Wernigerode l Saukomisch geht anders: In seiner Neujahrsrede hat Stadtchef Peter Gaffert (parteilos) nicht nur gelobt, er teilte auch aus. Unter anderem bekam die Volksstimme ihr Fett weg. „Bei der Berichterstattung über Wildschweine in der Stadt konnte man ja fast glauben, Wernigerode sei die Serengeti Europas“, flachste Gaffert am Mittwoch unter dem Beifall der Anwesenden und setzte noch einen drauf. „Solch Journalismus lässt mehr Leser vor der Zeitung weglaufen als vor Wildschweinen.“

Dieser Schuss ging daneben. Denn nicht die gescholtenen Journalisten fühlen sich auf den Schlips getreten, sondern Zeitungsleser, die sich seit Monaten mit den Borstentieren herumplagen müssen.

Wie Barbara Richter. Peter Gafferts Worte seien „ein Schlag ins Gesicht“, so die Wernigeröderin am Lesertelefon. Sie wohne in der Friedrichstraße, ihr und auch die Gärten der Nachbarn seien total zerstört. „Die Wildschweine treiben nach wie vor jede Nacht ihr Unwesen.“ Sich darüber nun lustig zu machen, „das ist eines Stadtoberhauptes unwürdig“.

„Was soll man dazu sagen“, echauffiert sich Gerhart Brüning. Erst in der Nacht zum Freitag sei er wieder von zwölf Tieren heimgesucht worden. „Gaffert soll mal herkommen.“ Dann könne er seinen Garten umbuddeln und alles wieder begradigen, sagt Brüning.

Es gibt sogar Lob für die Volksstimme. „Gut, dass ihr an dem Thema drangeblieben seid“, heißt es von Fritz Hartmann. Und wir bleiben auch weiter dran. Versprochen!