserwehren ist gesetzlich vorgeschrieben. Tätig werden müssen die Kommunen, die erfahrungsgemäß von Hochwasser bedroht sind, wie Matthias Blessinger von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Harz erläutert. Für die Einrichtung der Wehr gebe es kein Budget. Die Kommune sei in der Finanzierungspflicht, könne aber beim Land Fördergeld beantragen.