Volksstimme: Herr Müller, die finanzielle Lage der Niederen Börde war 2019 derart schlecht, dass die Gemeinde gänzlich ohne Haushalt auskommen musste…

Stefan Müller: Die finanzielle Lage und die Aufstellung des Haushaltes sind zwei verschiedene Punkte. Aufgrund des fehlenden Haushaltes konnten tatsächlich nur Ausgaben zur Bewältigung der Pflichtaufgaben getätigt werden. Das war nicht schön. Es gab ja schon Jahre, in denen der Haushalt erst relativ spät verabschiedet wurde, doch im vergangenen Jahr reichte es tatsächlich nur zur Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit der Gemeinde. Der Grund dafür lag in der angespannten Personalsituation.

Und wie sieht es für dieses Jahr aus?

Der Etat für 2020 ist aufgestellt und wird aktuell in den Ausschüssen beraten. Der erstellte Plan der Verwaltung weist aktuell ein Defizit von 1,3 Millionen Euro im Ergebnishaushalt aus. Nun stehen wir vor der Herausforderung, nach Wegen zu suchen, um das Defizit abzubauen.

Welches waren Ihrer Meinung nach die größten Projekte im vergangenen Jahr?

2019 war ein sehr aufregendes Jahr. Sowohl in der Verwaltung als auch im Kita-Bereich hatten wir viel Bewegung. Außerdem konnten wir die Arbeiten am neuen Qualitätsmanagement für unsere Kitas erfolgreich abschließen. Über mehrere Jahre wurde an diesem Handbuch gearbeitet. Auch der Breitbandausbau ist gestartet und die Feuerwehrgerätehäuser in Vahldorf und Samswegen werden baulich modernisiert. Der Clou war der Beschluss über die Annahme von Fördermitteln für den Kita-Neubau auf der Domäne in Groß Ammensleben. Nachdem wir Mitte des Jahres erst die Ablehnung bekamen, wurde uns im Herbst mitgeteilt, dass wir nun doch Fördermittel erhalten können.

Und wir konnten drei Delegationen aus der Ukraine begrüßen. Die Kollegen wollen in ihrem Land auch Einheitsgemeinden aufbauen und haben sich über unsere Erfahrungen informiert.

Den Breitbandausbau in der Gemeinde haben Sie ja schon kurz angesprochen. Doch es stockt ja in einigen Ortschaften, zumindest was die erforderliche Quote von 47 Prozent betrifft. Wie wollen Sie die Bürger überzeugen?

In Gutenswegen, Samswegen und Groß Ammensleben ist die geforderte Quote tatsächlich noch nicht erreicht. Wir gehen nach und nach in die Ortschaften, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Am vergangenen Montag gab es ja eine Bürgerversammlung in Gutenswegen. Die Versammlung war sehr gut besucht und nach einiger Zeit der Erklärungen sind viele Fragen beantwortet worden. Wir setzen auch darauf, dass während der Bauphase Bürger auf den Zug aufspringen. Bülstringen ist schon angeschlossen, und das ist ja nicht so weit von uns entfernt. In Dahlenwarsleben werden die Kabel nun eingeblasen. Ich denke, wenn die Bürger merken, dass das Netz funktioniert, werden sie ihr Interesse an einem Anschluss noch bekunden.

Der Gemeindewehrleiter hat jüngst im Gemeinderat über die positive Entwicklung der Wehren in der Einheitsgemeinde referiert. Positiv bewertete er die Fortschritte in Sachen Löschwasserspeicherung und Gerätehäuser. Aber sind denn die Kameraden für die Probleme gerüstet, die unwillkürlich mit der Autobahn 14 kommen werden?

Die Gemeinde hat in den letzten Jahren in diverse Technik und Fahrzeuge investiert, so dass Gefahrenlagen auf der A 14 abgearbeitet werden können. Laut Risikoanalyse, in der die A 14 bereits berücksichtigt worden ist, müssen hier und da noch Ergänzungen vorgenommen werden. Im Großen und Ganzen sind unsere Feuerwehren aber schon jetzt auf die Autobahn eingestellt. Die Gemeinde Niedere Börde ist ja bereits für den Abschnitt Dahlenwarsleben bis Magdeburger Kreuz der A 14 zuständig.

Was denken Sie persönlich eigentlich über die A 14, Fluch oder Segen?

Sowohl als auch. Sie könnte einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung für die Region bedeuten. Unsere Gemeinde ist mit dem sehr guten Bördeboden seit jeher aber landwirtschaftlich geprägt. Wir sind hier schon ganz gut angeschlossen mit Straßen und Eisenbahn, Wirtschaft hat sich aber trotzdem kaum angesiedelt. Wenn dann die A 14 tatsächlich kommt, muss für Lärmschutz für unsere Bürger gesorgt werden.

Welche Herausforderungen sind in diesem Jahr zu meistern?

Die größte Herausforderung wird die Aufstellung eines ordentlichen Haushaltes sein. Außerdem müssen wir Baumaßnahmen stemmen, so den Kita-Neubau und das Feuerwehrgerätehaus in Groß Ammensleben. Und wir müssen den Breitbandausbau weiterführen, um das Vorhaben in den kommenden Jahren zu beenden.

Wann können denn die ersten Nutzer in der Gemeinde im schnellen Internet surfen?

Der Plan war ja, dass 2019 schon die ersten Anschlüsse fertig sind. Meine Wunschvorstellung ist, dass noch Mitte dieses Jahres die ersten Anschlüsse freigeschaltet werden.

Wer im Internet nach der offiziellen Seite der Niederen Börde sucht, wird auf einen komplett neuen Auftritt der Gemeinde geleitet.

Richtig. Das neue Layout ist jetzt viel übersichtlicher. Außerdem benötigen wir kein Unternehmen mehr, das uns die aktuellen Informationen einstellt. Das können unsere verantwortlichen Mitarbeiter jetzt selbst von ihrem Schreibtisch aus erledigen. Das ist schneller. Ein weiterer Vorteil ist, dass unsere Internetseite nun auch vom Smartphone aus besucht werden kann. Vorher war der Umgang damit nicht ganz so einfach. Die Überarbeitung war auch ein wichtiger Hinweis aus den Stammtischen zur Erarbeitung des Integrierten Gemeindlichen Entwicklungskonzeptes, dem Igek. Dieser konnte nun umgesetzt werden, noch bevor der Gemeinderat das Igek im Sommer beschließt.