Samswegen l Es ist eine haarsträubende Geschichte: Eine Frau aus Samswegen bekommt am Dienstag dieser Woche Anrufe von angeblichen Polizisten. Beamte aus dem Landeskriminalamt seien sie und würden im Bereich der Falschgeldkriminalität ermitteln. Und es sei nicht auszuschließen, dass sich auf dem Konto der Frau gesuchte Banknoten befinden würden. Die Beamten müssten deshalb die Seriennummern überprüfen und abgleichen.

Das Geld würde sie sofort nach der Überprüfung zurück bekommen. Über mehrere Stunden wurde die Frau am Telefon von den angeblichen Beamten bedrängt. Schließlich hob sie mehrere zehntausend Euro ab und übergab sie den Betrügern.

Immer wieder Fälle

Ein Fall, der nun wieder aufhorchen lässt. Denn die Masche ist eigentlich nicht neu. Bereits in der jüngeren Vergangenheit gab es im Landkreis Börde mehrere solcher Fälle. Beispielsweise im Sommer 2017 in Rogätz. Auch hier erhielt eine Seniorin Anrufe von angeblichen Polizisten. Diese würden verdeckt im Bankenwesen ermitteln – unter anderem in der Sparkassenfiliale in Rogätz, sagten sie.

Und bei diesen verdeckten Ermittlungen müsse die Frau unbedingt helfen. Und zwar sollte sie 25.000 Euro aufbringen und den Betrag auf ein anderes Konto überweisen. Später wurde ausgemacht, 10.000 Euro zu überweisen. Die Frau ging darauf ein und tatsächlich zur Bank. Glücklicherweise kam es nicht zur Überweisung.

Mit ihrer Masche als falsche Polizisten gehen die Betrüger immer dreister und professioneller vor. Beispielsweise erhielt eine Frau aus der Hohen Börde einen Anruf von angeblichen Polizisten. Im Display ihres Telefons wurde die Telefonnummer des Irxleber Rathauses angezeigt. In anderen Fällen erschien sogar die 110 im Display.

Täter immer professioneller

Joachim Albrecht, Pressesprecher im Polizeirevier Börde in Haldensleben, kennt die Maschen der Betrüger genau. Immer wieder landen solche Fälle im Revier. Mal sind es falsche Polizisten, mal Mitarbeiter der Telekom, mal sind es angeblich die Enkelkinder, die in finanzieller Not sind und ganz schnell Geld brauchen. Dabei werden die Angerufenen nicht selten psychisch stark unter Druck gesetzt. Betroffene berichteten davon, dass sie in der Situation einfach überfordert waren.

„Da werden ganze Legenden von den Betrügern gestrickt“, sagt Joachim Albrecht. Die Samswegerin beispielsweise durfte nicht auflegen, mit niemandem darüber sprechen. Selbst in der Nacht meldeten sich die angeblichen Polizisten immer wieder. Alles wurde sehr geheimnisvoll und dringend gemacht. Um die Frau dann zur Bank zu fahren, riefen die ominösen Beamten sogar ein Taxi.

Hoher psychischer Druck

„Möglicherweise waren die Täter die ganze Zeit ganz in der Nähe. Wer also verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen hat, soll sich bitte bei uns melden“, sagt Joachim Albrecht. Durch die Geldübergabe hat die Polizei auch eine Täterbeschreibung: Der Mann ist zwischen 20 und 30 Jahre alt, mittelgroß, hat braunes Haar und ein rundes Gesicht. Er sprach akzentfrei Deutsch.

Die Polizei warnt: kein Polizeibeamter erkundigt sich telefonisch nach Geld, Vermögen oder Wertgegenständen, oder bespricht Geldtransfers oder fordert Personen zum Kauf von Gutscheinen auf. „Seien Sie argwöhnisch, wenn sich fremde Personen am Telefon als Behördenmitarbeiter oder Polizisten ausgeben. Teilen Sie keine Details zu familiären und finanziellen Verhältnissen mit“, so Albrecht. Auf keinen Fall sollte Geld überwiesen oder ausgehändigt werden. „Sprechen Sie auf alle Fälle mit Angehörigen darüber und informieren Sie die Polizei“, rät Joachim Albrecht.

Sachdienliche Hinweise nimmt das Polizeirevier Börde in Haldensleben unter der Telefonnummer 03904/47 80 entgegen