Wolmirstedt l Lange diente das Grundstück an der Ecke Burgstraße/Damaschkestraße als wilder Parkplatz. Selbst der unbefestigte Untergrund schreckte viele Autofahrer nicht ab, ihr Fahrzeug dort abzustellen. Nun ist dieser Platz quasi über Nacht als Baustelle deklariert und eingezäunt worden. Die Burgstraße ist in diesem Bereich noch bis zum Ende der Woche gesperrt, weil dort Leitungen quer über die Fahrbahn verlegt werden. Viele Bürger wurden von der plötzlichen Bautätigkeit überrascht.

Auf dem Eckgrundstück wird eine Physiotherapie entstehen, die Baugenehmigung hat der Landkreis vor wenigen Tagen erteilt. Sobald der Bau in die Tiefe geht, wird das Landesamt für Archäologie involviert sein. Es wird mit Funden gerechnet. Dieses Areal ist historisch, an dieser Stelle stand bis vor einigen Jahrzehnten die Gaststätte „Roter Adler“.

Das gesamte Gebiet neben der Schlossdomäne gehört zum historischen Stadtkern. Nur wenige Meter südlich erstreckt sich das historische Fischerufer. Diese Straße gehört zu den ältesten Wolmirstedts.

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In der Burgstraße wächst die Baustelle in Richtung des ehemaligen Holzpantoffelmacherhauses von Adolf Weß. Der wurde 101 Jahre alt und ist 2001 gestorben. Sein Haus ist längst verkauft und liebevoll hergerichtet, dient nun als Wohnhaus und Textilwerkstatt.

Wohnhaus soll entstehen

In der Damaschkestraße stößt die Baustelle an ein Grundstück, das ebenfalls bebaut werden soll. Das gehört der AWG, dort soll eines Tages ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Pläne wurden dafür schon lange vorgelegt. Doch nun wird zuerst auf dem „wilden“ Parkplatz gebaut.

Das wunderte Anwohner. Zwar war bekannt, dass dieses Grundstück in privater Hand liegt und das Parken lediglich geduldet ist, aber dann begann die Bautätigkeit doch überraschend.

Bauvorhaben im Innenstadtbereich werden in der Regel im Vorfeld öffentlich vorgestellt, meist werden die Pläne im Bauausschuss gezeigt. In diesem Fall ist bisher kein Plan an die Öffentlichkeit gelangt. Dazu seien private Bauherren auch nicht verpflichtet, heißt es im Rathaus.

Dennoch: So ein Bauvorhaben im ältesten Teil Wolmirstedts interessiert auch den Bauausschussvorsitzenden Dirk Hummelt. „Ich würde mir wünschen, dass wir im nächsten Bauausschuss über das Vorhaben informiert werden. Uns interessiert, was in der Nähe der Schlossdomäne entsteht.“

Noch ist nicht bekannt, ob die Linie des ehemaligen Roten Adlers aufgenommen wird. Der wurde vermutlich Mitte der 1970er Jahre abgerissen. Alte Fotos zeigen, wie das einst stolze Gebäude das Straßenbild prägte: Entlang der Damaschkestraße erstreckte sich ein Hotel, der Anbau an der Ecke war ein Café und das Gebäude entlang der Burgstraße barg einen großen Saal. Vermutlich gibt es im Bodenbereich noch Kellergewölbe. Näheres werden die Archäologen entdecken.