Wolmirstedt l Der echte Stadtratsvorsitzende Heinz Maspfuhl (SPD) wird sich am Freitag in den falschen Waldemar verwandeln. Bei Einweihung einer Bronze-Gedenktafel soll es nämlich durchaus historisch zugehen. Maspfuhl und einige weitere Protagonisten der Feierstunde hüllen sich dabei in passende Gewänder, um die Geschichte entsprechend darzustellen.

Das öffentliche Anbringen der Tafel ist übrigens von langer Hand geplant. Das Geld für die Tafel stand schon lange zur Verfügung. Es kommt aus dem Spendentopf, der für das Stadtfest angelegt und nicht ganz geleert wurde. Schon der „alte“ Stadtrat, der bis zur Wahl im Ehrenamt war, hatte der Ausgabe für die Tafel zugestimmt. Zumal die Tafel bereits im Juni 2019 zur 1010-Jahrfeier Wolmirstedts feierlich enthüllt werden sollte. Die Angelegenheit hat sich deshalb so lange hingezogen, weil die Stadt erst einmal die erforderlichen Genehmigungen, die bau- und denkmalrechtlicher Natur sind, einholen musste. „Jetzt ist es endlich soweit“, sagt Maspfuhl. „Wir können den lang gehegten Plan in die Tat umsetzen und damit an einen Menschen erinnern, der schon sehr früh als ein Hochstapler oder Schelm wie der Hauptmann von Köpenick oder gar Till Eulenspiegel auftrat.“

Historische Führung geplant

Bislang fehlte ein würdiger Anlass, zu dem die Tafel mit dem falschen Waldemar enthüllt werden sollte. Der ist nun gefunden, denn am Freitag gibt es eine historische Führung des Museums. Der Start derselben soll in die Veranstaltung mit einbezogen werden. „Wir werden um 18 Uhr mit der Feierstunde beginnen“, sagt Bürgermeisterin Marlies Cassuhn.

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Der falsche Waldemar trat übrigens schon im Jahr 1348 in Wolmirstedt auf und dürfte als der Großvater aller späteren Schelme gelten, wobei er eigentlich eher ein Betrüger und Hochstapler war, der zwei Jahre lang mit seiner Masche Erfolg hatte. Dann wurde er enttarnt. Im Jahr 1348 soll ein grauhaariger Pilger „vom Frühlingslicht übergossen“ vor der Pforte der Wolmirstedter Burg gestanden haben. Er begehrte Einlass, wollte den Erzbischof Otto von Magdeburg sprechen, der residierte damals in Wolmirstedt. Ein Diener wies den Pilger an, zu warten und brachte einen Becher Wein. Der Graubart trank den Wein und warf einen Siegelring in den geleerten Becher. Diesen Becher brachte der Diener dem Erzbischof. Als Erzbischof Otto den Ring betrachtete, geriet er völlig aus dem Häuschen, sprang auf und schrie den Diener an: „Herein mit ihm – herein!“ Er hatte den Siegelring des Markgrafen Waldemar von Brandenburg erkannt. Der war eigentlich schon seit fast 30 Jahren tot.

Hochstapler fliegt nach zwei Jahren auf

Warum stand der jetzt wieder vor der Tür? Er habe seinen Tod nur vorgetäuscht, erklärte der auferstandene Waldemar, sei einst vor Thron und Ehebett geflohen. Das Ende vom Lied: Den Mächtigen kam die Wiederauferstehung sehr zu Pass, Waldemar wurde Markgraf der Nachbarregion, ein willfähriger und guter Partner für Erzbischof Otto und seine Konsorten, bis der Schwindel zwei Jahre später aufflog. Markgraf Waldemar war kein Markgraf. Wie der Pilger an den Siegelring gekommen war, blieb für immer ein Rätsel. Der Enttarnte emigrierte nach Dessau, starb acht Jahre nach der Sache mit dem Siegelring. „Er wurde dort beigesetzt, in allen Ehren“, merkt Heinz Maspfuhl an, der die Geschichte sehr genau kennt. Er weist zudem darauf hin, dass sich die Begebenheit im Gedächtnis des Volks verfestigt hätte, ähnlich wie bei anderen Hochstaplern oder eben Schelmen. Daher sei die Anbringung der Tafel nicht nur logisch, sondern auch ein echtes Spektakel. „Zu diesem sehen wir es natürlich besonders gern, wenn die Bevölkerung bei der Feierstunde mit vertreten ist“, so Maspfuhl.

Die Geschichte des falschen Waldemar wird oft von den Museumsmitarbeitern bei Führungen zum Besten gegeben. Heinz Maspfuhl sagt: „Es ist attraktiver, diese Geschichte vor der Bronzetafel zu erzählen und das noch direkt am Ort des Geschehens.“ Das Museum liegt nur wenige Schritte vom einstigen Eingang der ehemaligen Kapelle entfernt. Bei der jetzt geplanten Führung gibt es also eine echte Erzähl-Premiere der neuen Art.

Schon zur 1000-Jahrfeier der Stadt, im Jahr 2009, gab es eine Initiative des ehemaligen Museumsleiters Werner Schierhorn. Der wollte ebenfalls so eine Tafel auf der Schlossdomäne etablieren, dann fertigte die Barleber Künstlerin Astrid Weinhold sogar den Entwurf für eine Plastik, die am Ortseingang aufgestellt werden sollte. Doch dieser Entwurf fiel bei Stadträten und in der Bevölkerung durch.