Wolmirstedt l Die Geschichte von Otto Hallmann war erst kürzlich in der Volksstimme zu lesen, und sie hat eine Diskussion ausgelöst. Der Wolmirstedter hatte die Stadt zum Kriegsende 1945 vor einem schlimmen Schicksal bewahrt. Als Lokführer steuerte er einen Zug, der mit 150 V1-Raketen beladen war, aus der Stadt hinaus. Damit verhinderte er eine im Wolmirstedter Bahnhof geplante Sprengung, die große Teile der Stadt zerstört hätte.

Stadtrat diskutiert

Dass es eine entsprechende Ehrung geben soll, darin sind sich viele Wolmirstedter einig. Hallmanns Enkel Detlef Rademacher war mit der Idee schon im Vorfeld der Diskussion an die AfD-Stadtratsfraktion herangetreten. Diese hat daraufhin eine Vorlage eingebracht, die schon bei der nächsten Stadtratssitzung vorgestellt werden soll. Vorgeschlagen wird darin die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in Otto-Hallmann-Platz. Die Volksstimme hat sich am Donnerstag in der Stadt umgehört, das Ergebnis ist eindeutig: Der Gedanke, Otto Hallmann einen Platz zu widmen, wird von den Bürgern begrüßt. Es gibt sogar weiterführende Vorschläge. So wird etwa ein Gedenkstein befürwortet, aber sogar ein Denkmal mit Büste können sich die Wolmirstedter vorstellen.

Grundsätzlich begrüßt wird auch ein Vorschlag der Fraktion SPD/Linke/Grüne. Dabei geht es darum, neu zu bauende Straßen nach historischen Persönlichkeiten oder verdienten Bürgern zu benennen. Vorgebracht hat diese Idee Fraktionsmitglied Jörg Bonewitz. Ihm geht es speziell um das künftige Baugebiet auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses. Dort sollen möglichst Namen bekannter Mediziner, die hier einst tätig waren, als Straßennamen verewigt werden.

Ins Gedächtnis eingegraben

Das kommt bei den Bürgern an, spontan fallen Namen, die sich tief in das Gedächtnis eingegraben haben. So habe der Obermedizinalrat Dr. med. Georg Aldinger diese Ehre verdient, findet die Ur-Wolmirstedterin Heidrun Schulze. Aldinger hatte das Krankenhaus nach dem Krieg übernommen. Auch Dr. Otto Retzlaff wurde von Heidrun Schulze genannt. Auch Medizinalrat Ernst Riemann, der in den 70er Jahren die Krankenhausleitung übernahm und sie bis zum Schluss inne hatte, wurde immer wieder hervorgehoben. Riemann hatte bei der Eröffnung der Krankenhaus-Sonderausstellung im Wolmirstedter Museum die Eröffnungsrede gehalten und erfreut sich noch heute bester Gesundheit. „Es gibt keinen Grund, warum nicht schon jetzt eine Straße nach ihm benannt werden sollte“, äußerte sich eine Wolmirstedterin. Riemann hatte seinerzeit bei einem Besuch in der BRD Geldspenden gesammelt, um ein Ultraschallgerät anzuschaffen. Das brachte er auch gleich nach Wolmirstedt mit.

Gisa Ginapp aus Wolmirstedt kennt die Geschichte nur zu gut, sie hat lange im Krankenhaus gearbeitet. „Ich finde die Idee absolut in Ordnung“, sagt sie. „Die Menschen in unserer Stadt hatten eine ganz enge Verbindung zu dem Krankenhaus, zu den hier tätigen Medizinern und dem Personal.“ Es sei schade, dass es abgerissen wurde und heute nur noch eine verwilderte Freifläche zu sehen ist. Jörg Bonewitz, der sogar ein Buch über das ehemalige Krankenhaus geschrieben hat, ist ganz erfreut über die Reaktionen der befragten Wolmirstedter. „Das Thema Krankenhaus ist für die Menschen hier bei uns immer noch aktuell“, sagt er. Das sei schon bei der Sonderausstellung zu beobachten gewesen. Bonewitz muss es wissen, ist er doch Mitarbeiter im städtischen Museum. Zum möglichen Otto-Hallmann-Platz hat er schon jetzt eine klare Meinung. „Man kann sich diesem Antrag anschließen, da er eine gute Idee darstellt“, sagt er. „Den Bahnhofsvorplatz halte ich für eine gute Wahl.

Verbunden mit der Stadt

Die Wolmirstedter haben auch noch andere Größen der Stadt im Gedächtnis bewahrt. So fiel der Name von Günter Oelze immer wieder. „Das finde ich besonders toll“, sagt Bonewitz. „Er war Lehrer, Buchautor sowie Herausgeber und hat sich ein Leben lang für den Sport in seiner Heimatstadt eingesetzt.“ Beim SV Kali feiert man schon jetzt das Günter-Oelze-Sportfest. Die Besinnung auf die Traditionen findet Matthias Ebert aus Elbeu gut. „Das muss nichts Schlechtes sein“, sagt er. „Im Gegenteil, das erhöht die Verbundenheit der Menschen mit der Stadt.“

Jörg Bonewitz will sich für einen Bürgerdialog stark machen. „Die Einwohnern sollten weitere Vorschläge öffentlich einbringen und mitbestimmen können.“