Hasselfelde l Was war los am Sonntag in Pullman City? Statt des Startschusses für die 20. Auflage des Schlittenhunderennens ertönte in der Westernstadt bei Hasselfelde eine Durchsage von Wolf-Dieter Polz. „Wir haben uns mit Rücksicht auf die Gesundheit der Tiere entschieden, dass ein Rennen unter Rennbedingungen heute nicht möglich ist“, erklärte der Rennleiter – zum Schutz für die rund 500 Hunde, die am zweiten Wettkampftag starten sollten.

Schuld daran war das Wetter. Am Sonnabend lagen die Temperaturen noch im Plus, es hatte geregnet und sogar geschneit. In der Nacht zum Sonntag fiel die Thermometeranzeige unter Null Grad. Eine Eisschicht habe sich über den Boden gezogen. Der erste Hund, der darüber laufe, zerbreche dieses. Das gebrochene Eis sei so scharf, dass es die Pfoten der nachfolgenen Hunde verletzen könnte, erklärt der 65-Jährige.

Spazieren statt anstrengen

Trotzdem sind viele Teilnehmer mit eineinhalb Stunden Verspätung doch noch an den Start gegangen. „Das ist so eine Art Showrennen“, so Polz. Er ist der Präsident des Sportvereins reinrassiger Schlittenhunde, der den Wettkampf ausrichtet. „Aber es wird nicht auf Zeit gefahren. Es ist ein Unterschied, ob die Hunde sich richtig anstrengen müssen oder spazieren gehen dürfen“, sagt er.

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Rund 90 Teilnehmer mit ungefähr 500 Schlittenhunden waren zum Jubiläumsrennen angereist. „Das sind zehn Teilnehmer mehr als im letzten Jahr. Und viele von ihnen wohnen nicht hier in der Nähe“, sagt Polz. Aus der Türkei, Polen, Niederlande und Österreich seien die Schlittenhundefreunde in den Harz gekommen. Aber auch viele Deutsche zum Beispiel aus Bayern und Baden-Württemberg haben den weiten Weg auf sich genommen.

Dass das Rennen verkürzt wurde, sei zwar nicht schön. „Enttäuscht sind wir alle. Aber wir haben uns diesen Sport als Hobby ausgesucht und müssen mit dem Wetter leben. Zum Glück konnten die Teilnehmer wenigstens am Tag zuvor starten“, so der Rennleiter. Diese Zeiten werden nun gewertet. Vier Schlittenhunderassen sind an den Start gegangen: der Sibirian Husky, der Alaskan Malamute, der Samojede und der Grönlandhund. Zwischen sechs und neun Kilometern seien sie gelaufen.

Die Schlittenhundesportler sind an widriges Wetter gewöhnt. „Erst sieben Mal konnte der Wettkampf mit Rennschlitten gefahren werden, 13 Mal mussten Wagen genommen werden“, sagt Polz. So auch in diesem Jahr.

Familienleben mit Hunden

In der Kategorie drei bis vier Hunde, nimmt seit 20 Jahren Götz Bramowski teil. „Und jedes Jahr hat er gewonnen“, so der Rennleiter. Der Dauersieger aus Wefensleben in der Börde betreibt diesen Sport seit 25 Jahren. „Mein Schwiegervater hat mich zu diesem Hobby gebracht“, erzählt Götz Bramowski. Mit seiner Frau und seinem Sohn ist er nach Pullman City gereist. „Meine Frau, unser Sohn und unsere Tochter kommen fast immer mit, wenn ich zu einem Rennen fahre. Anders wäre ein Familienleben gar nicht möglich“, sagt der 57-Jährige. Viermal die Woche trainiere er die Hunde. Außerdem nehme er an Trainingslagern in Österreich mit den Tieren teil.

