Wolmirstedt l Jürgen Sturtzel hat eine historische Straßenbahn in Lissabon fotografiert, Klaus Dalichow eine Skyline in Jordanien. Hanspeter Becker hat den Abriss des Wolmirstedter Fünfgeschossers mit der Kamera begleitet, ebenso den Aufbau der drei Stadthäuser „An den Ohreauen“ dokumentiert. Diese Fotografien werden in der Ausstellung im Bürgerhaus gezeigt, die heißt „Unsere Welt nah und fern“. Insgesamt werden im Foyer und in den Räumen 40 Bilder hängen, die von zehn Fotografen aufgenommen wurden. Zur Vernissage am 17. August um 18 Uhr sind Besucher sehr herzlich willkommen.

Den Fotoclub „Iris“ gibt es seit 1978, er gründete sich im damaligen Kulturhaus. Inzwischen haben die zwölf Fotofreunde einen kleinen Raum im Bürgerhaus gemietet, dort treffen sie sich regelmäßig jeden zweiten Dienstag. Jürgen Sturtzel ist Mitbegründer und somit seit 40 Jahren im Fotoclub aktiv. In der Freizeit ist er nur selten ohne seine Kamera unterwegs, hält verschiedene Objektive bereit, Bilder festzuhalten ist längst ein Teil des Alltags. Zusammen mit der Fototechnik hat er sich entwickelt. Der Fotofreund kennt die Schwarz-Weiß-Fotografie, erinnert sich noch gut, wie Bilder selbst entwickelt wurden und schätzt inzwischen die Vorteile der Digitalkameras, sagt: „Auch mit dem Handy lassen sich inzwischen tolle Fotos machen.“

Bildbearbeitung ist keine Option

Dennoch bleibt Jürgen Sturtzel der Philosophie des Bildermachens treu. „Der Fotograf muss das Motiv erkennen, das Bild schon während des Fotografierens gestalten“, sagt er. Das erfordere Geduld, Warten auf den richtigen Moment, der ein Bild besonders mache. „Manchmal ist es nur ein Passant, der am richtigen Platz das Bild bereichert.“ So wie der Mann neben der Lissabonner Straßenbahn, der zwar auf der Straße steht, aber ein wenig wirkt, als würde er als Trittbrettfahrer mit der Bahn mitfahren.

Klar, Bilder lassen sich am Computer mit guten Bildbearbeitungsprogrammen längst problemlos nachbearbeiten, gar völlig verändern. Zwei Bilder können beispielsweise zu einem zusammengefügt, die Farben brillanter gestaltet, Beine verlängert oder ein Baum eingefügt werden, wo keiner ist. Doch diese Art der Fotografie ist keine, wie sie die Iris-Fotofreunde verstehen. Sie setzen auf das Auge des Fotografen. „Wir wollen Fotos mit wachem Verstand machen und nicht irgendein Bild knipsen, und anschließend am Rechner ein tolles Foto daraus zaubern“, stellt Jürgen Sturtzel klar.

Jüngster Fotofreund ist 14

Dennoch: Die Fotofreunde verstehen sich nicht als Künstler, sondern wollen den Alltag, die Erinnerungen festhalten, den Blick auf die Schönheit dieser Erde richten. Und bei alledem ist es trotzdem erlaubt, mit der modernen Computertechnik zu spielen. Andreas Hecht hat ein Mädchen ohne Hüllen in Szene gesetzt und das Bild in einen Salzkristall gesetzt. „Solcherlei Salze werden die Zielitzer wohl nicht finden“, schmunzelt Jürgen Sturtzel.

Der jüngste Fotofreund ist 14 Jahre alt. Alexander Werner hat die Leidenschaft fürs Bildermachen von seinem Opa Siegfried geerbt, der ebenfalls zum Fotoclub gehört. Beider Bilder werden die Schau im Bürgerhaus bereichern. Die Fotofreunde sind gespannt, ob ihre Bilder bei den Besuchern Anklang finden. Das Qualitätskriterium formuliert Jürgen Sturtzel klar: „Ein Bild ist gut, wenn jemand davor steht und sagt: Ui.“