Wolmirstedt l Der Raum, in dem Yvette Veckenstedt werdende Eltern empfängt, war früher die Milchküche der Kita „Pusteblume“. Inzwischen ist das Zimmer möbliert, in der Schrankwand steht Spielzeug, auf dem Tisch liegen Prospekte. Yvette Veckenstedt stört die provisorische Ausstattung nicht. Sie ist froh, dass die Arbeiterwohlfahrt diesen Raum jeden Montag drei Stunden lang kostenlos nutzen kann, sonst gäbe es in Wolmirstedt keine Beratungsstelle für Schwangere mehr. Die wird jedoch dringend gebraucht.

Manchmal kommen junge Frauen oder Paare, die nicht wissen, ob sie das Baby austragen möchten oder können. Dann bietet Yvette Veckenstedt die sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung an. „Die macht allerdings nur einen kleinen Teil der Beratungsgespräche aus“, sagt Yvette Veckenstedt. Meist sitzen werdende Mütter oder Eltern mit ihr am Tisch, die sich sehr auf das Baby freuen, aber viele Fragen nach dem behördlichen Drumherum haben. „Die werdenden Eltern wollen wissen, wann sie zu welcher Behörde gehen, wann sie Elterngeld und Elternzeit beantragen müssen. Sie wollen nicht den richtigen Zeitpunkt verpassen.“

Hilfe in vielen Bereichen

Manchmal wird auch akute finanzielle Unterstützung gebraucht. Besonders Studentinnen, Geringverdienerinnen oder ALG-II-Empfängerinnen kann Yvette Veckenstedt weiterhelfen. „Es gibt Stiftungen, die einmalig Geld für die Erstausstattung ausreichen.“

Selbst berufstätigen Frauen wird mitunter die Freude aufs Kind vergällt. „Für manche ist es schwierig, weil sie einen befristeten Arbeitsvertrag haben“, erzählt Yvette Veckenstedt. Existenzsorgen können schnell drängend werden. Es komme sogar vor, dass Frauen widerrechtlich in der Schwangerschaft gekündigt werde. „In so einem Fall kooperieren wir mit anderen Institutionen wie dem Gewerbeaufsichtsamt.“ Bei verhärteten Fronten bleibt mitunter keine andere Wahl, als den Klageweg zu beschreiten. Yvette Veckenstedt findet es wichtig, dass werdende Mütter auf ihren Rechten bestehen. „So eine Kündigung wirkt sich schließlich auf die finanzielle Situation in der Elternzeit aus.“

Solche Problem sind ärgerlich, lassen sich aber oft auf der sachlichen Ebene lösen. Die pure Verzweiflung erlebt Yvette Veckenstedt, wenn ein Kind nicht lebend zur Welt gekommen ist oder die Schwangerschaft abgebrochen wurde. Dann bietet sie psychosoziale Hilfe an, versucht, die Frauen aufzufangen. Ein Schwangerschaft wird manchmal aufgrund sozialer Umstände beendet, manchmal auch nach medizinischer Indikation. „Auch da liegt die Entscheidung letztendlich bei der Frau“, sagt Yvette Veckenstedt. Raum brauche die Trauer immer.

Dreistündige Beratung

Die allermeisten Schwangerschaften verlaufen jedoch problemlos. Medizinisch sind Frauen heute so gut abgesichert wie nie zuvor. Das große Angebot an Vorsorgemaßnahmen verunsichere mitunter auch, weiß Yvette Veckenstedt, deshalb möchte sie Vertrauen vermitteln. „Ich wünsche den Schwangeren und Angehörigen, dass sie sich auf das Kind freuen, dass die Frauen gut für sich sorgen und wissen, nicht alles ist planbar.“ Besonders gern mag Yvette Veckenstedt die Redewendung, die für eine Schwangerschaft früher benutzt wurde: Guter Hoffnung sein. Und ganz besonders freut sie sich, wenn Eltern die neugeborenen Babys vorstellen.

Für eine Beratung jeweils montags von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr nimmt Yvette Veckenstedt Anmeldungen unter der Telefonnummer 0171/492 07 39 entgegen.