Wolmirstedt l Die Situation im Wolmirstedter Tierheim ist dramatisch. Die Katzenräume und Hundezwinger sind fast leer. Nur noch zehn Katzen und vier Hunde werden hier betreut, darunter Hunde, die gefährlich sind. Die anderen Tiere sind vermittelt, neue dürfen nicht aufgenommen werden. Das Tierheim verfügt über keine gültige Betriebserlaubnis, es herrscht Aufnahmestopp.

„Die Situation ist katastrophal“, sagt Mandy Langer. Sie leitet seit dem 1. Februar das Tierheim, das war zuvor zwei Monate lang führungslos. Die vorherige Leiterin war schon Ende 2016 gegangen, nun ist auch fast der gesamte Vorstand des Tierschutzvereins zurückgetreten.

Heim zwei Monate führungslos

Als Grund taucht immer wieder der Begriff „interne Querelen“ auf. Schatzmeister Andreas Tschiche, der zum Teil Aufgaben des Vereinsvorsitzenden übernommen hatte, erklärt, der Vorstand sei sich oft uneinig gewesen, insbesondere hätten einige Vorstandsmitglieder Fakten geschaffen, die vorher so nicht abgesprochen worden waren.

Deshalb trat auch er zurück. Weiterhin prekär: Tierärztin Steffi Engelbrecht hat die Zusammenarbeit ebenfalls beendet.

Fast der ganze Vorstand zurückgetreten

Dem personellen Notstand folgten herbe Konsequenzen. Die Stadt Wolmirstedt hat den Vertrag mit dem Tierheim gekündigt, ebenso haben Colbitz und die Gemeinde Hohe Börde die Segel gestrichen. Werden in Wolmirstedt Tiere aufgegriffen, werden sie im Sinne der Gefahrenabwehr in das Tierheim Satuelle gebracht.

Erst wenn das Wolmirstedter Tierheim wieder in der Lage ist, Fundtiere jeglicher Art aufzunehmen, werde Wolmirstedt den Vertrag erneuern, heißt es aus dem Rathaus.

Kommunen kündigen Verträge

Doch bis dahin sind noch ein paar Hürden zu überwinden. Zuerst muss wieder die Betriebserlaubnis her. Die erteilt der Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Landkreises.

Der hat die Erlaubnis keineswegs entzogen, sondern es liegt schlichtweg kein Antrag vom Tierschutzverein auf Verlängerung der Betriebserlaubnis vor, obwohl die alte nach fünf Jahren regulär erloschen war.

Tiere kommen nach Satuelle

Landkreis-Fachdienst und Tierschutzverein stehen in Kontakt. Bereits im Januar, erklärt Fachdienstleiter Dr. Hans-Joachim Krohm, waren Mitarbeiter im Tierheim und haben erklärt, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit die Betriebserlaubnis wieder erteilt wird.

Neben baulichen Mängeln fehlte vor allem qualifiziertes Personal. Um Tiere zu betreuen, muss eine Person im Tierheim sein, die einen Sachkundenachweis vorlegen kann. Die ehemalige Tierheimleiterin hatte diesen Nachweis, die neue Tierheimleiterin auch. In der Zwischenzeit war niemand mit diesem Abschluss da.

Bleiben noch die baulichen Mängel. Besonders die Innenräume der Quarantänestation sollen zu klein sein, sagt Andreas Tschiche. Ganz verstehen die Vereinsmitglieder diese Vorwürfe nicht.

Bauliche Mängel

„Wir wurden mehrfach vom Tierschutzbund und vom Veterinäramt begutachtet“, sagt er, „gravierende Mängel wurden uns nicht mitgeteilt.“ Die Auflagen seien im Laufe der Zeit jedoch immer höher geworden. Der Landkreis äußert sich mit Hinblick auf das laufende Verfahren dazu nicht.

Die Tierfreunde sind jedoch bereit, die Auflagen zu erfüllen. „Wir würden uns über Spenden freuen“, sagt Tierheimmitarbeiterin Evelin Horwitz. Ein Handwerker hat bereits Hilfe zugesagt.

Auch in personeller Hinsicht gibt es Hoffnung. „Inzwischen haben sich weitere Tierfreunde gemeldet, die über einen Sachkundenachweis verfügen“, erklärt Marlies Müller, das einzige Vorstandsmitglied, das nicht zurückgetreten ist. Sie arbeitet kräftig mit an einem Neuanfang, vor allem den Tieren zuliebe.

Spenden erbeten

„In spätestens acht Wochen stehen die Leute wieder mit kleinen Katzen vor der Tür“, weiß sie aus Erfahrung. Ohne die Betriebserlaubnis müssen alle diese Tiere abgewiesen werden und es fehlt zudem der Anlaufpunkt für Tierfreunde, die sich für Katze, Hund und Co. interessieren.

Der Stillstand im Tierheim reißt ein finanzielles Loch in die Vereinskasse. Es können keine Fundtiere, aber auch keine Pensionstiere aufgenommen werden. Das sind Tiere, deren Besitzer in den Urlaub fahren oder krank sind und ihre Lieblinge für eine bestimmte Zeit ins Tierheim geben.

Die dadurch erzielten Einnahmen fehlen, auch die Vermittlungsgebühren, die neue Tierbesitzer zahlen, wenn sie ein Tier nach Hause nehmen. Noch soll der laufende Betrieb gesichert sein. Die Sorge macht sich trotzdem breit. „Es wird schwierig, Tierarztkosten zu bezahlen“, macht Mitarbeiterin Evelin Horwitz deutlich.

Einnahmen weggebrochen

Am 1. April wird es eine Mitgliederversammlung geben, inklusive Vorstandswahl. „Anschließend wollen wir die Unterlagen beim Landkreis einreichen“, sagt Marlies Müller und hofft, dass die Betriebserlaubis bald wieder erteilt wird. Das kann bis zu vier Monate dauern. Im Juni wird das Tierheim 20 Jahre alt.