Ebendorf l Als die rund 50 Besucher des Familienkonzerts in der Dorfkirche still werden und die ersten Klänge der Posaune von Gerhard Vinatzer durch das Kirchschiff hallen, juchzt Pia vor Freude. Pia ist elf Jahre alt und die Tochter von Andrea und André Krumsieg aus Ebendorf. Sie kam zwölf Wochen zu früh und viel zu leicht auf die Welt, ist auf einen Rollstuhl angewiesen und kann mit Gleichaltrigen weder motorisch noch sprachlich mithalten.

Eine Delfintherapie auf Coracao hatte, so beide Eltern, vor drei Jahren einiges bewirkt bei Pia. Ruhiger sei sie geworden, entspannter, habe neue Laute formen können. Um weitere Entwicklungsschritte anzustoßen, sparen die Krumsiegs auf eine erneute Delfintherapie, sind dabei auf Spenden angewiesen. So kommt Familie Vinatzer ins Spiel, die schon jahrelang nur wenige Häuser weiter in der gleichen Straße wohnt. Sie wollten etwas für Pia tun, nun stehen sie im Altarraum der Kirche und musizieren.

Märchenhafte Geschichte

Karoline Vinatzer hat in den Wochen vor dem Konzert eine märchenhaft-musikalische Instrumentengeschichte verfasst, bei der sich verschiedene von Posaune bis Gitarre, von Flöte bis Ukulele, von Harfe über das Tenorhorn bis hin zur Violine kennenlernen und durch die Welt ziehen. Zum Schluss musizieren die Instrumente gemeinsam, das Publikum in der Kirche klatscht streckenweise begeistert mit, Füße wippen zur Musik. Zwischendurch quietscht Pia laut vor Begeisterung.

Bilder

Nach dem Konzert ist Andrea Krumsieg sichtlich bewegt. „Ich kann gar nicht sagen, was all diese Hilfsbereitschaft für uns bedeutet. Das ist doch der Wahnsinn“, sagt sie leise und streicht Pia übers Haar. Das Mädchen ist aufgeregt, möchte am liebsten noch länger Musik hören. „Wenn sie könnte, würde sie aufspringen und tanzen“, sagt Andrea Krumsieg überzeugt.

Auftritt mit Premiere

Die Vinatzers räumen ihre Instrumente zusammen, haben noch ein Geschenk für Pia vorbereitet. In einer Kiste haben sie Bilder von Instrumenten auf Holz versteckt, damit Pia diese auch zu Hause anschauen kann. Alle Kinder in der Kirche bekommen einen kleinen Delfin geschenkt. Die Stofftiere hat Karoline Vinatzer auch noch vor dem Konzert in Handarbeit genäht: „Ich habe nicht so viel geschlafen in den letzten Tagen, wir waren schon ein bisschen aufgeregt.“

Aufregend war das Konzert nicht nur für Pia, sondern auch für die Familienmusiker. Bühnenerfahrung haben die Vinatzers reichlich, auch die Kinder schon durch ihr Mitwirken in Kinder- und Jugendorchestern. Allerdings war das Konzert am Sonntag für Antonia der erste Auftritt mit Papa Gerhard gemeinsam. Nach dem Konzert sagt sie bescheiden: „Das war schon schön.“

Große "Familie"

Am Ausgang der Ebendorfer Kirche reichen die Mitglieder von Andrea Krumsiegs Kegeltruppe selbstgebackenen Kuchen, Kaffee und andere Getränke gegen Spenden aus, draußen vor der Kirche sind alle Stehtische belegt. Andrea Krumsiegs „Kegeldamen“ seien es auch gewesen, die sie wieder ins aktive Leben zurückgeholt haben. „Ich habe mich lange verkrochen und nur um Pia gekümmert, und meine Mädels haben an der Tür geklingelt und mich mit zum Kegeln genommen. Ohne solche Freunde und Familie, die uns selbstlos helfen, sähen wir ganz schön alt aus“, sagt sie.

Wieviel Geld am Ende zusammengekommen ist, verraten die Vinatzers noch nicht. Sie wollen die Übergabe für Pia ganz besonders gestalten und planen noch dafür. Die Volksstimme wird zur entsprechenden Zeit berichten.