Benneckenstein l „Das hier ist wie ein kleines Hollywood“, sagt Mario Tänzer angesichts der Produktionswagen und Schilder, die auf den laufenden Filmdreh verweisen. Auf dem Gelände des Technikmuseums arbeiteten für zwei Tage rund 30 Crewmitglieder und Schauspieler, um Szenen für einen Werbefilm in den Kasten zu bekommen. Dieser soll Lust auf das Online-Spiel „World of Tanks“ (zu deutsch: Panzerwelt) machen.

„Das wird nicht nur ein kurzer Werbespot, sondern ein rund einminütiger Film mit kleiner Handlung“, verrät Mario Tänzer vom Museumsteam. „Es sollen die letzten Zuckungen des Westfeldzugs der Deutschen im Zweiten Weltkrieg nachgestellt werden.“ Eigens dafür hat Tänzer bei einem Freund aus Dresden ein Replik eines Panzers III aus den 40er Jahren organisiert.

Dreh-Set im Museum

Darüber hinaus stellte das Museumsteam eine Panzerabwehrkanone bereit und stattete die Schauspieler mit mehreren Requisiten-Waffen aus. Gefechte wurden mit Pyrotechnik dargestellt. Die Fahrzeughalle wurde kurzerhand für das Catering leergeräumt, der Frühstücksraum als Maske und Garderobe genutzt. Auch die technische Betreuung vor Ort stellte Tänzer mit seinen Leuten sicher, die unter anderem einen im Schlamm festgefahrenen Panzer bergen mussten.

Bilder

„Ich arbeite darauf hin, dass wir hier öfter solche Teams herholen. Was wir an Fahrzeugpark und Waffentechnik haben, ist einmalig“, ist sich Tänzer sicher. Das Gelände biete sich darüber hinaus als Filmlandschaft geradezu an. „Und es ist für die Produktion auch deutlich günstiger hier vor Ort zu drehen, als die Technik irgendwohin zu transportieren.“ Allein die Kosten für diesen zweitägigen Dreh schätzt er auf mindestens eine mittlere fünfstellige Summe.

Dreh stand auf der Kippe

Einen weiteren Vorteil sieht Tänzer für die Wirtschaft in der Region. „Ich habe allein für das Catering 170 Brötchen bei zwei Bäckern bestellt, dazu war ich zweimal fürs Mittagessen einkaufen. Wenn 30 Mann dann auch noch in Hotels übernachten und abends mal in eine Gaststätte gehen, dann bringt das nunmal Kurtaxe und Umsätze ein.“

Diese fließen dieses Mal jedoch nach Niedersachsen. Kurzfristig hat das Filmteam laut Tänzer im Maritim Hotel Braunlage eingecheckt. „Das stand aber noch bis Freitagmittag wegen des Beherbungsverbots auf Messers Schneide“, weiß er. Die Berliner Produktionsfirma konnte nur Dank negativer Corona-Tests doch zu den Dreharbeiten anreisen.

Stars im Harz

Unter den Schauspielern waren sogar zwei echte Hochkaräter. So stand Komiker Simon Gosejohann vor der Kamera, der sich durch verschiedene ProSieben-Shows deutschlandweit einen Namen gemacht hat. Auch Maximilian Knabe alias Hänno schlüpfte in eine andere Rolle. Der 28-Jährige ist vor allem der jüngeren Generation durch seinen YouTube-Kanal „HandOfBlood“ bekannt, moderiert zudem E-Sport-Turniere und nimmt selber erfolgreich an Wettbewerben im Computerspielen teil.

Der in Benneckenstein gedrehte Werbefilm soll laut Mario Tänzer weltweit in Kinos und im Fernsehen laufen. Zielgruppe seien dabei keine Kriegsverherrlicher, sondern Fans der Technik, so wie er einer sei, meint der 38-Jährige. „Die Leute, die das spielen, machen es, weil sie Spaß daran haben, einen Panzer zu steuern. Das ist kein Ego-Shooter, wo es Blut und Tote gibt. Es wird nicht auf Menschen geschossen, sondern nur auf die Maschinen“, stellt er klar. Nach Angaben des Spieleherstellers sind bei „World of Tanks“ weltweit rund 160 Millionen Online-Spieler registriert.

In Film und TV präsent

Für Mario Tänzer ist das Filmgeschäft nicht neu. In Benneckenstein begrüßte er bereits Kamerateams, die für das Wissensmagazin „Galileo“, den Sender Dmax oder ein Musikvideo des Rappers Nimo drehten.

Mit seiner Technik wurde Tänzer dagegen schon auswärts für die RTL-Serie „Cobra 11“ gebucht. Auch für den in Babelsberg gedrehten Hollywood-Thriller „Without remorse“, der 2021 unter dem Titel „Gnadenlos“ in die Kinos kommen soll, war er hinsichtlich der Ausstattung involviert. „Eigentlich sollten wir demnächst auch für ein Musikvideo mit dem Panzer durch den Berliner Tiergarten fahren. Aber der Dreh wurde wegen Corona komplett abgesagt“, bedauert er.