Wolmirstedt l Retter und Polizisten müssen sich derzeit ganz streng an die Vorgaben des Landes halten. Für alle Tätigkeiten gibt es vorgeschriebene Abläufe, das gilt vom Schutzmann über die Rettungsdienste, die freiwilligen Feuerwehren bis hin zu den Notfallseelsorgern.

So müssen auch die Polizisten revierintern einen Sicherheitsabstand von anderthalb Metern einhalten. „Ist das nicht möglich, dann kommt ein Mund-Nasenschutz zu Einsatz“, versichert der Pressesprecher des Polizeireviers, Matthias Lütkemüller. „Das gilt bei Fahrten mit den Einsatzwagen und beim Betreten von Räumlichkeiten.“ Die entsprechenden Verbrauchsmittel seien nach dem jetzigen Stand im ausreichenden Maß vorhanden. Die Beamten können auf sogenannte OP-Masken, aber auch bei Bedarf auf filtrierte Masken zurückgreifen. „Die kommen zum Einsatz, wenn es geboten ist“, unterstreicht der Pressesprecher. „Damit sind eventuelle Verdachtsfälle auf Corona gemeint.“ Polizisten bieten sogar den Menschen OP-Masken an, wenn sich nicht ein entsprechender Sicherheitsabstand einhalten lässt.

Guter Versorgungsstand

Bei den vier Wehren der Stadt Wolmirstedt herrscht ebenfalls ein guter Versorgungsstand in Sachen Verbrauchsmittel, versichert Stadtwehrleiter Michael Langrock. „Die Stadt hat im Vorfeld der jetzt gültigen Verordnungen für Nachschub gesorgt, sodass wir normal arbeiten können.“

Das Tragen einer Maske ist beim Einsatz nicht vorgeschrieben, aber durchaus erlaubt. In einigen Fällen könne sie aber hinderlich sein. Verwendet werden sie bei einem begründeten Verdacht. „Das trifft auf Tragehilfen oder dergleichen zu“, erläutert Langrock. „Ansonsten ist bei den Einsätzen gar so etwas wie Wiedersehensfreude zu bemerken, denn die Kameraden halten sich an das strikte Kontaktverbot.“

Für den Einsatz der Rettungsdienste von der Wache in Wolmirstedt aus gelten klare Vorgaben des Landkreises. Das bestätigt Marko Trenkler, Leiter Rettungsdienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). „Es gibt eindeutige Absprachen mit dem Landkreis, die auch entsprechend kommuniziert werden“, sagt er. „Zu Beginn der Corona-Krise gab es schon einige Unsicherheiten bei den Kollegen vor Ort. Die sind aber durch klare Vorgaben ausgeräumt worden.“

Kontakt aufnehmen

Beim Einsatz nimmt zunächst der jeweilige Teamführer Kontakt zu den betroffenen Personen auf. Der Teamführer ist durch eine einfache OP-Maske geschützt. Besteht ein Virusverdacht, ziehen sich die Teams kurz zurück und kleiden sich in entsprechende Schutzsachen. „Dabei handelt es sich beispielsweise um Schutzkittel und echte Atemschutzmasken vom Typ FFP 2 oder FFP 3“, sagt der Einsatzleiter. „Wobei die Anschaffung mittlerweile finanziell aufwändiger geworden ist.“ So hatten die in Wolmirstedt stationierten Rettungsdienste wie ASB und Johanniter bislang etwa 20 bis 50 Cent pro Stück beim Erwerb aufzubringen. Mittlerweile sind die Kosten enorm angestiegen und liegen bei zwei bis sieben Euro.

Ein verstärkter Einsatz von Notfallseelsorgern ist bei den Beamten wie den Rettern nicht zu verzeichnen gewesen. „Wir arbeiten im Bedarfsfall mit dem Kriseninterventionsstab der Notfallseelsorge Börde Nord zusammen“, erzählt Marko Trenkler. „So lassen wir auch unsere Mitarbeiter von diesen Profis betreuen. Denn es gibt schon Einsätze, die der eine oder andere verdauen muss.“ Seelischer Beistand sei dann wichtig. Gehäuft sei das in letzter Zeit aber nicht notwendig gewesen.

Die zwölf aktiven Notfallseelsorger im Bereich Börde Nord, Träger ist der Kirchenkreis Haldensleben/Wolmirstedt, haben in diesem Jahr bereits elf Einsätze absolviert. Sie bekommen die notwendige Ausstattung zur Verfügung gestellt, übrigens seit drei Jahren auch vom Landkreis Börde. So kommen Mund- und Nasenschutz, Desinfektionsmittel und Handschuhe zum Einsatz. Das geschieht im Normalfall zur Unterstützung der Polizei bei der Überbringung einer Todesnachricht.

Telefonseelsorge nutzen

„Im Falle einer Quarantäne sollte die Möglichkeit der Telefonseelsorge von den Betroffenen genutzt werden“, sagt Pfarrer Johannes Könitz aus Barleben als Teamleiter. „Natürlich ist auch bei uns die Frage diskutiert worden, ob wir als Notfallseelsorger in die Wohnungen von Menschen, die sich in Quarantäne befinden, hinein dürfen.“ Das machen die zwölf Aktiven nicht, daher das Angebot am Telefon. Die Zahl der Einsätze hat sich seit den Anti-Corona-Maßnahmen nicht erhöht.

„Allerdings haben die Menschen in diesen Zeiten mehr Angst und Sorgen“, fügt Könitz hinzu. „Und das sage ich jetzt als Pfarrer. Denn als Seelsorger bin ich ja sowieso für sie da.“ So rufen die Menschen meist vormittags bei dem Geistlichen an und es entspinnen sich oft Gespräche, die zehn Minuten oder gar einmal eine halbe Stunde dauern können. „Da ist das gefühlte Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden, dazu kommen die privaten wirtschaftlichen Umstände“, berichtet er. „Den Leuten fällt teilweise die Decke auf den Kopf und sie kommen langsam an ihre Grenzen.“ Wobei auf den Dörfern die aufgebauten Netzwerke aus Freunden und Familienangehörigen gut funktionieren.

„Die Menschen öffnen sich am Telefon schneller und ja, die Anrufe sind gerade in dieser Zeit sehr viel mehr geworden“, bestätigt Johannes Könitz. „Wir bekommen aber auch für die Notfallseelsorge im Bereich Börde Nord bereitwillige Unterstützung durch Privatpersonen und Firmen.“