Wolmirstedt l Über dem Altar der Katharinenkirche leuchtet der Weihnachtsstern. Darunter hatte sich ein großer Klangkörper zusammengefunden, den es in dieser Konstellation nur einmal im Jahr gibt. Immer am 4. Dezember, dem Tag der Heiligen Barbara, musizieren der Gemischte Chor Wolmirstedt, der Bergmannschor und das Dahlenwarsleber Zupforchester gemeinsam. Mit der Bergmannshymne schlechthin, „Glück auf, der Steiger kommt“, beginnt jede Barbara-Feier. Das Lied wird von allen gesungen, die in der Kirche dabei sind, von den Bergleuten, den Familienangehörigen, den Gewerkschaftsvertretern, den Politikern und den kirchlichen Würdenträgern. Alle stimmen mit ein, zumindest soweit es die Textsicherheit erlaubt. Die vier Strophen ziehen in den Bann, ebenso der Anblick der Bergleute, die ihre Tracht tragen, die erst mit dem Tschako komplett ist. Tschako ist der Hut mit dem Federbusch, grün-weiße Federn tragen die Mitglieder des Bergmannsvereins, weiß ist nur dem Vorstand sowie den Fahnenträgern vorbehalten.

Das Taditionsbewusstsein, so erklärt Werkleiter Martin Westphal in seiner Rede, habe mit der schweren und auch nicht risikofreien Arbeit der Kumpel zu tun. „Keiner weiß so gut wie wir Bergleute, mit welchen Gefahren das Graben nach Schätzen in der Tiefe verbunden ist. Der Berg gibt seine Schätze nicht freiwillig her.“

In diesem Jahr hat es bisher keine schweren Unfälle gegeben. Betriebsratsvorsitzender Michael Knackmuß mahnte dennoch, die Arbeits- und Gesundheitsschutzregelungen akribisch einzuhalten.

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In den vergangenen Monaten hatte es andere Turbulenzen gegeben, besonders heftige, als der kanadische Düngemittelhersteller Potash ein Auge auf das Zielitzer Werk geworfen hatte. Potash hat sein Übernahmeangebot inzwischen zurückgezogen. Martin Westphal bedankte sich „für die beispiellose Unterstützung durch die Landesregierung, wohlwissend, dass an der Börse eigene Gesetze herrschen und die Einflussnahme begrenzt ist.“

Der Mutterkonzern, die K+S AG, will sich am Markt weiter behaupten und das bedeutet auch für das Zielitzer Kaliwerk eine enorme Steigerung der zu fördernden Rohsalzmenge. 12,4 Millionen Tonnen Rohsalz sollen 2016 gefördert werden, das sind 600 000 Tonnen mehr als in diesem Jahr. Dazu will sich das Zielitzer Werk weitere Geschäftsfelder erschließen, vor allem die Gewinnung und Aufbereitung von Hartsalz. Noch wird an der Machbarkeitsstudie gearbeitet, aber wenn es gelingt, werden neben den sulfathaltigen Kalidüngemitteln auch magnesiumhaltige Düngemittel das Werk verlassen. Dieses hochwertige Salz soll den Standort Zielitz zu einem besonderen machen.

Wer der Erde Salz entreißt, hinterlässt sichtbare Spuren. Drei Sprengungen pro Tag lösen unten das weiße Gold. Ist es zutage gefördert, bleibt eine ausgehöhlte Erde zurück. Über Tage türmen sich Halden. „Bergbau ist unvermeidlich mit Eingriffen in die Umwelt verbunden“, räumt Martin Westphal ein, „eine rückstandsfreie Kaliproduktion ist nicht möglich, weder hier, noch in Spanien oder Kanada.“ Demnächst steht in Zielitz eine nächste Haldenerweiterung an, die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren werden im ersten Halbjahr 2016 im Landesamt für Geologie und Bergbau in Halle eingereicht.

„Glück auf“ hieß es am Ende der Feierstunde noch einmal und das war gleichzeitig die Einladung zum Tzscherper-Essen im Katharinensaal für alle, die eng mit dem Zielitzer Werk und den Traditionen der Bergleute verwoben sind.