Wolmirstedt l Die EU-Kommission hat in ihrem Arbeitsplan einen „Vorschlag für einheitliche Rundungsregeln“ stehen. Das Ziel ist es, die kleinsten Cent-Münzen abzuschaffen. Aber auch von der Bundesregierung wurden schon erste Betrachtungen in diese Richtung unternommen.

Damit ist eine Debatte in der Bevölkerung ausgelöst worden, die auch die Wolmirstedter beschäftigt. Die Straßenumfrage der Volksstimme bringt aber auch ein erstaunliches Ergebnis mit sich, denn die Mehrheit der Bürger hat die Ein- und Zwei-Centmünzen auch nicht „besonders lieb“. Diese Meinung teilen die Wolmirstedter auch durchaus mit Händlern.

„Von mir aus sollte das Kupfergeld ganz abgeschafft werden“, sagt Irene Lemke aus Wolmirstedt. „Damit würde auch die mühselige Zählerei vorbei sein.“ Einzelhändlerin Sabine Thiem stimmt da im Grunde zu, würde die Abschaffung bis auf die Fünf-Cent-Münzen als gut ansehen. „Aufgerundet wird meist sowieso“, sagt sie. „Allerdings sollte man das auf Fünferschritte begrenzen. In der Tat ist das Zählen von Kleingeld gerade bei mir schon so eine Sache.“ Viele Kunden schütten ihr oft die Geldbörse aus und lassen ihr Kleingeld da. „Da wird angenommen, ich brauche das sowieso und bei Kassenschluss können wir dann die Rollen für die Bank erstellen“, fügt sie augenzwinkernd hinzu. „Allgemein gesehen sind die Menschen derzeit doch recht großzügig, da wird gern einmal aufgerundet.“ Dabei sei auffällig, dass eher die Menschen geben, die nicht so viel Geld einstecken haben.

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Viele Jugendliche zahlen gern mit der Karte

Beim Bargeld an sich verstehen die Menschen in der Ohrestadt dann keinen Spaß, das ist ihnen lieb und teuer. „Jugendliche greifen öfter zur Scheckkarte und würden am liebsten selbst nur einen Kaugummi damit bezahlen“, sagt Sabine Thiem. „Größere Summen werden übrigens auch von Älteren eher mit der Karte beglichen.“

Eine Ausnahme stellt da wohl die 18-jährige Jasmin Schulz aus der Ohrestadt dar. „Ich benutze gern Bargeld“, klärt sie auf. „Da habe ich eine bessere Kontrolle über meine Ausgaben. Eine Karte verführt nur und es geht die Übersicht verloren.“ Die Kleingeldabschaffung sieht sie zwiegespalten. „Beispielsweise in der Gastronomie wird gern einmal aufgerundet. Gut, da freuen sich Servicekraft oder Kellner eher über den einen oder anderen Euro, Kleinstbeträge summieren sich letztendlich aber auch.“ Das übersichtliche Wirtschaften mit Bargeld habe sie übrigens von ihren Eltern übernommen.

„Die Verwendung von Münzen ab fünf Cent aufwärts halte ich für sinnvoll“, sagt Rolf Menzel aus Wolmirstedt. „Generell ist mir das Bargeld aber sehr wichtig, zur Scheckkarte greife ich bei größeren Einkäufen oder Ausgaben.“

Marion Baumgarten vom Bücherfreund in Wolmirstedt wolle es so nehmen, wie es kommt, verstehen könne sie beide Seiten. „Unsere Kunden zahlen sowohl mit Karte als auch mit Bargeld“, führt sie aus. „Das gleicht sich insgesamt aus, da es kleine und große Beträge betreffen kann.“

Strikt gegen jegliche Abschaffung bestehender Münzen spricht sich Ursel Krone aus. „Man sollte überhaupt nichts abschaffen, da am Ende nur alles immer weiter teurer wird“, äußert sie sich. „Ich sehe, dass so eine Aktion am Ende sogar Arbeitsplätze kosten wird.“ Auch sie befürchtet, dass alles nur der erste Schritt auf dem Weg in eine bargeldose Zukunft ist.

Bessere Kontrolle über die eigenen Ausgaben

„Ich persönlich zahle wenig mit der Scheckkarte und nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt“, betont sie. „Am Ende werden wir zu gläsernen Menschen, die einfach kontrolliert werden können.“ Diese Kontrolle möchte sie lieber selber über ihre Ausgaben haben.

Das sieht Thilo Karbe aus Colbitz ähnlich. „Ich sage, keinen Schritt zurück, es sollte genau so bleiben, wie es jetzt ist“, sagt er. „Sobald die Kleinstmünzen weg sind, geht es dem anderen Geld auch an den Kragen. Ich sehe da eine große Bedrohung für das Bargeld an sich.“

An manchen deutschen Supermarktkassen wird auf Wunsch schon gerundet. Anstatt sich das Wechselgeld centgenau auszahlen zu lassen, können Kunden es runden lassen und Kleinstbeträge spenden.

Belgien hat das Runden schon zum Gesetz gemacht: Seit Anfang Dezember 2019 müssen Geschäfte das Wechselgeld auf fünf Cent auf- oder abrunden. Bezahlen können Kunden aber nach wie vor mit Ein- und Zwei-Cent-Münzen.

In Holland gibt es eine ähnliche Regelung. Seit 2004 haben Ladenbesitzer dort offiziell die Möglichkeit, den Gesamtbetrag zu runden. Aus beispielsweise 9,98 werden so 10 Euro, statt 2,87 bezahlt der Kunde 2,85 Euro. Viele Geschäfte kassieren nach dieser Regelung. Sie müssen jedoch durch Aufkleber am Eingang oder an Kassen eindeutig auf diesen Umstand hinweisen.

In Holland ist dies kein Gesetz, sondern eine Absprache von verschiedenen Interessensverbänden unter Vorsitz der Nederlandsche Bank. In beiden Ländern geht es offiziell darum, den Einzelhändlern die Arbeit zu erleichtern. EU-weit könnten die Kleinstmünzen erst abgeschafft werden, wenn dies auch von der EU so beschlossen wird.