Wolmirstedt l Glindenberg gilt als modernes Dorf. In der Nachwendezeit hat sich hinterm Deich ein riesiges Wohngebiet entwickelt. Die Nähe zu Magdeburg, zur Elbe, zur Autobahn lockte viele Menschen aus der Region an. An der Beliebtheit des Ortes hat auch die drohende Überflutung während der Elbehochwasser nichts geändert. Junge Familien finden eine Kita und einen Hort vor, es gibt eine aktive freiwillige Feuerwehr, einen Sportverein mit mehreren Sparten, Gaststätten, ein Hotel, Platz für Pferde.

Lediglich die Lebensmittelversorgung vor Ort ist nicht mehr gegeben. Der Dorfladen hat vor drei Jahren geschlossen. Wer vergessen hat, Butter zu kaufen, muss beim Nachbarn klingeln oder nach Wolmirstedt in den Einkaufsmarkt fahren. Trotzdem scheint der Wolmirstedter Ortsteil begehrt, ein neues Wohngebiet wird erschlossen. Es heißt Glindenberg/West.

Gemeinden rund um Magdeburg beliebt

Bauherr ist Detlef Sporkenbach. Er hat beobachtet: „Die Nachfrage nach Baugrundstücken in den Gemeinden um Magdeburg herum steigt.“ Glindenberg, Wolmirstedt oder Barleben seien begehrte Wohnlagen. Das Interesse ist sicherlich nicht zuletzt den Grundstückspreisen geschuldet, die sich weit unterhalb der in Magdeburg verlangten Preise bewegen. Im neuen Wohngebiet Glindenberg/West werden für die vollerschlossenen Grundstücke etwa 100 Euro pro Quadratmeter gefordert.

Innerhalb der Einheitsgemeinde Wolmirstedt bewegt sich der Preis damit allerdings im oberen Segment. Das bestätigt eine Studie, mit der die LBS das Marktforschungsinstitut Empirica beauftragt hat. Laut dieser Studie müssen in Wolmirstedt für erschlossenes Bauland durchschnittlich 75 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden. „Je nach Lage liegen die Preise zwischen 35 und 100 Euro“, präzisiert LBS Gebietsleiterin Kerstin Emma Thiede.

Diese Studie ergab auch: Aktuell kostet ein gebrauchtes Einfamilienhaus in Wolmirstedt durchschnittlich 170.000 Euro. Für 80 Quadratmeter große Eigentumswohnungen müssen Besitzer durchschnittlich 67.200 Euro auf den Tisch legen, das entspricht einem Quadratmeterpreis von 840 Euro.

Zwölf Doppelhäuser

Zurück zum Glindenberger Wohngebiet West. Dort werden zwölf Doppelhäuser und 16 Einfamilienhäuser entstehen. Mitte bis Ende 2021 sollen die ersten schlüsselfertig übergeben werden. Bevor die Mauern in die Höhe wachsen, muss das Gebiet erschlossen, Wasser, Strom und Internet zu den künftigen Grundstücken gelegt werden, auch Strom für Elektroautoladestationen.

Die Fläche war im zweiten Weltkrieg Standort für Flak-Geschütze, der Kampfmittelberäumungsdienst hat die Fläche bereits untersucht. Während der Bauphase werden die Archäologen ein Auge auf die Bodenschichten werfen. Bis zum Ende des Jahres soll die Erschließung vollzogen sein.

Baufahrzeuge kommen von der Kreisstraße

Perspektivisch wird das Wohngebiet über die Breite Straße erreichbar sein. In der Bauphase jedoch dient die Kreisstraße als Zufahrt, die Richtung Tunnel führt. Damit Baufahrzeuge auch tatsächlich nur diesen Weg am Bauerngraben nutzen, hat Ordnungsamtschef Dirk Illgas die Sperrung Richtung Kurze Straße angeordnet. Deren Anwohner sollen vor Lärm, Erschütterungen und Schmutz bewahrt werden.

Die Zufahrtstraße aus Richtung Breite Straße wird voraussichtlich Anfang November erneuert, außerdem die Versorgungsleitungen eingebunden. Dafür wird zwischen den Häusern Nummer 36 und 37 eine dreiwöchige Vollsperrung erwartet.

Das Baugebiet wurde bisher als Acker genutzt, vor einigen Jahren wurde es bereits bis zum Bauerngraben aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgelöst.

Die Grundstücke der Einfamilienhäuser sind zwischen 650 und 1600 Quadratmeter groß, die Grundstücke der Reihenhäuser betragen 350 Quadratmeter. Was die Vermarktung angeht, ist Detlef Sporkenbach optimistisch: „Besonders für die Einfamilienhäuser haben wir bereits Interessenten.“