Wolmirstedt l Regine Albrecht strahlt. „Unter all diesen Umständen ist der Schulbetrieb sehr gut angelaufen.“ Die Schulleiterin der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ zeigt sich beeindruckt von der Ruhe und Disziplin, mit der die Mädchen und Jungen der zehnten Klassen in die Schule zurückgekehrt sind. „Alle haben einen Mundschutz getragen und sich in gebührendem Abstand zueinander bewegt.“ Selbst in den Pausen habe niemand die Köpfe zusammengesteckt, alle haben den Mindestabstand gewahrt. „Außerdem hatte ich das Gefühl, dass sich die Schülerinen und Schüler gefreut haben, einander wiederzusehen.“

Das bestätigt Aaliyah Schmieder. Die 16-jährige sitzt in der ersten Reihe und ist froh, nicht mehr auf sich alleine gestellt zu sein. „Mir ist zu Hause schon die Decke auf den Kopf gefallen.“ Die Aufgaben habe sie lösen können und sei die ganze Zeit über von den Lehrerinnen und Lehrern gut unterstützt worden. „Meine Fragen wurden innerhalb von zehn Minuten beantwortet.“ Trotzdem: Aaliyah hat gespürt, wie wichtig der direkte Austausch in der Schule ist, wie wichtig es ist, dass Lehrer den Unterrichtsstoff strukturieren. Nun bereitet sie sich auf die Abschlussprüfungen vor.

Eigener Platz im Raum

Die beginnen in den Sekundarstufen am 11. Mai, besonders Mathe, Deutsch und Englisch stehen bis dahin im Fokus. Damit sich die Mädchen und Jungen auf den Stoff konzentrieren können, wurde jedem ein eigener Platz im Raum zugewiesen. Weder die Räume noch die Plätze werden in den nächsten Wochen gewechselt, auch keine Stifte gemeinsam genutzt oder ausgetauscht. In jedem Raum lernen höchstens acht Schüler, die Pausen sind zeitlich gestaffelt, sodass sich immer nur eine Gruppe auf dem Schulhof befindet.

Die konkreten Regelungen wurden in den vergangenen Tagen von der Schulleitung festgelegt. „Wir haben alles getan, damit dieser besondere Schulstart gelingt.“ Ein bisschen mehr Unterstützung hätte sich das Gutenberg-Team allerdings von außen gewünscht. Ein bisschen mehr Desinfektionsmittel vom Landkreis zum Beispiel. Regine Albrecht zeigt einen Korb, im dem gerade vier Sprühflaschen stehen. Eine fünfte wurde bereits im Eingangsbereich aufgestellt.

Auch die Schülerbeförderung läuft nicht optimal. Die Busse fahren derzeit nach dem Ferienfahrplan. Das bedeutet für einige Schülerinnen und Schüler, dass sie umsteigen müssen oder nicht pünktlich zum Unterricht kommen. „Gerade jetzt wäre es wichtig, dass die Schüler nicht verschiedene Verkehrsmittel für ihren Schulweg nutzen müssen“, ärgert sich die Schulleiterin. Sie hätte sich mehr Entgegenkommen im Sinne der Abschlussklassen gewünscht. Die Busse fahren erst ab Montag, 4. Mai, wieder nach dem gewöhnlichen Fahrplan.

Mund und Nase bedeckt

Das Tragen eines Nasen- und Mundschutzes wird in der Schule empfohlen, ist aber keine Pflicht. Aaliyah und die anderen Gutenberg-Schülerinnen und Schüler haben zwar Mund und Nase bedeckt, gestehen aber auch, dass es auf die Dauer schwierig sei, Luft zu bekommen.

In der Gemeinschaftschaftsschule „Gottfried Wilhelm Leibniz“ wurde während des Unterrichts auf diese Art der Gesichtsbedeckung verzichtet. „Wir haben in den Räumen die Abständezueinander eingehalten“, sagt Schulleiter Ingolf Berg. Sollten sich die Schülerinnen und Schüler mehr als anderthalb Meter annähern, haben alle einen Schutz dabei und können ihn bei Bedarf einsetzen. Die Mädchen und Jungen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, benötigen so eine Schutzmaske ohnehin, denn mit dem Schulbeginn für die Abschlussklassen wurde in Sachsen-Anhalt auch die Mundschutzpflicht beim Einkaufen sowie in Bus und Bahn eingeführt.

Auch im Gymnasium kamen einige mit dem Mund-Nasenschutz in die Schule, während des Unterrichts trugen längst nicht alle diese Bedeckung. Doch auch bei den Kurfürsten wurde auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand geachtet. Nahezu alle Schülerinnen und Schüler der zwölften Klassen waren erschienen und werden sich nun zusammen mit den Lehrern auf die Abiturprüfungen in kleinen Klassenverbänden vorbereiten.

Besondere Bedeutung

Die bevorstehenden Prüfungen unter Corona-Bedingungen geben dem Gebäude der ehemaligen Harnisch-Schule eine besondere Bedeutung. Dort werden die Abiturprüfungen geschrieben, lediglich in Fächern wie Chemie, in denen Fachkabinette benötigt werden, werden die Prüfungen am Stammhaus abgenommen.

Das Gebäude der ehemaligen Harnisch-Schule bleibt auch für die Gutenberg-Schule interessant. Ab dem 4. Mai werden nämlich auch die vierten Klassen sowie 135 Schülerinnen und schüler der neunten Klassen zurückkehren. Somit wächst der Raumbedarf, denn auch die Grundschüler müssen im Unterricht den Abstand einhalten können.

Auf Prüfungen vorbereiten

Auch in der Fachschule für soziale Berufe hat am Donnerstag wieder der Präsenzunterricht begonnen. Dort werden 180 Schülerinnen und Shüler in sieben Abschlussklassen auf ihre Prüfungen vorbereitet. Das erforderte vom Lehrerteam großes Engagement. „Neue Konzepte wurden entworfen, Stunden-beziehungsweise Tagespläne entwickelt, Zeitstrukturen, Kompetenzraster...“, zählt Schulleiterin Grit Schillack auf. Da ab dem 4. Mai auch die Klassen zurückkehren, die im kommenden Jahr den Berufsabschluss erreichen wollen, wird weiterhin an einem Konzept gefeilt, das aus der Mischung von Fern- und Präsenzunterricht besteht.

Aaliyah Schmieder aus der Gutenberg-Schule stürzt sich jedenfalls in die Prüfungsvorbereitung. Ist sie optimistisch, dass sie auch unter Corona-Bedingungen gut abschneidet? Die Augen des Mädchens lächeln. „Ja, bin ich.“