Wolmirstedt l Schwitzende Hände und ein Kloß im Hals – die Nervosität vor einem Bewerbungsgespräch kennt wohl jeder. Auch Celine Wolf hatte dieses Gefühl. „Ich war sehr aufgeregt. Aber umso schöner ist es, wenn man es geschafft hat“, sagt die 15-Jährige, die die neunte Klasse der Wolmirstedter Leibnizschule besucht.

Zwar handelte es sich nur um ein Probe-Bewerbungsgespräch, nichtsdestotrotz wird dabei versucht, eine möglichst realistische Situation nachzustellen. Denn beim Bewerbertag kommen Unternehmen aus diversen Branchen in die Gemeinschaftsschule, um sich vorzustellen und potentielle zukünftige Mitarbeiter zu finden. Denn diese werden gerade händeringend gesucht.

Verkäufer sind gefragt - und beliebt

Der Bedarf an Nachwuchskräften ist berufs- und branchenübergreifend sehr hoch, wie die Agentur für Arbeit Magdeburg, die auch für die Börde zuständig ist, mitteilt. Im Ausbildungsjahr 2017/2018 waren im Landkreis Börde 1025 Bewerber gemeldet. Davon haben 624 Personen, also knapp 60 Prozent, eine Ausbildung begonnen. Etwa zwei Drittel der Bewerber in der Börde waren unter 20 Jahren alt.

Unter den Top zehn der beliebtesten Berufe steht bei Jugendlichen Verkäufer/in beziehungsweise Einzelhandelskaufmann/frau. Im Bereich Einzelhandel wurde kräftig Nachwuchs gesucht – allein elf Prozent der Berufsausbildungsstellen im Bereich Magdeburg, Jerichower Land und Börde waren im Einzelhandel gemeldet.

An diesem Berufszweig zeigt auch Celine Wolf Interesse. Deshalb hat sie beim Bewerbertag mit Gordon Wermuth gesprochen. Der Marktleiter des Wolmirstedter E-Centers ist mit ihrem Auftreten zufrieden: „Celine war sehr gut vorbereitet und hat ein aufrichtiges Interesse an dem Beruf.“

Bewerberzahl und Qualität sinken

Dies sei leider nicht mehr die Regel. „Die Bewerberzahl wird immer geringer und auch die Qualität hat in letzter Zeit abgenommen“, bedauert Gordon Wermuth. Vor allem an Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit mangele es häufig bei jungen Auszubildenden. Die Gründe dafür sieht er vornehmlich in der Erziehung im Elternhaus, aber auch in der schulischen Berufsvorbereitung. Umso erfreulicher sei es, dass die Leibnizschule mit dem Bewerbertag diesem Negativ-Trend entgegentrete und eine gute Vorbereitung für reale Bewerbungssituationen liefere.

Für viele Jugendliche haben laut der Agentur für Arbeit bei der Wahl des Ausbildungsberufes auch Arbeitsbedingungen und zusätzliche Anreize einen hohen Stellenwert. So sind vor allem Übernahmechancen nach der Ausbildung sowie die Arbeitszeitgestaltung wichtige Faktoren bei der Entscheidung. Damit könnten sich Unternehmen hervorheben und ihre Attraktivität für Jugendliche steigern.

Polizei: mehr Bewerber als Stellen

Diese Faktoren spielen auch bei der Ausbildung der Polizei eine Rolle, weshalb diese Branche nicht mit der Suche nach Auszubildenden zu kämpfen hat. Das Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt sprach Anfang des Jahres von rund 4000 Bewerbern auf 500 ausgeschriebene Stellen.

Die 16-jährige Pauline Hillert hofft, in zwei Jahren zu den wenigen Auserwählten zu gehören. Diesbezüglich sieht Michael Moosbauer von der Polizei-Fachhochschule in Aschersleben gute Chancen. „Pauline hat sich sehr gut geschlagen. Auch dass sie bereits einen Tag der offenen Tür besucht und ein Praktikum in einem Polizeirevier absolviert hat, zeugt von ihrem Interesse“, resümiert der Polizeibeamte über das Probe-Bewerbungsgespräch und lobt die Leibnizschule für den Bewerbertag. Dieses Konzept und weitere berufsorientierende Maßnahmen sind auch der Grund, dass der Schule im vergangenen Jahr das Berufswahlsiegel verliehen wurde.