Klein Ammensleben l Dass die künftige Autobahn 14 ganz unterschiedliche Reaktionen bei den Bürger hervorruft, war am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus in Klein Ammensleben spürbar. Nicht nur aus dem Ort, sondern der gesamten Region waren Interessierte gekommen, um den Ausführungen des Verkehrsministers zu folgen und anschließend ihre Fragen zu stellen.

Vor allem der Abschnitt zwischen Dahlenwarsleben bis Wolmirstedt, im Fachjargon wird dieser Abschnitt als „Verkehrseinheit 1.1“ bezeichnet, lag im Fokus der Anwesenden. Kein Wunder, werden die Einwohner der Ortsteile in der Niederen Börde teils direkt betroffen von eben diesem Teilbereich der Autobahn sein.

Laut dem Verkehrsminister wird der rund 11,5 Kilometer lange Abschnitt rund 100 Millionen Euro kosten. Das Planfeststellungsverfahren war bereits im Jahr 2011 eröffnet worden. Im Oktober 2014 erfolgte eine ergänzende Auslegung der Planunterlagen. Nach dem Ende der Einwendungsfrist erfolgten Aktualisierungen sogenannter faunistischen Daten für Lurche, Rastvögel, Nachtkerzenschwärmer und Libellen. „Wegen der Zauneidechse und Brutvögeln musste eine ergänzende Kartierung vorgenommen werden“, fasste der Minister zusammen. Und weil Teile des Publikums lachend bis ungläubig ihre Köpfe schüttelten, erklärte Webel weiter: „Es gibt Tiere, bei denen besteht ein absolutes Tötungsverbot, weil diese vom Aussterben bedroht sind.“

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Stellungnahmen werden überprüft

Ferner wurden ein wasserrechtlicher Fachbeitrag erarbeitet und erforderliche Flächeninanspruchnahmen optimiert. Die Auslegung der geänderten und ergänzten Unterlagen fand im Sommer vergangenen Jahres statt. Die Einwendungsfrist endete am 6. August 2018. Derzeit erfolge die Prüfung und Überarbeitung der Unterlagen in Folge der eingegangenen Stellungnahmen. Eine weitere ergänzende Auslegung von Unterlagen wird vorbereitet. Der Minister rechnet damit, dass Ende den nächsten Jahres oder Anfang 2021 ein Planfeststellungsbeschluss vorliegt.

Die Strecke wird einen Knotenpunkt haben, nämlich die Anschlussstelle Haldensleben. Außerdem bringt der Abschnitt einige Besonderheiten mit sich. So wird die Autobahn eine 380-Kilovolt-Hochspannungsleitungstrasse queren, die Bahngleise Glindenberg–Oebisfelde sowie mehrfach den Mönchsgraben. Auch die Ohre und der Windpark zwischen Samswegen und Mose muss die Trasse überwinden. Größtes Brückenbauwerk wird allerdings die Mittellandquerung sein. Die Länge wird 80 Meter und die Nutzbreite zwei Mal 15,10 Meter betragen.

Auch aktive Lärmschutzmaßnahmen soll es laut Thomas Webel geben. Im Bereich von Samswegen wird demnach ein 940 Meter langer Lärmschutzwall sowie eine 63 Meter lange Lärmschutzwand gebaut. Und im Ergebnis eines Vergleichs zwischen dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Land Sachsen-Anhalt wird es für die autobahnnahen Anwohner von Samswegen zusätzlichen passiven Lärmschutz geben. Das könnten zum Beispiel Lärmschutzfenster sein.

Ab 2025 soll A14 durchgängig befahrbar sein

„Belastungen während der Baumaßnahmen wird es nicht geben“, schätzte der Verkehrsminister ein und begründete dies mit der Errichtung einer parallel zur Trasse verlaufenden Baustraße. Außerdem verteidigte er den Bau der Autobahn: „Infrastrukturmaßnahmen wird es weiter geben. Jeder Ort muss auch künftig möglichst schnell erreichbar, ob durch die Rettungsdienste oder durch die Post.“

Keine Belastungen? Peter Fudel kann diese Aussage nicht nachvollziehen. Er reiste aus der Nähe von Lindhorst an. Nahe der Anschlussstelle Wolmirstedt Nord bewohnt er mit seiner Familie das Chausseehaus an der Landstraße 29. Während der Fragerunde im Anschluss an die Ausführungen Webels sprach er von vielen Problemen, die mit dem bereits begonnenen Bau des betreffenden Abschnittes der A14 einhergingen. So sei entgegen vorheriger Planungen das Grundwasser abgesenkt worden, was zu einer Versandung seines Brunnens geführt habe. Wegen seiner Ansicht nach fehlerhafter Bankette, die die Autobahn falsch entwässerten, habe sein Haus einen großen Wasserschaden erlitten. Die Verkehrspolitik des Landes bezeichnete er als Katastrophe. „Hier werden Menschen kaputt gespielt“, betonte er und schloss an alle jene, die mit ihrer Fläche vom A-14-Bau betroffen sind: „Sichert euch eure Rechte!“

Weitere Fragen von Bürgern folgten etwa zu Lärm. Ein Anwesender wollte wissen, ob Abschnitte nach Fertigstellung mit Lärmschutzwänden oder -wällen nachgerüstet werden können. „Wenn zuvor berechnete Grenzwerte überschritten werden, wird nachgerüstet“, erklärte der Minister und nannte als Beispiel einen Abschnitt an der A9, wo dieses bereits passiert sei.

 

Einen Übersichtsplan gibt es unter: https://verkehr.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MLV/Verkehr/Strassenverkehr/A14/VKE1.1_Karte.PDF