Dahlenwarsleben l Feierabend gibt es derzeit nur ab und zu. Die Dahlenwarsleber Michael Kleine, Elmar Hannemann und Dominik Richter haben es sich auf die Fahne geschrieben, den Breitbandausbau in ihrem Ort zu unterstützen. Sie sind die privaten Breitbandengel, die ihre Mitmenschen aufklären über das schnelle Internet, die Sorgen beiseite schieben und den Dahlenwarslebern die Chance verdeutlichen – damit der Ort weiter wachsen kann.

„Ich habe vom Breitbandausbau erst Mitte Juni bei einer Informationsveranstaltung erfahren“, sagt Michael Kleine. Der 32-Jährige war sofort ein Unterstützer des Vorhabens: „Es ist eine riesige Chance für den Ort.“ Dahlenwarsleben und die anderen Orte der Niederen Börde sollen schnelles Glasfaserinternet erhalten. Da dieses bis ins Haus verlegt wird, müssen Grundstückseigentümer dem Bau vorab zustimmen.

Wenige Entscheidungen für Ausbau

Doch nur wenige Menschen in der Niederen Börde haben sich bisher für den Breitbandausbau entschieden. Die Firma DNS:NET, die das künftige Netz betreiben will, hat die Frist nun um zwei Wochen – bis zum 15. Juli – verlängert. Haben die einzelnen Orte bis dahin keine 60 Prozent Zustimmung erreicht, könnte das Vorhaben kippen.

Genau dort setzen die drei jungen Dahlenwarsleber an. Eher zufällig fanden sie zusammen, koordinierten sich via Smartphone, teilten Dahlenwarsleben untereinander auf und gingen dann von Tür zu Tür. „Wir haben auch einen eigenen Flyer erstellt, um den Menschen zu zeigen, dass es auch Ansprechpartner unter ihnen gibt“, so Michael Kleine. „Vielleicht können wir die Menschen eher überzeugen, wenn wir Gesicht zeigen.“

So helfen die drei privaten Breitbandengel beim Ausfüllen der umfangreichen Anträge und stehen bei Fragen zur Seite. „Ich bin bei einem anderen Anbieter. Da zahle ich viel weniger“, sagt ein älterer Herr an der Tür. Die Grundstückseigentümer würden nach Ausbau 50 Euro monatlich für das Internet zahlen – für einige ist das zu viel. „Sehen Sie es als Investition in die Zukunft“, sagt Michael Kleine.

Privates Engagement

An der nächsten Tür schüttelt eine ältere Dame den Kopf – sie hat noch gar nichts vom Breitbandausbau gehört. Geduldig erklären die jungen Dahlenwarsleber ihr die Vorteile des schnellen Internets. Ein weiterer Herr ist ebenfalls überrascht: „Es soll schnelles Internet verlegt werden? Bis ins Haus? Na dann los!“ Einen Antrag haben die jungen Dahlenwarsleber, die sich aus Kindertagen kennen, für diesen Freiwilligen im Gepäck.

Bis zum Ende der Woche werden die drei Herren noch unterwegs sein. Wird es reichen, um die Quote von 60 Prozent zu erreichen? „Ich glaube schon, dass wir das schaffen können“, sagt Kleine. Ansonsten waren die freiwilligen Überstunden umsonst. Oft betonen sie beim Umzug von Tür zu Tür, dass sie nicht von DNS:NET angeheuert wurden, um Verträge abzuschließen.

Stimmt ein Grundstückseigentümer innerhalb der Frist zu, werden die Glasfaserkabeln kostenlos bis in sein Haus verlegt. Entscheidet sich ein Eigentümer nach dem ersten Spatenstich für das Glasfasernetz, werden bis zu 1200 Euro fällig. Die Gemeinde ist Bauherr des Glasfasernetzes. Theoretisch könnten die Bauarbeiten also auch ohne die 60-Prozent-Hürde beginnen.

Neben den kletternden Prozentzahlen bemerken die jungen Dahlenwarsleber einen weiteren Vorteil ihrer Aktion. „Man kommt mit den Leuten ins Gespräch, lernt sich kennen. Das stärkt die Gemeinschaft“, berichtet Michael Kleine. „Vielleicht müssen wir einige in Sachen Breitband nur wachküssen.“