Wielun l Als die polnische Kleinstadt Wielun am 1. September 1939 frühmorgens um 4.40 Uhr durch Bomben aus deutschen Stukas getroffen wurde, markierte dies den Beginn des deutschen Überfalls auf Polen und des Zweiten Weltkrieges.

Videoanimation beeindruckte

Obwohl Historiker längst nachgewiesen hätten, dass der Angriff auf Wielun, der 1200 Menschenleben forderte und die Stadt in Schutt und Asche legte, noch vor dem Beschuss der Westerplatte erfolgte, „nahm die Politik bislang wenig Notiz davon. Doch das hat sich jetzt geändert“, blickte Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz auf die Gedenkveranstaltungen vom Wochenende zurück, an denen mit Präsident Andrzej Duda und dem Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier die beiden höchsten Repräsentanten beider Staaten teilnahmen. „Damit hat unsere Partnerstadt die offi­zielle Anerkennung bekommen, dass dort der Zweite Weltkrieg begann“, sagte Schulz. Bei dem Gedenken, das um 4.40 Uhr „mit Sirenen und einer sehr ergreifenden Videoanimation auf einer großen Häuserfront eingeleitet wurde“, hätten neben Wieluns Bürgermeister Pawel Okrasa auch beide Präsidenten „sehr gute Reden gehalten. Duda wiederholte mit keiner Silbe die polnischen Forderungen der letzten Wochen nach Reparationszahlungen Deutschlands. Stattdessen sagte er, dass die persönliche Anwesenheit des Bundespräsidenten eine moralische Entschädigung sei“, äußerte der Osterburger Bürgermeister.

Stunden vor der Gedenkveranstaltung auf dem zentralen Plac Legionow hatten sich Schulz (CDU) und seine Begleiter, darunter der stellvertretende Bürgermeister Detlef Kränzel sowie der Königsmarker Ortschef Rainer Moser, in das 90 Kilometer entfernte Polnisch Neudorf begeben. „In diesem Ort nahe Opole befindet sich der Flugplatz, auf dem vor 80 Jahren die Bomber zur Zerstörung Wieluns aufbrachen. Jedes Jahr erinnern Schüler aus Wielun und Deutschland mit einem ,Lauf der Erinnerung‘ an dieses schreckliche Ereignis“, sagte Schulz.

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Schulz betont die Städtefreundschaft

Nach einem Feldgottesdienst sowie dem Anbringen und der Weihe einer Gedenktafel sei er spontan um eine Ansprache gebeten worden. In dieser habe er, auch wenn er nur Bürgermeister einer deutschen Kleinstadt sei, um Vergebung gebeten. Vergebung allein aber genüge nicht, um auch zukünftig den Frieden zu wahren. „Wichtiger sind die Freundschaften zwischen den Menschen beider Völker. Hierbei haben Städtepartnerschaften eine ganz besondere Rolle“, so der Osterburger Bürgermeister, der sich bei seinem Wieluner Amtsollegen und allen Einwohnern der Stadt für die fast schon 20-jährige Partnerschaft mit Osterburg bedankte. Gemeinsam mit Pawel Okrasa eröffnete Nico Schulz anschließend den Lauf, auf dem die Schüler eine Fackel nach Wielun trugen, um dort pünktlich um 4.40 Uhr eine Flamme auf einem Mahnmal entzünden zu können. In diesem Jahr gehörten die von Lehrerin Undine Theiß betreuten Markgraf-Albrecht-Gymnasiasten Cinthia Joseph, Neele Marike Esstedt, Hanna Dieckmann und Tom Luca Schliewe zu der Läufergruppe, die die Flamme nach Wielun trug.