Klein Ammensleben l Seit Tagen ist ein Zwei-Mann-Team mit Arbeiten am Dach der Sankt-Mauritius-Kirche in Klein Ammensleben beschäftigt. Dieses macht dennoch einen desolaten Eindruck. Gut ein Drittel der Fläche ist zwar mit neuen Ziegeln gedeckt. Über dem großen Rest der Sparren allerdings wurden dunkle Plastikbahnen gespannt. „Damit ist die Dachsicherung erfolgt. Ende nächsten Jahres, so hoffen wir alle, werden die Dacharbeiten beendet sein“, erklärt Pfarrer Thomas Wolter auf Volksstimme-Nachfrage.

Pfusch am Bau bereits vor 300 Jahren

Offenbar hat das Landesverwaltungsamt in Halle noch immer nicht die so dringend benötigten Fördermittel freigegeben. Zu den Hintergründen wollte sich der Pfarrer gegenüber der Volksstimme nicht näher äußern. Nur so viel: „Wir stehen in massiven Verhandlungen und es sieht gut aus.“ Im nächsten Jahr könnten die Arbeiten am Dach fortgesetzt und beendet werden. Die Gelder – mehr als 100 000 Euro - stammen eigentlich von der Lokalen Aktionsgruppe Colbitz-Letzlinger Heide. Vor mehr als einem Jahr waren sie symbolisch übergeben worden.

Doch das Engagement um den Erhalt des altehrwürdigen Sakralbaus inmitten Klein Ammenslebens reicht viel weiter. Denn ursprünglich sollte zuerst nur der Turm umfassend saniert werden, bevor die marode Dachkonstruktion der Kirche entdeckt wurde. Planer hatten herausgefunden, dass eine Zwischendecke eingezogen werden muss, um die Statik des Turmes zu retten.

Dieses Ziel rückte erst einmal in die Ferne, denn andere Baustellen wurden wichtiger, Risse in den Wänden wurden größer und größer. Der Grund war schnell gefunden. Die Südseite des Kirchenschiffes driftet zunehmend nach außen. Nach Kernbohrungen durch die breite Wand hatten Fachleute auch die Ursachen dafür gefunden. Eine davon: Eine schmale Innenmauer, eine schmale Außenmauer und dazwischen eine Füllung mit verschiedenen Materialien lassen das Bauwerk massiver erscheinen als es eigentlich ist. Analysen haben ans Tageslicht gebracht, dass Salze an den Grundfesten der Kirche, die aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts stammt, nagten.

So wurde vermutet, dass die Klein Ammensleber eventuell ihr Gotteshaus teilweise mit dem Abrissmaterial alter Ställe erbauten. Dieser „Pfusch am Bau“ vor 300 Jahren fällt nun den Nachfahren auf die Füße.

Daraufhin sammelte die Kirchengemeinde mehr als 10 000 Euro an Spendengeldern und beantragte Fördermittel. Dann konnte die Maßnahme starten. Im Frühjahr 2017 waren die Kirchenbänke demontiert, katalogisiert und im Chorbereich sicher gelagert worden. Dann rückten die Fachgewerke an. Damals war davon ausgegangen worden, dass die ersten Bauabschnitte bis zum Winter 2017/2018 der Vergangenheit angehören. Seither können die evangelischen Christen aus Klein Ammensleben ihre Kirche nicht für Gottesdienste nutzen. Innerhalb des Kirchspieles müssen sie nach Gutenswegen oder Groß Ammensleben ausweichen.

Doch noch im Sommer 2017 mussten die Arbeiten bis auf weiteres unterbrochen werden, weil die während der Bauphase entdeckten Schäden immer mehr und immer größer wurden.

Doch es gab auch eine erfreuliche Nachricht für die Klein Ammensleber: Ein Sachverständiger hatte sich die beiden Glocken im Kirchturm angesehen und bescheinigt, dass es sich um zwei über 500 Jahre alte Schönheiten aus Bronze handelt. Diese sind noch so gut erhalten, dass sie nicht repariert werden müssen – dafür aber ihr Umfeld. So sollen die Aufhängung saniert und die Klöppel im Inneren des Klangkörpers ausgetauscht werden. Außerdem sollen die Glocken um einige Grad gedreht werden, um ihren vollen Klang entfalten zu können.

Spendenaktion läuft weiter

So ist die Kirche zwar mit einer langen Aufgabenliste behaftet. Pfarrer Thomas Wolter indes wünscht sich für die Klein Ammensleber, dass sie irgendwann wieder Gottesdienst in ihrer eigenen Kirche abhalten können. Um diesem Ziel näher zukommen, erinnert er an die vor zweieinhalb Jahren gestartete Spendenaktion. „Die läuft nämlich noch immer“, sagt der Pfarrer.

Die Kirchengemeinde hatte damals zum Puzzeln aufgerufen. Jedes Teil kostet mindestens 50 Euro, dann wird der Name des Spenders auf einem Kreuz verewigt. Über 200 der kleinen Schnipseln sind schon verkauft, das erste Bild ist fertig. Es zeigt die Außenansicht der Kirche. Auf der Leinwand daneben kleben schon weitere Teile.