Wolmirstedt l In Wolmirstedt gibt es fünf Friedhöfe, die öffentlich gewidmet sind, einer in der Kernstadt, außerdem jeweils einer in Mose, Farsleben, Glindenberg und Elbeu. Der zweite Elbeuer Friedhof an der Kirche ist kirchlichen Bestattungen vorbehalten und bleibt bei der städtischen Planung außen vor.

Auf diesen öffentlichen Friedhöfen gibt es Flächen, die nicht für die Bestattung genutzt werden. Die dienen als öffentliches Grün, für Denkmäler oder sind längst als Überkapazitäten eingeordnet. Es sei erkennbar, heißt es aus dem Rathaus, dass die Kosten für nicht genutzten Flächen den Stadthaushalt belasten. Ob das so bleiben soll, wird demnächst beraten.

Friedhofskonzeption

Grundlage für die Beratungen wird eine Friedhofskonzeption. Ein Vorentwurf ist fertig und wurde am Dienstagabend im Bauausschuss vorgestellt.

Bei der Bestandsaufnahme fielen große Unterschiede zwischen den Friedhöfen auf. Während in Mose die gesamte Fläche als Friedhofsfläche dient, sind es in Farsleben nur 54 Prozent. In Glindenberg werden lediglich 75 Prozent für die Bestattung genutzt, in Wolmirstedt 84 Prozent und in Elbeu 88 Prozent.

Solche Zahlen sind die Grundlage für Diskussionen. Die werden sich darum drehen, wie die Friedhofspflege optimiert und kostendeckend organisiert werden kann, wie mit dem Flächenüberhang verfahren wird. Ziel ist es, den Stadthaushalt entlasten und sozialverträgliche Gebühren zu ermöglichen. Varianten, wie das gehen soll, werden dem Stadtrat zum Jahresende vorgeschlagen. Änderungen sollen ab 2021 greifen.

Das kann beispielsweise bedeuten, dass die Stadt die Pflege der Überhangflächen übernimmt, aber auch, dass diese Flächen gegebenfalls wieder an die Eigentümer übertragen werden. In Wolmirstedt, Farsleben und Glindenberg wäre das die evangelische Kirche. Die Fläche des Moser Friedhofs liegt in privater Hand, der Elbeuer Friedhof gehört bereits komplett der Stadt.

Mit der neuen Friedhofskonzeption sollen viel detailgenauer als bisher ermittelt werden, was als Bestattungsfläche gilt, wie groß Wege sind, Kriegsgräberstätten oder die Flächen, auf denen Trauerhallen stehen. Diese Teile eines Friedhofs müssen von der Stadt und durch Gebühren finanziert werden. Alle andere Grünflächen, die nicht der Bestattung dienen, gelten als nicht ansatzfähige Flächen und werden im Grunde auch jetzt schon nicht auf die Friedhofsgebühren umgelegt. Sie gelten als grünpolitischer Wert und deren Pflege wird aus dem Stadthaushalt bezahlt.

Um die Friedhofspflege kümmert sich der Wirtschaftshof. Die Mitarbeiter sind zwischen 45 und 65 Jahre alt, Nachwuchs wird nicht ausgebildet. In der Friedhofskonzeption wird angemahnt, dafür zu sorgen, dass Fachwissen nicht verloren geht.

Umbruch

Ein weiterer Grund für eine neue Friedhofskonzeption liegt im Umbruch der rechtlichen Rahmenbedingungen im deutschen Friedhofswesen. Der bisherige Monopolstatus der hoheitlichen Friedhöfe werde immer mehr aufgeweicht, heißt es aus dem Rathaus. „Konkurrenz“ werden zunehmend Bestattungsplätze im Ruheforst, Friedwald oder die Seebestattung. Über das europäische Wettbewerbsrecht sei die Zulassung privatwirtschaftlicher Friedhöfe denkbar.

Von all dem ist Wolmirstedt noch entfernt. Meist sind die Friedhöfe der Ortschaften die erste Wahl. Allerdings ist die Zahl der Erdbestattungen stark zurückgegangen, sie machen nur noch etwa 15 Prozent aus. Dem gegenüber stehen 85 Prozent Urnenbestattungen. Das entspricht der Entwicklung in ganz Deutschland. Laut Verbraucherinitiative Bestattungskultur betrug der Anteil der Erdbestattungen 1960 noch 90 Prozent und ist 2016 bundesweit auf 36 Prozent geschrumpft.

Eines macht stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn jedoch klar: „Auch wenn sich das Bild der Friedhöfe mittelfristig ändern kann, so ist vorgesehen, die Friedhöfe in der Stadt und in den Ortschaften zu erhalten.“