Für seine Dissertation über Harzer Sehenswürdigkeiten und ihren Daten hat Thomas Spangenberg einen Wissenschaftspreis erhalten.

Wernigerode l Wenn Touristen durch Wernigerode und den angrenzenden Harzwald wandern, dann haben sie immer seltener eine Papierkarte und einen gedruckten Reiseführer dabei. Das Smartphone mit entsprechenden Anwendungen ersetzt die Wanderkarte, und kooperativ geschriebene Reiseführer im Internet bieten teilweise mehr Informationen als ein dickes schweres Buch.

Thomas Spangenberg hat sich mit den Möglichkeiten digitaler Tourismushelfer beschäftigt. Mit einer Dissertation mit dem Titel „Points of Interest in E-Tourism“ wurde er zum Dr. rer. nat. promoviert und ist dafür nun mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Wernigerode ausgezeichnet worden.

GPS-Logger für Touristen

Spangenberg hat in seiner Arbeit untersucht, wie sich Touristen in der Region bewegen, welche Sehenswürdigkeiten sie aufsuchen. Der Wissenschaftler hat dabei ein System entwickelt, die Sehenswürdigkeiten – „Points of Interests“ – in all ihren Facetten, räumlich, zeitlich, inhaltlich und bildlich, zu erfassen. Auf diese Weise könnten dann individuelle Informationsdienste entwickelt werden. Um an die Daten zu gelangen, hat er unter anderem Touristen mit GPS-Loggern ausgestattet, Geräte die deren Wege durch die Stadt und die Berge mithilfe von Satellitensignalen aufzeichnen.

Spangenbergs Forschungen werden bereits angewandt. So etwa in den Wander-Apps der Alpstein-Tourismus-Gesellschaft, die auch in speziellen regionalen Versionen für Sachsen-Anhalt Anwendung finden.

Zur Promotion nach Münster

Dass Forschungen einen Bezug zu Wernigerode und zur Harzregion haben, ist Bedingung für die Vergabe des Wissenschaftspreises. Der Hallenser Thomas Spangenberg hat an der Hochschule Harz als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Geoinformatik gearbeitet. Doch eine Promotion an einer Fachhochschule ist bislang nicht möglich. „Fast alle in meiner Familie sind promoviert“, sagt Spangenberg. Bei seinen ersten beruflichen Erfahrungen habe sich zudem herausgestellt, dass der Doktorgrad „ab einem gewissen Karrieregrad“ dazugehört.

Um sich die zwei Buchstaben vor dem Namen zu erarbeiten, musste Spangenberg an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster wechseln. Für den Fachhochschul-Absolventen hieß es dort, noch einige Pflichtseminare zu absolvieren, bis er sich schließlich in den Kreis der Promotionsstudenten mit Universitätsabschluss einreihen durfte. Mit dem Prädikat Magna cum laude würdigte die Universität schließlich seine Arbeit.

Dass Spangenbergs Forschung herausragend sei, zeige schon der Umstand, dass es drei unabhänge und vor allem anonyme Gutachten gebe, die in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, sagt Spangenbergs Betreuer Hardy Pundt von der Hochschule Harz. Spangenberg würde den Universitätsabsolventen in nichts nachstehen. Neben Aufmerksamkeit für seine Forschung kann sich der Hallenser nun auch über 3000 Euro Preisgeld freuen – laut Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) ist der Wernigeröder Wissenschaftspreis damit der höchstdotierte in Sachsen-Anhalt.

Ein „gutes Dutzend Bewerbungen“ seien für den Preis eingegangen, sagt Hochschulrektor Armin Willingmann. Diese hätten von der „ambitionierten Schülerarbeit bis zum opus magnum“ gereicht.

Ein solches opus magnum wurde mit einem der zwei Sonderpreise bedacht. Der Historiker Konrad Breitenborn erhielt den Preis für sein Werk „Tage zwischen Hoffnung und Angst. Der 17. Juni 1953 im Kreis Wernigerode“, das bereits 2013 erschienen ist. Schuld an seiner Bewerbung sei die Volksstimme gewesen, sagte Breitenborn. An einem Freitag, dem 13., habe er dort die Nachricht gelesen, dass die frühere Altersgrenze von 40 Jahren für Bewerbungen zum Wissenschaftspreis gefallen sei. Das heute 65-jährige „Urgestein der historischen Regionalforschung“, wie ihn Rektor Willingmann nannte, nahm seine Chance wahr und sandte ein Exposé ein.

Mehrstaatlichkeit fördert Zuwanderung

Einen zweiten Sonderpreis erhiet Julia Schröder für eine Bachelor-Arbeit. In dieser beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang von Mehrstaatlichkeit und Einwanderungszahlen. Ihre Frage: Führt die mehrfache Staatsbürgerschaft zu zunehmenden Einwanderungszahlen? Die an der Hochschule Harz eingereichte Arbeit beantwortet die Frage mit einem klaren Ja. „Die Arbeit greift eine aktuelle Diskussion auf“, sagte Willingmann in seiner Laudatio auf die Preisträgerin. „Es stellt sich die Frage, ob wir Mehrstaatlichkeit wirklich verhindern müssen.“

Das aktuelle Thema Zuwanderung griff auch Armin Willingmann immer wieder auf. „Den Wissenschaftler interessieren keine nationalen Grenzen und Grenzen, die sich an Ethnien orientieren.“ Die Hochschule sei „offen für jene, die Schutz suchen und auf der Flucht sind“, so der Rektor.