Ohre

An der Wolmirstedter Ohrepromenade wachsen die Brennnesseln

Die Ohre führt derzeit viel Wasser, jedoch ist der Pegelstand mit 85 Zentimetern weit von einer Hochwassersituation entfernt. Spaziergänger können dennoch keinen Blick auf den Fluss werfen. Doch es gibt hoffnungsvolle Signale.

Von Gudrun Billowie
Zwei Schilder im Bereich der Ohrepromenade bieten Informationen zur Geschichte des Flusses sowie über seine tierischen und pflanzlichen Bewohner. Brennnesseln am Ufer sind dort nicht aufgeführt.
Zwei Schilder im Bereich der Ohrepromenade bieten Informationen zur Geschichte des Flusses sowie über seine tierischen und pflanzlichen Bewohner. Brennnesseln am Ufer sind dort nicht aufgeführt. Foto: Billowie

Wolmirstedt - Sichtfenster zur Ohre kann es bald geben. Wenn es gut läuft, wird der Naturschutzbund (Nabu) Schneisen ins Brennnesselfeld mähen. Dann wird zumindest an einigen Stellen der Blick auf den Fluss möglich sein. Derzeit fließt die Ohre zwischen Amtsbrücke und Elbeuer Brücke hinter meterhohen Brennnesselfeldern. Wer auf der Ohrepromenade spazieren geht, kann den namensgebenden Fluss dieser Meile nur erahnen.

Sobald die Handmähgeräte wieder funktionsfähig sind, will der Nabu Brennnesselstreifen kürzen. Sichtfenster sollen zumindest dort entstehen, wo die alte Elbe in die Ohre mündet, weiterhin an den Stellen, wo Bänke stehen. Dann können Spaziergänger verschnaufen und auf den Fluss schauen.

Zuständig ist der Nabu nicht. Trotzdem sieht sich Jörg Brämer, Vorsitzender der Barleber Ortsgruppe, in der Pflicht. „Wir möchten ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir im Sinne der Leute agieren. Wir machen den Blick frei.“

So eine Aktion kostet Geld. Zwei Mitarbeiter mähen mit dem Handmähgerät, anschließend muss alles aufgeladen und entsorgt werden. Jörg Brämer schätzt: „Einen halben Tag sind sie beschäftigt.“ Wer das bezahlt, ist noch unklar. Womöglich bleibt der Nabu auf den Kosten sitzen.

Landesbetrieb für Hochwasserschutz für Fluss zuständig

Solche Aktionen müssen mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) abgesprochen werden, der ist für den Uferbereich zuständig. Von dort gibt es keine Bedenken gegen derlei Sichtfenster, versichert LHW-Direktor Burkhard Henning. Nur selber wird sich der LHW dort nicht engagieren können, weil es nicht zu seinem Aufgabengebiet gehört. Er muss - grob gesagt - für die Funktion des Flusses sorgen, den Abfluss des Wassers gewährleisten und den Fluss als Naturraum erhalten.

Brennnesseln stören den Flusslauf nicht. Sie würden bei Hochwasser überspült werden und sind deshalb aus flusstechnischer Sicht kein Hindernis. Es gibt für den LHW keinen Anlass, Steuergelder einzusetzen, um das Ohreufer vom Bewuchs zu befreien.

Die Stadt steht ebenfalls nicht in der Verantwortung und wird deshalb nicht aktiv. Lediglich der Streifen neben dem Spazierweg wird regelmäßig gemäht. Damit hat Wolmirstedt seine Aufgabe erledigt.

Nabu hat Informationstafeln aufgestellt

Der Nabu will den Fluss nicht nur in seiner jetzigen Form zeigen, sondern auch Informationen über den Flusslauf sowie die Wasser- und Uferbewohner vermitteln. Am Ohreufer wurden in der Nähe der Amtsbrücke zwei Informationstafeln aufgestellt. „Es ist wichtig, dass wir den Bürgern diese Geschichte des Flusses nahe bringen“, begründet Jörg Brämer. Eine Tafel zeigt, wie die Landschaft in dieser Region vor 1000 Jahren aussah, welche Bedeutung die Elbe für die Entstehung Wolmirstedts hat.

Die Region wechselte in den vergangenen Jahrhunderten ihr Gesicht. Einst floss die Elbe durch Elbeu, davon zeugen noch immer der Name des kleinen Wolmirstedter Ortsteils sowie die Alte Elbe, die neben der Amtsbrücke in die Ohre mündet.

Eine weitere Tafel erläutert die Bedeutung der Ohre als europäisches Schutzgebiet, ordnet Pflanzen und Tiere in den Naturkreislauf ein. Diese Tafeln waren vor Jahren schon einmal an der Ohre platziert worden, bis sie durch Schmierereien unkenntlich wurden. Nun sind sie restauriert und wieder aufgestellt worden.

Eigene Nabu-Ortsgruppe gibt es noch nicht

Die Ortsgruppe des Nabu ist in Barleben angesiedelt, doch immer wieder fällt der Blick auf Wolmirstedt. „Wir haben viele Mitglieder, die in Wolmirstedt leben“, sagt Ortsgruppenvorsitzender Jörg Brämer, „aber noch hat sich keine eigene Ortsgruppe etabliert.“ Eigentlich wünscht er sich das, damit Wolmirstedter Belange auch vor Ort koordiniert werden können. Helfer gibt es genug und um in diesem Team mitzumachen, muss niemand Naturschutzexperte sein. „Es gibt genug Aufgaben, bei denen Lust und Zeit die Hauptvoraussetzungen sind“, sagt Jörg Brämer, „beispielsweise die Kontrolle der Nistkästen.“ Oder die Mahd der Brennnesseln am Ohreufer.

Die nächste Nabu-Mitgliederversammlung findet am 13. September in Barleben statt.