Wolmirstedt. Geht es nach dem Willen der Aktionsgruppe, soll die Stadt noch viel mehr profitieren. Es gibt Raum für Ideen. Die Europäische Union ist nicht so weit weg, wie es manchmal scheint, sondern hat sogar ein Interesse daran, den ländlichen Raum zu fördern und dazu zählt auch die Region Wolmirstedt. Wer gute Ideen hat, kann dafür eine Menge Geld bekommen. Es gibt bereits Projekte, bei denen dieses Geld gut angelegt ist.

Europa steuert einiges an Geldern bei

Eine dieser Erfolgsgeschichten (von der Corona-Schließung abgesehen) ist die Kaffeemühle in Elbeu, die mit Hilfe europäischer Gelder ausgebaut wurde. Aber auch der Turm der Katharinenkirche konnte mit Hilfe der Europäischen Union neu gedeckt werden. Das nächste große Projekt wird der Umbau des Bahnhofsgebäudes sein. Da steuert Europa 350 000 Euro bei.

Doch wie landen europäische Gelder in Gemeinden wie Wolmirstedt? Darum kümmern sich unter anderem Lokale Aktionsgruppen. Sie dürfen für ihre Region Geld verteilen, das stammt aus einem europäischen Programm, das den Namen Leader trägt. Wolmirstedt gehört zur Lokalen Aktionsgruppe „Colbitz-Letzlinger Heide“, zusammen mit Barleben, der Niederen Börde, der Verbandsgemeinde Elbe-Heide und bisher Gardelegen. Für diese Region wurden zwischen 2014 und 2020 rund 2,2 Millionen Euro für 31 Projekte ausgegeben.

Neue Leader-Mittel für die Region

Vorsitzende der Lokalen Aktionsgruppe „Colbitz-Letzlinger Heide“ ist Erika Tholotowsky, die hauptberuflich im Wolmirstedter Rathaus für Kultur und Soziales zuständig ist. Sie hat erfahren, dass die aktuelle Förderperiode um zwei Jahre verlängert wird. Wie viel Geld bis 2022 zur Verfügung steht, will das Finanzministerium im März bekannt geben. Erika Tholotowsky hofft, das die Region um die Colbitz-Letzlinger Heide mit Hilfe neuer Leader-Mittel noch einmal kräftig investiert.

Vor allem Bauvorhaben werden unterstützt. Musterbeispiel kann der Umbau des Bahnhofsgebäudes durch das Bodelschwingh-Haus werden. Die Pläne sind verheißungsvoll. Fahrradwerkstatt, Café, Reisezentrum sollen darin Platz finden, außen soll das Haus schön anzusehen sein und als Wolmirstedts Visitenkarte taugen. Die Vorbereitungen sind getroffen, im Februar wird die Baustelle sichtbar sein.

Bodelschwingh-Haus Bauarbeiten starten bald

Bodelschwingh-Haus-Vorstand Swen Pazina hat gerade eine Bauberatung hinter sich und weiß: „Am 17. Februar wird das Gelände eingezäunt, bis hin zu den Parktaschen.“ Das heißt, dass auch der Bahnhofsvorplatz zum Großteil nicht mehr zur Verfügung steht, die Parkplätze, auf denen kurz gehalten werden kann, um Reisende zu bringen oder abzuholen, hingegen bleiben offen.

Im März sollen Container aufgestellt werden, aus denen heraus Fahrkarten verkauft werden. Im Februar soll der persönliche Fahrkartenverkauf offenbar vorübergehend schließen, der Fahrkartenautomat steht weiter zur Verfügung.

Obwohl der Bahnhof noch im Dornröschenschlaf liegt und bei näherem Hinsehen einen heruntergekommenen Anblick bietet, ziert er das Februarblatt eines Kalenders, den die Lokale Aktionsgruppe „Colbitz-Letzlinger Heide“ für 2021 herausgegeben hat. In jedem Monat wird ein anderes Objekt vorgestellt, das mit Leader-Mitteln zu neuem Leben erweckt wurde oder wird. Auch die Elbeuer Kaffeemühle ist dabei vertreten, das „La Porte“ in Bertingen sowie das Zielitzer Holzhaustheater.

Stadt wartet auf Post von der Investitionsban

Während beim Bahnhof alles in Sack und Tüten ist, wartet die Stadt auf Post von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, denn auch Wolmirstedt hat einen Antrag auf Leader-Mittel gestellt. Wenn nichts dazwischenkommt, werden für das Bürgerhaus auf der Schlossdomäne 313 000 Euro fließen. Das Geld soll dem barrierefreien Ausbau dienen, das heißt, ein Fahrstuhl soll die Etagen verbinden. Dann könnten auch Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, Veranstaltungen im Festsaal oder Schlosskeller ungehindert nutzen.

In der Vergangenheit waren Ältere manchmal zögerlich, solche Veranstaltungen zu besuchen, denn selbst wenn sie die Treppen einmal überwunden haben, so müssen sie beim Gang aufs stille Örtchen erneut treppauf, treppab. Sobald das Fördergeld offiziell bewilligt ist, beginnt die Stadt die Umbauten zu planen.

Neuer Wettbewerb ist in Planung

Doch es soll weitergehen mit dem Leader-Geld. Die Lokale Aktionsgruppe „Colbitz-Letzlinger Heide“ erwägt, einen erneuten Wettbewerb auszurufen, und aus den eingereichten Projekten die geeigneten und förderfähigen auszuwählen. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass die Objekte nach dem Um- oder Ausbau rege genutzt werden. „Die Hülle ist das eine“, macht Leader-Manager Wolfram Westhus deutlich, „aber sie muss mit Leben gefüllt sein. Investruinen werden nicht gefördert.“

Erika Tholotowsky ermuntert, sorgfältig zu planen, denn der Topf ist gut gefüllt. Bis 2027 sollen gar 180 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Sie sieht das Leader-Programm künftig als wichtigstes Instrument, um den ländlichen Raum zu entwickeln.

Dennoch: Europäisches Geld ist kein geschenktes Geld. Es soll helfen, die Region zu entwickeln, viele Menschen sollen profitieren. Und es ist stets ein Eigenanteil fällig, der zwischen zehn und 25 Prozent beträgt.

Auch Wolmirstedts Museum hat Ideen auf Lager

Mit ersten Ideen liebäugelt Wolmirstedts Museum. Auch dort sollen Menschen barrierefrei in die obere Etage gelangen. Daneben könnten die vielen, stets ausgebuchten Führungen und historischen Stadtwanderungen moderner werden. Museumsleiterin Anette Pilz kann sich vorstellen, die Besucher mit Headsets auszustatten, damit die Erklärungen direkt in den Ohren der Besucher ankommen. Vielleicht hilft bei der Verwirklichung die Europäische Union.