Wernigerode l Es könnte die Lösung gleich mehrerer Probleme sein, wenn Rentner und Studenten zusammen leben. Die jungen Leute wohnen günstig und die älteren bekommen Unterstützung beim Rasenmähen, Fensterputzen oder beim Tragen schwerer Einkäufe. Das ist die Idee von Maria Lobe-Van Camp. Die gebürtige Belgierin lehrt Englisch an der Fachhochschule Harz. Im Unterricht hatte sie die Idee, dass es doch praktisch wäre, wenn Jung und Alt zusammen wohnten.

„Unser Plan ist, dass der Student nur die Nebenkosten zahlt, ansonsten aber kostenlos wohnt“, so Maria Lobe-Van Camp. Im Gegenzug revanchiert sich der Hochschüler mit Unterstützung im Haushalt, Garten, liest vielleicht mal aus einem Buch oder der Zeitung vor oder rollt den Müllcontainer auf die Straße. Dabei könnten sich Rentner und Student an der Quadratmeterzahl des Zimmers orientieren: 14 Quadratmeter gleich 14 Stunden Unterstützung im Monat.

Die Dozentin Maria Lobe-Van Camp initiierte das Programm „Jung und Alt zu Hause“ gemeinsam mit der Studentin Anne Glaeß. „Wir denken, dass es eine Win-win-Situation sein kann, wenn zwei Generationen unter einem Dach wohnen“, sagt Anne Glaeß. Gleichzeitig schränkt sie ein, dass es bei dem Programm nicht um die Pflege der Rentner geht und auch kein Abhängigkeitsverhältnis entstehen dürfe.

Viele Studenten reagieren positiv

Viele ihrer Kommilitonen hätten positiv auf die Wohnidee reagiert, so die Studentin. Sie selbst weiß, wie schwierig es ist, in Wernigerode eine Wohnung zu finden. „Als ich vor einem Jahr hierher gezogen bin, gab es nur eine freie, geeignete Wohnung. Was für ein Glück, dass ich sie bekommen habe.“

Die Erzgebirgerin Anne Glaeß studiert im dritten Semester „International Tourism Studies“ und leitet auch schon das Projekt „Jung und Alt auf Reisen“. Tourismus-Studenten organisieren für die Seniorenvertretung Wernigerode zwei Mal im Jahr eine Reise vom Transport über das Hotel bis zur Freizeitgestaltung.

Die Studenten lernen dabei, in der Praxis Reisen zu organisieren und die Senioren freuen sich über einen Ausflug. „Die Reisen sind immer so beliebt, dass gar nicht jeder mitfahren kann, der möchte“, sagt Gerlinde Heyder, die Vorsitzende der Seniorenvertretung.

Fragebogen bringt Jung und Alt zusammen

Auch beim Programm „Jung und Alt zu Hause“ ist die Vertretung dabei. Sie wolle die Rentner der Stadt über die Idee der Dozentin informieren, rechne aber nicht mit einem Ansturm. „Wir gehen davon aus, dass ein bis drei Studenten pro Semester sich für diese Wohnform entscheiden“, sagt Heyder.

Damit gemeinsames Wohnen Spaß macht, muss die Chemie stimmen. Dafür haben Maria Lobe-Van Camp und Anne Glaeß einen Fragebogen für beide Seiten entwickelt: Sind sie Raucher? Gibt es einen Fernsehanschluss? WLAN? Haustiere? Die Fachhochschule wertet die Listen aus und bringt geeignete Teilnehmer zusammen. Den Rest entscheidet die Sympathie. Nach drei Wochen Probewohnen unterschreiben beide Seiten einen Mietvertrag.

Interessenten können per E-Mail an mvancamp@hs-harz.de oder im Senioren- und Familienhaus, Steingrube 8, melden.