Wolmirstedt l Irina Heeg fädelt winzig kleine Glasperlen aneinander, am Ende hält sie Ketten, Armbänder oder kleine Taschen in den Händen. Die Perlen sind so klein, dass die Lindhorsterin mit einer Lupe oder besonders starken Brille arbeitet, dazu bei sehr hellem Licht. Die Ergebnisse dieser Kunst werden ab Sonntag in der „Villa Kunsterbunt“ gezeigt.

Die „Villa Kunsterbunt“ ist ein leerstehendes Ladengeschäft in der Friedensstraße, in dem vor langer Zeit Kinderbekleidung verkauft wurde. Unter den Fittichen der Ideengeberin Karin Auerbach haben sich ein paar Enthusiasten zusammengefunden, die zerfledderten Plakate am Schaufenster entfernt, das leere Ladengeschäft geputzt und als Ausstellungsfläche hergerichtet. Die Villa ist nur zur Eröffnung und zu besonderen Anlässen geöffnet, ansonsten dienen die Werke vor allem als Schaufensterdekoration. Alle zwei Monate wechselt die Ausstellung. Eigentlich. Von diesem Prinzip weichen die Macher nun ab.

Künstler stellen gemeinsam aus

Denn: Auf Gunnar Steinerts Lampen, Tische und Skulpturen lassen sich Irina Heegs filigrane Perlenketten hervorragend in Szene zu setzen. Deshalb haben sich die beiden Hobbykünstler zusammengetan und zeigen ihre Arbeiten in den nächsten zwei Monaten gemeinsam.

Bilder

Irina Heeg beschäftigt sich seit zehn Jahren mit den winzigen Perlen. Die Technik, diese Perlen aneinander zu häkeln, stammt von den Indianern, die Perlen kommen aus Japan und heißen Miyuki. „Ich habe diese Technik in einem Buch entdeckt“, erzählt Irene Heeg und lacht: „Seither leide ich unter der Perlensucht.“

Eine Woche arbeitet sie mitunter an einer Kette, sie wird kribbelig, wenn sie ein paar Tage pausiert. „Dann muss ich wieder etwas perlen.“ Zu jedem Kleid fertigt sie die passende Kette, in ihrem Perlenschrank sind die Werke ordentlich aufgereiht. Sie perlt aus Leidenschaft, während der Arbeit wächst ihr der Schmuck ans Herz. „Ich gebe meine Werke nur ungern weg“, sagt sie, „wenn jemand Interesse hat, mache ich es lieber noch mal.“

Selten sind Stücke zu haben

Diese Art „Trennungsangst“ kennt auch Gunnar Steinert zur Genüge. Er zeigt seine Lampen, Tische und Skulpturen seit zwei Monaten in der Villa und freut sich über das große Interesse an seinen Werken. Doch bisher fehlt kein Stück aus der Ausstellung, Gunnar Steinert agiert wie Irina Heeg: „Ich habe für Interessenten ein paar Sachen nachgebaut.“

Am Sonntag zur Vernissage der Perlenausstellung will er sich trotzdem von ein paar Stücken trennen. Wer eins erwerben möchte, ist an diesem Tag gern gesehen. Außerdem schwebt dem „Holzgrafen“ vor: „Wenn es mehrere Interessenten für ein Objekt gibt, machen wir eine Art Versteigerung.“

Es ist ein Novum, dass sich zwei Künstler so gut ergänzen, die eine Ausstellung mit in die andere übergeht. Das freut auch Kalligrafie-Expertin Kathleen Schladitz, die inzwischen die „Villa Kunsterbunt“ betreut. Sie setzt ohnehin auf das Miteinander aller, die ihre Arbeiten bisher dort präsentiert haben, sei es beim Putzen oder Kuchen backen. Vor einer Ausstellungseröffnung wird schließlich jede Hilfe benötigt. Besucher sind am Sonntag, 28. Juli, von 15 bis 17 Uhr herzlich willkommen.