Wolmirstedt l Berlin hat seinen Hauptmann von Köpenick – da kann Wolmirstedt auch mit dem falschen Waldemar punkten. So sagt es SPD-Stadtrat Heinz Maspfuhl, der sich schon lange darum bemüht, dieser historischen Figur ein Denkmal zu setzen. Nun gibt es grünes Licht. Die Denkmalbehörde hat erlaubt, an der Schlosskapelle eine Bronzetafel zu befestigen. Auch Geld ist vorhanden. Was fehlt, ist ein würdiger Anlass, zu dem die Tafel mit dem falschen Waldemar enthüllt werden kann. Der wird sich finden. Aber wer ist dieser falsche Waldemar?

Eigentlich ein Betrüger und Hochstapler, der zwei Jahre lang mit seiner Masche Erfolg hatte. Dann wurde er enttarnt. Den Anfang nahm diese Geschichte in Wolmirstedt, im Jahr 1348.

Da soll ein grauhaariger Pilger „vom Frühlingslicht übergossen“ vor der Pforte der Wolmirstedter Burg gestanden haben. Er begehrte Einlass, wollte den Erzbischof Otto von Magdeburg sprechen, der residierte damals in Wolmirstedt. Ein Diener wies den Pilger an, zu warten und brachte einen Becher Wein. Der Graubart trank den Wein und warf einen Siegelring in den geleerten Becher. Diesen Becher brachte der Diener dem Erzbischof. Als Erzbischof Otto den Ring betrachtete, geriet er völlig aus dem Häuschen, sprang auf und schrie den Diener an: „Herein mit ihm – herein!“ Er hatte den Siegelring des Markgrafen Waldemar von Brandenburg erkannt. War der Pilger etwa der Markgraf Waldemar?

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Eigentlich seit 30 Jahren tot

Der war eigentlich schon seit fast 30 Jahren tot. Warum stand er jetzt wieder vor der Tür? Er habe seinen Tod nur vorgetäuscht, erklärte der auferstandene Waldemar, sei einst vor Thron und Ehebett geflohen. Heute hieße das wohl: Er war mal Zigaretten holen...

Das Ende vom Lied: Den Mächtigen kam die Wiederauferstehung sehr zu Pass, Waldemar wurde Markgraf der Nachbarregion, ein willfähriger und guter Partner für Erzbischof Otto und seine Konsorten, bis der Schwindel zwei Jahre später aufflog. Markgraf Waldemar war kein Markgraf. Wie der Pilger an den Siegelring gekommen war ist noch heute ein Rätsel. Der Enttarnte emigrierte nach Dessau, starb acht Jahre nach der Sache mit dem Siegelring. Er wurde beigesetzt, in Ehren, wohlgemerkt.

Warum soll ausgerechnet so ein Schwindler ein Denkmal bekommen? Heinz Maspfuhl schmunzelt. „Solche Geschichten haben sich im Volk verfestigt.“ Er erinnert an Till Eulenspiegel, den Hauptmann von Köpenick, Figuren, die Schlitzohren waren und deren Namen deshalb die Geschichte bis heute überdauern.

Die Geschichte des falschen Waldemar wird oft von den Museumsmitarbeitern bei Führungen zum Besten gegeben und auch deshalb soll es eine gegenständliche Erinnerung geben. Heinz Maspfuhl meint: „Es ist doch attraktiver, diese Geschichte vor einer Bronzetafel zu erzählen, als vor einer leeren Wand.“

Der Platz für die Bronzetafel ist von der Denkmalbehörde genehmigt. Sie soll neben dem längst zugemauerten Torbogen angebracht werden. Ist das günstig, wo es doch so viel Zerstörung auf der Schlossdomäne gibt? Heinz Maspfuhl hofft auf die Vernunft und auf die Videoüberwachung, die ab dem 1. November in Betrieb geht.

Geld steht schon lange zur Verfügung

Das Geld für diese Tafel steht schon lange zur Verfügung. Es kommt aus dem Spendentopf, der für das Stadtfest angelegt und nicht ganz geleert wurde. Schon der „alte“ Stadtrat, der bis zur Wahl im Ehrenamt war, hatte der Ausgabe für die Tafel zugestimmt. Zumal die Tafel bereits im Juni zur 1010-Jahrfeier Wolmirstedts feierlich enthüllt werden sollte. Doch da lag die Genehmigung der Denkmalbehörde noch nicht vor.

Auch wenn Heinz Maspfuhl nun den Stein ins Rollen gebracht hat, er ist nicht der erste, der sich so eine Bronzetafel für Wolmirstedt gewünscht hat. Schon vor zehn Jahren, zur 1000-Jahrfeier der Stadt, im Jahr 2009, gab es eine Initiative des ehemaligen Museumsleiters Werner Schierhorn. Der wollte ebenfalls so eine Tafel auf der Schlossdomäne etablieren, dann fertigte die Barleber Künstlerin Astrid Weinhold sogar den Entwurf für eine Plastik, die am Ortseingang aufgestellt werden sollte. Doch dieser Entwurf fiel bei Stadträten und in der Bevölkerung durch. Dann wurde es um die Waldemar-Geschichte still.

Als Werner Schierhorn nun erfuhr, dass es nun doch eine Bronzetafel gibt, freute er sich riesig. „Ich sehe meine Bemühungen von damals belohnt.“ Ihm ist es wichtig, die Stadtgeschichte zu bewahren und sichtbar zu machen, besonders auf der Schlossdomäne.

Die Herstellung der Bronzetafel kann nun beauftragt werden. Die Szene, in der der Pilger den Siegelring in den Weinbecher des Dieners fallen lässt, soll als Relief erscheinen, daneben eine kurze Zusammenfassung als Text. Der Abriss wurde schon vor langer Zeit vom Museum abgenickt. Die Tafel wird etwa 60 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch sein.

Noch fehlt der Anlass, diese Tafel zu enthüllen. Das wird demnächst mit der Bürgermeisterin Marlies Cassuhn, der Verwaltung und dem Stadtrat abgestimmt. Heinz Maspfuhl möchte am liebsten ganz viele Bürger dabei haben, weil er hofft, dass sich viele Wolmirstedter mitfreuen.