Wolmirstedt l Swen Pazina ist glücklich. „Endlich können wir anfangen.“ 350.000 Euro sind aus dem europäischen Leader-Programm bewilligt, damit ist der Startschuss gegeben. Das Bahnhofsgebäude kann zu einer modernen Service-Station umgebaut werden.

Für das Bodelschwingh-Haus beginnt nun eine neue Phase. Standen bisher Pläne, Förderanträge, Planänderungen und neue Anträge im Mittelpunkt, wird es nun handfest. Ab September wird gebaut. Ab jetzt werden Baubetriebe gesucht, Angebote verglichen, gewählt und dann rücken die Handwerker an. Am Ende soll der Bahnhof ein Schmuckstück werden.

Nicht nur innen wird alles um- und ausgebaut, auch außen werden Fenster, Dach und Fassade in neuem Glanz strahlen. Die oberen drei Wohnungen bleiben, die untere Etage soll ein lebendiges Zentrum für alle Bürger werden. Ein Reisezentrum der Bahn mit Fahrkartenverkauf und Wartebereich wird entstehen, eine Fahrradwerkstatt, in der Fahrräder gereinigt, repariert und verliehen werden, ein Café, öffentliche Toiletten sowie ein offener Treff. Diese Begegnungsstätte hält 15 Arbeitsplätze bereit, für Menschen mit und ohne Behinderung.

Umbau kostet 3,4 Millionen Euro

Betreiber der Werkstatt, des Cafés und der Begegnungsstätte wird die Behindertenhilfe GmbH sein, eine Tochtergesellschaft des Bodelschwingh-Hauses. Auch Curamus, der ambulante Pflegedienst des Bodelschwingh-Hauses, wird im Bahnhof eine Heimat finden. Weiterhin wird die Bördebusgesellschaft dort Platz mieten.

Insgesamt soll der Umbau des Bahnhofsgebäudes 3,4 Millionen Euro kosten, fast eine Million mehr, als ursprünglich geplant. Allein vom Bodelschwingh-Haus ist das nicht zu stemmen.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte schon im vergangenen Jahr 1,94 Millionen Euro aus dem Revita-Programm zur Verfügung gestellt. CDU-Verkehrsminister Thomas Webel hatte den Förderbescheid im November persönlich in Wolmirstedt überreicht. Der Name Revita steht für die Revitalisierung von Bahnhofsgebäuden. Trotz der Förderungen ist der Eigenanteil des Bodelschwingh-Hauses immens, beträgt 1,05 Millionen Euro. Mehr dürfe es nicht werden, sagt Swen Pazina, sonst sei eine Schmerzgrenze erreicht. Die Hoffnung bleibt, dass sich das Projekt durch die Mieten trägt. Das Bodelschwingh-Haus hatte das Haus bereits 2015 ersteigert, für 74.000 Euro. Dass der Weg zum Baubeginn so lang dauern würde, war damals nicht klar.

Trotzdem hat das Bodelschwingh-Haus hartnäckig an diesem Projekt festgehalten. Auch, weil der Bahnhof als Eingangstor für Wolmirstedt steht und zwei weitere Partner am Start sind. Die Stadt wird den Bahnhofsvorplatz aufhübschen, außerdem dem rückwärtigen Teil des Bahnhofes mit der Ladestraße ein neues Gesicht geben, eine Personenunterführung dorthin sowie Parkplätze für Autos und Fahrräder anlegen und das Quetchen ordentlich ausbauen. Die Bahn wird den schmutzigen Tunnel 20 Meter weiter nördlich durch eine neue Unterführung mit Aufzügen ersetzen. Das Bodelschwingh-Haus will im August 2021 fertig sein, die Bahn will den Tunnel bis Oktober 2022 fertig haben, die Stadt schließt sich an.