Polizeireform

Im Zuge der Polizeistrukturreform im vergangenen Jahr sind die 69 Polizeistationen in Sachsen-Anhalt geschlossen worden. Stattdessen werden Funkstreifenwagen und Regionalbereichsbeamte (RBB) eingesetzt. Diese sollen mehr in der Fläche präsent sein als früher. Jede Kommune hat mindestens zwei Kontaktbeamte. Die Gemeindepolizisten sollen als direkter Ansprechpartner für die Bürger vor Ort sein. Die RBB der Niederen Börde sind dienstags von 15 bis 17.30 Uhr in Groß Ammensleben zu sprechen.

Niedere Börde l Schreibarbeiten erledigen Uwe Kehler und Tina Scholze meist in der Außenstelle des Polizeireviers Börde in Wolmirstedt. Von dort aus hat die beiden Regionalbereichs- beamten ein Termin am Donnerstag- vormittag nach Vahldorf geführt. Die Volksstimme hat sie dabei begleitet. Es ging um ein möglicherweise unterschlagenes Fahrrad. Ein Bürger hatte sein Problem in der Gemeindeverwaltung geschildert, diese leitete die Anfrage an die Regionalbereichsbeamten weiter. Anschließend haben Tina Scholze und Uwe Kehler erst mit der einen und am Donnerstag mit der anderen Partei gesprochen und vermittelt – mit positivem Ausgang. Beide Seiten lenkten ein.

Seit etwa einem Jahr sind die beiden Regionalbereichsbeamten in der Niederen Börde unterwegs und agieren als Bindeglied zwischen den Bürgern, den Behörden und der Polizei. „Für mich gibt es nichts schöneres, wo man sich selbst so frei entfalten kann“, sagt Tina Scholze. Ihren Dienst können sie zwischen 6 und 21 Uhr selbst planen – je nachdem, was anliegt. Dauert es einmal länger, ist eine Genehmigung vom Leiter des Polizeireviers nötig.

Das Aufgabenfeld der Regionalbereichsbeamten ist sehr vielfältig: Polizeihauptmeister Uwe Kehler und Polizeiobermeisterin Tina Scholze leisten beispielsweise Präventionsarbeit in Kindergärten und Schulen, pflegen den Kontakt zur Verwaltung und zu Vereinen, führen Verkehrs- und Geschwindigkeitskontrollen durch und sichern Veranstaltungen mit ab. Wenn sie per Funk einen Notfall hören, der sich in ihrer Nähe ereignet hat, schauen sie auch dort mit vorbei. Oft können sie durch die Nähe schneller vor Ort sein als der Einsatzdienst.

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Zudem bieten die beiden jeden Dienstag eine Bürgersprechstunde in der Gemeindeverwaltung in Groß Ammensleben an. Dort ist für die Regionalbereichsbeamten ein eigenes Büro eingerichtet worden. „Anfangs wurde die Sprechstunde nicht so sehr angenommen, das musste sich herumsprechen“, sagt Tina Scholze. In den vergangenen Monaten seien schon etwas mehr Bürger vorbeigekommen, um kleinere Delikte zu melden oder eine Anzeige zu erstatten.

Ein weiterer Fall führte die Polizisten am Donnerstagvormittag zwei Dörfer weiter. Ein Mann war im Auto einer Dahlenwarsleberin in Nordrhein-Westfalen geblitzt, die fällige Strafe bisher jedoch nicht bezahlt worden. Deshalb leisten Tina Scholze und Uwe Kehler für die Kollegen Amtshilfe. Sie versuchten, die Fahrzeughalterin zuhause anzutreffen – ohne Erfolg. Dafür konnte eine Nachbarin weiterhelfen. Bei dem Mann auf dem Blitzerfoto handele es sich um den Lebensgefährten der Autobesitzerin. Im Einwohnermeldeamt in Groß Ammensleben ließen die Beamten das Foto zur Sicherheit mit dem Bild der entsprechenden Ausweisdokumente abgleichen. Den Verkehrssünder erwartet nun ein separates Schreiben der Polizei.

An dieser Stelle endete der Besuch der Volksstimme. Für Tina Scholze und Uwe Kehler ging es an diesem Tag unter anderem auch noch nach Haldensleben, um eine fertig bearbeitete Anzeige zur Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft im dortigen Polizeirevier abzugeben. „Der Kurierdienst fährt zweimal pro Woche. Bei wichtigen Sachen bringen wir die Unterlagen aber auch schon mal selbst nach Haldensleben“, erklärt Tina Scholze.