Das Hobby hatte er mit einem Sibirian Husky begonnen. „Dann habe ich mir noch einen geholt und dann noch einen. Dieser Sport ist wie eine Sucht“, erzählt der gelernte Berufskraftfahrer. Freitagabend, wenn er von der Arbeit käme, steige er oftmals mit der gesamten Familie und den mittlerweile sechs Huskys in den Wohnwagen und fährt zu den Rennen. „Von November bis Ostern sind wir jedes Wochenende unterwegs“, so Bramowski. Am kommenden Sonnabend nimmt er in Österreich an einem Schlittenhunderennen teil.

Aus diesem Grund fährt er auch nicht mit bei dem Showrennen, dem freiwilligen zweiten Tag in Pullman City. „Ich habe Bedenken, dass sich die Huskys durch das Eis doch noch die Pfoten verletzen. Diese Hunde sind keine Spaziergänger, die wollen gefordert werden. Sie sind geboren um zu laufen“, so Götz Bramowski.

Wenn man sich solche Hunde halte, müsse man wissen, worauf man sich einlasse. Außerdem seien die Ausgaben wie Versicherung und Tierarztkosten hoch. Lediglich durch den Verkauf der Welpen könne man einen Teil der Haltungskosten decken, so der Familienvater.

Nicht nur mit dem Wagen konnte das Schlittenhunderennen in Hasselfelde bestritten werden, sondern auch mit Fahrrad und Scooter. Mit dem Rad und einem Husky vorneweg konnte Claudia Mothes aus Bad Harzburg in der Kategorie Damen das Rennen für sich entscheiden. Die 33-Jährige hat im vergangenen Jahr das erste Mal am Rennen in Pullman City teilgenommen und wurde prompt Zweite. In diesem Jahr hat es für den Sieg gereicht. Beim Showrennen am zweiten Tag hat sie die Möglichkeit genutzt, sich und die Tiere einmal mit einem Scooter, einer Art Roller, auszuprobieren.

Mothes, die im Nationalpark Harz arbeitet, hat sich als Erwachsene einen Kindheitstraum erfüllt und sich einen Husky gekauft. „Irgendwann kam ich dann zum Schlittenhunderennen“, sagt Claudia Mothes. Den nächsten Wettkampf an dem sie mit ihren beiden Huskys teilnimmt, ist im Februar in Clausthal-Zellerfeld. „Dort fahre ich dann auf Ski.“

Wieder in den Harz

In der Kategorie Damen auf dem Scooter hat die Österreicherin Daniela Korb gewonnen. „Ich war das erste Mal bei einem Rennen in Hasselfelde“, sagt die 47-Jährige. In Wien würde sie mit ihren Huskys immer auf dem Scooter üben. „In der Stadt haben wir halt nicht so viel Schnee, dass ich mit den Ski trainieren könnte“, sagt sie. Daniela Kolb hatte vor Jahren einmal einen in Not geratenen Husky aus Spanien bei sich aufgenommen. So hatte sich ihre Liebe zu den Schlittenhunden entwickelt. Mittlerweile habe sie sieben. Nächstes Wochenende wird sie, wie Götz Bramowski, in Österreich an einem Rennen teilnehmen. In Pullman City im Harz habe es ihr gut gefallen. „Ich möchte auf jeden Fall wiederkommen“, so Daniela Korb.

Auch wenn nicht alle Teilnehmer am Sonntag aufgrund des Wetters gestartet sind, waren die Zuschauer angetan. Insgesamt 2500 Besucher waren zum Rennen gekommen. „Ich komme jedes Jahr hierher. Zu sehen, was die Hunde für eine Leistung vollbringen, gefällt mir unglaublich gut“, sagt Philipp Schüssler aus Blankenburg. Ein Husky-Rüde ziehe das Zehnfache seines Gewichtes von rund 25 Kilo fort, so Rennleiter Polz.

Auch Jennifer Werner und Andeas Konkel mit ihren vier Kindern waren begeistert. „Wir sind aus Gommern und verbringen unseren Urlaub im Harz. Im Internet haben wir von dem Schlittenhunderennen erfahren und fanden es total super“, sagt Jennifer Werner.