Traditionsunternehmen hofft nach Schuldenschnitt auf einen Neuanfang

Colbitzer Heide-Brauerei meldet Insolvenz an

Von Burkhard Steffen

Die Colbitzer Heidebrauerei hat am Dienstag Insolvenz angemeldet. Geschäftsleitung und Insolvenzverwalter erhoffen sich, dass das traditionsreiche Unternehmen erhalten werden kann.

Colbitz l Schon lange machten Gerüchte die Runde, dass die Heidebrauerei aufgeben muss. Die bestätigten sich jetzt. "Wir haben am Dienstag beim Amtsgericht Magdeburg den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt", teilte Geschäftsführer Christian August am Mittwoch mit.

"Mit den umfangreichen Sanierungsinstrumenten der neuen Insolvenz- ordnung hoffen wir, das in wirtschaftliche Schieflage geratene Unternehmen sanieren zu können", sagt Christian August optimistisch.

Damit teilt er die Meinung von Rechtsanwalt Udo Müller, den das Amtsgericht Magdeburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt hat. "Das Insolvenzrecht bietet für eine Unternehmenssanierung inzwischen hervorragende Möglichkeiten", so Udo Müller, "die traditionsreiche Colbitzer Brauerei hat eine etablierte Marke und ist insbesondere in den neuen Bundesländern gut positioniert. Es sind überwiegend moderne Produktions- und Abfüllanlagen vorhanden. Diese Faktoren können im Sanierungsprozess von Vorteil sein."

Mitarbeiter bekommen drei Monate Insolvenzgeld

Die 14 Mitarbeiter der Heidebrauerei wurden am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung über die Insolvenz informiert. Sie bekommen jetzt drei Monate Insolvenzgeld.

Geschäftsführer Christian August ist optimistisch, dass in Colbitz bald wieder Bier gebraut werden kann. "Unsere Brauerei hat trotz des schwierigen Marktumfeldes viele treue Kunden. Die ersten Reaktionen des Groß- und Einzelhandels zeigen, dass die Nachfrage nach unseren Bieren unvermindert fortbesteht."

Als Ursache für die Probleme sieht Christian August "den zunehmenden Wettbewerbs- und Preisdruck der weltweit agierenden Brauereikonzerne und deren Bestreben, den Markt auf wenige Teilnehmer zu konzentrieren".

"Wir konnten die stetig angestiegenen Produktions- und Absatzkosten nicht mehr an den Endverbraucher weitergeben. Somit waren wir auch nicht mehr in der Lage, die überwiegend noch aus den 90er Jahren in Folge umfangreicher Investitionen stammenden Altverbindlichkeiten zu bedienen", so August.

Anlagen wurden für etwa acht Millionen Euro modernisiert

Das traditionsreiche Unternehmen feierte erst im Sommer dieses Jahres sein 140-jähriges Bestehen. Es war 1872 von Friedrich-Christoph Ritter gegründet worden. Bis 1959 war die Brauerei in Familienbesitz. Dann folgte zunächst eine staatliche Beteiligung und schließlich am 14. Februar 1972 die Verstaatlichung. Am 1. Juni 1991 wurde die Brauerei an Claus Niemer, den Urenkel des Firmengründers, rückübereignet.

Mit einem Aufwand von umgerechnet etwa acht Millionen Euro, darunter Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt, sanierte Niemer die Brau- und Abfüllanlagen. Bis auf das Sudhaus entstand somit eine moderne Brauerei.

Sie ist für eine Produktionskapazität von 100000 Hektolitern konzipiert. Die zwölf Gär- und Reifebehälter verfügen über ein Fassungsvermögen von je 53000 Litern. Zu den 14 Mitarbeitern zählen auch zwei Auszubildende.