Benzingerode l Das Baugebiet „Unterm Austberg“ in Benzingerode nimmt langsam Gestalt an. Am Ortsausgang in Richtung Wernigerode, vis-à-vis dem anderen Neubaugebiet des Ortsteiles, sollen zahlreiche Wohnhäuser errichtet werden. Im Wernigeröder Bauausschuss und im Benzingeröder Ortschaftsrat wurden unlängst die Eckdaten der Planung vorgestellt und diskutiert.

Wo bisher Ackerland war, sollen künftig Einfamilien-, Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser stehen. Zwischen 400 und 900 Quadratmeter groß sollten die geplanten Grundstücke werden, erklärte Investor und Architekt Michael Ahlhorn in der Sitzung des Ortschaftsrates. Der Mix mache den Charme des Projekts aus, betont der Ausschussvorsitzende Matthias Winkelmann (CDU). „Wir haben jetzt einen Entwurf, der alles hat.“

Besonders die vorgesehenen Mehrgenerationenhäuser kämen gut an, lobte sein Stellvertreter Siegfried Siegel (SPD) – ebenso wie die „massive, kompakte Bebauung“ mit 105 Wohneinheiten in 30 Gebäuden. Dies käme Interessenten mit schmalerem Geldbeutel entgegen. Bedenken gebe es angesichts der Auswirkungen, die das Bauvorhaben auf den Charakter des Dorfes haben würde. „Wir würden das Ortsbild von Benzingerode massiv verändern“, so Siegel. Daher sei ein sorgfältiges Abwägen des Für und Wider vonnöten.

Keine Bauplätze mehr in Benzingerode

Eine Gefahr sieht Baudezernent Burkhard Rudo nicht. „Das Ortsbild rundet sich ab“, sagte er. Auch Christian Härtel (Linke) betonte, dass bereits das gegenüberliegende Neubaugebiet den Charakter des Ortes verändert habe. Da keine Bauplätze mehr verfügbar seien, habe in den vergangenen Jahren die vorhandene Nachfrage nicht befriedigt werden können. Daher gab der Ortschaftsrat den Anstoß für das Projekt. „Wir sollten dem Benzingeröder Willen positiv gegenübertreten“, so Härtel.

Beim stellvertretenden Ortsbürgermeister Gert Schlegel (FWB) erntet er dafür Zustimmung. „Uns kommt es darauf an, dass in Benzingerode in der Zukunft etwas passiert.“ Es seien bereits Einwohner, die vergeblich einen Bauplatz im Ort gesucht hatten, von dort weggezogen. Mit dem neuen Baugebiet wolle man die Menschen vor Ort halten – und in Wernigerode. „Das soll eine Entwicklung für die ganze Stadt sein“, so Schlegel.

Oft heiße es, dass erst Baulücken im Ort geschlossen werden sollen, bevor auf der grünen Wiese gebaut werde. Doch Nachverdichtung sei für Benzingerode nicht unbedingt das Richtige. „Viele haben Pferde, Schafe, Hühner. Das gehört auf dem Dorf dazu. Wir wollen nicht alles dicht an dicht bebauen“, so Schlegel.

Sorgen um Kita-Plätze und Gärten

Dass in Benzingerode nicht alle den Plänen positiv gegenüberstehen, wurde allerdings in der jüngsten Ortschaftsratssitzung deutlich. Unter den zahlreichen Zuhörern befanden sich Befürworter und Kritiker des Projekts. Während die einen mit dem Neubaugebiet und dem möglichen Zuzug die Zukunft des Ortes verknüpfen, befürchten andere Einschnitte für benachbarte Gartenbesitzer und eine Überforderung der Kindertagesstätte, die bereits aus allen Nähten platze.

Ratsmitglied Wilfried Pöhlert (Linke) appellierte an die Einwohner, ihre Bedenken bei der Auslegung vorzubringen. Diese könnte nach einem positiven Stadtratsbeschluss am Donnerstag, 24. Oktober, erfolgen. Die Auslegung ist im beschleunigten Verfahren, das angewendet werden soll, zwar nicht vorgesehen, wird aber freiwillig vorgeschaltet, erklärte Michael Zagrodnik vom Bauplanungsamt der Wernigeröder Stadtverwaltung.

Dieses beschleunigte Verfahren, das nur noch bis Ende 2019 genutzt werden kann, sei in diesem Fall möglich, weil die zu bebauende Grundfläche mit rund 8300 Quadratmetern unter der zulässigen Schwelle von 10.000 Quadratmetern liege. Das gesamte Gelände ist rund 30.000 Quadratmeter groß. Daher empfinde er die Rechnung des Bauamtes als „Trick“, so Siegfried Siegel. „Hier ist ein ordentliches, normales Verfahren angemessen.“

Dafür erntete er die Zustimmung von Tina Sasse (Bündnis 90/Grüne), die ankündigte, dass ihre Fraktion dem Projekt nur bei Anwendung des regulären Verfahrens zustimmen werde, bei dem unter anderem auch ein Umweltbericht angefertigt werden muss.