Rogätz l „Es ist nicht mehr zu fassen, was den Rogätzern an hausärztlicher Versorgung zugemutet wird. Das Dorf ist in heller Aufregung. Auch Patienten in umliegenden Ortschaften sind betroffen. Unterschriften wurden schon gesammelt und an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) übergeben“, schreibt Volksstimme-Leserin Christiane Peinelt.

Die Rogätzer ärgern sich über das Medizinische Versorgungszentrum „Dreiländereck“ aus Zeitz. Das hat die Hausarztversorgung im September 2014 übernommen und in den vergangenen 15 Monaten bislang acht verschiedene Ärzte in Rogätz eingesetzt, einige davon mit ausländischen Wurzeln.

„Die Rogätzer sind vorurteilsfrei, was ausländische Ärzte betrifft“, schreibt Christiane Peinelt, „mit offenen Armen haben sie die bisher eingesetzten Ärzte aufgenommen, sich gefreut und immer wieder gehofft, dass nun die Praxis weiterläuft.

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Mit Hochachtung wurde beobachtet, was die Arztschwestern in den letzten Monaten geleistet haben. Sie mussten eine Schwester einarbeiten, die kaum Deutsch beherrschte, sie dolmetschten zwischen Arzt beziehungsweise Ärztin und Patienten und mussten dabei noch den ganz normalen Andrang bewältigen. Als Patienten können wir sie nur loben und bedauern zugleich. Denn zu dem enormen Stress kommt bis heute die andauernde Unsicherheit, ob und wie es nun weitergeht. Wären sie nicht gewesen, wäre das ganze System schon kläglich zusammengebrochen. Interessiert das jemanden im fernen Zeitz?“

Das Problem der fehlenden Kontinuität in der ärztlichen Betreuung und der Sprachbarrieren ist auch Bürgermeister Wolfgang Großmann (parteilos) nicht unbekannt. „Viele Bürger haben sich schon in den Sprechstunden bei mir darüber beschwert“, so der Bürgermeister, der deshalb kurzfristig um einen Termin bei der KV gebeten hat.

Bürgermeister führt Gespräche

Am vergangenen Montag gab es nun ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Burkhard John. „Es geht um die Gesundheit unserer Bürger. Wenn die nicht gewährleistet ist, muss ich aktiv werden“, begründete Großmann seinen Vorstoß. Er kritisierte in dem Gespräch, dass die KV bisher nicht auf die zahlreichen Kritiken aus Rogätz, einschließlich der im Juli dieses Jahres versendeten Unterschriftenliste, reagiert habe. Großmann unterbreitete dem KV-Vorsitzenden einen unorthodoxen Vorschlag. „Die Gemeinde Rogätz tritt als Träger einer Arztpraxis auf.“ Burkhard John betonte zwar, dass eine solche Variante bisher ein Novum in Sachsen-Anhalt darstellen würde, sicherte der Gemeinde dabei aber die Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung zu.

Großmann informierte über das Gespräch den Rogätzer Gemeinderat auf der Sitzung am vergangenen Dienstag. „Die Gemeinde würde dann als Arbeitgeber auftreten, Ärzte und Personal einstellen sowie die Praxisräume zur Verfügung stellen“, fasste der Bürgermeister das Vorhaben noch einmal zusammen. Der Gemeinderat stellte sich in der darauf folgenden Diskussion voll hinter seinen Bürgermeister und signalisierte Zustimmung.

Ob und wann dieses Modell zum Tragen kommt, hängt natürlich auch vom Zeitzer MVZ ab. „Ich kann nicht bestätigen, dass wir in Rogätz überwiegend ausländische Ärzte ohne ausreichende Deutschkenntnisse einsetzen“, dementierte Jörg Schnell, Geschäftsführer des MVZ „Dreiländereck“ auf Volksstimme-Nachfrage.

„Wir bemühen uns, die Versorgung vor Ort sicherzustellen und möglichst bald eine Arzt in Rogätz dauerhaft sesshaft zu machen. Mitte des Jahres 2016 streben wir sogar noch eine zweite Arztstelle in Rogätz an“, so Jörg Schnell gegenüber der Volksstimme. Er betonte, dass er sich eine bessere Zusammenarbeit mit allen Beteiligten in Rogätz erhofft.