Samswegen l Gerade einmal zwei Monate ist der 17-jährige Francisco in Deutschland und beherrscht die Sprache bereits ziemlich gut. Das liegt nicht zuletzt an seiner Gastmutter Corina Siewert, die klarmacht, worauf es in erster Linie ankommt: „Das Wichtigste ist Sprechen, Sprechen, Sprechen! Nur so kann man sich kennenlernen und verhindern, dass sich die Kinder zurückziehen“, sagt die Samswegerin. Corina Siewert hatte durch eine Kollegin von dem Verein AFS erfahren und bereits im vergangenen Jahr einen Jungen aus Argentinien zeitweise aufgenommen. So war es für sie keine Frage, als der junge Francisco eine Unterkunft suchte.

Einziges Problem: Im August erwartet Corina Siewert bereits einen Austauschschüler aus Mexiko und kann nur bis dahin das Zimmer für Francisco zur Verfügung stellen. Deshalb sucht sie nun nach einer Familie, die ihn aufnehmen kann. „Jeder kann einen Gastschüler aufnehmen, eine Familie, gleichgeschlechtliche Paare, aber auch alleinstehende Personen“, sagt sie. „Einzige Voraussetzung ist, dass man sein Haus und sein Herz für das Kind öffnet.“ Die Familie müsse nicht unbedingt im Landkreis Börde wohnen, auch wenn es Francisco am Wolmirstedter Gymnasium gut gefalle. Generell ist der 17-Jährige sehr interessiert an deutscher Kultur. „Meine Vorfahren kommen aus Deutschland, deswegen habe ich mich auch für dieses Ziel in Europa entschieden“, erzählt er. Bis zum 17. Januar bleibt er noch in Deutschland und sucht bis dahin nun eine neue Unterkunft. „Anfang August wäre schön, dann könnte er sich noch an die Familie gewöhnen, bevor die Schule wieder losgeht“, sagt Corina Siewert.

Erfahrung "unbezahlbar"

Francisco helfe sehr gut im Haushalt und nehme auch aktiv am Familienleben teil, berichtet sie. „Er geht sogar schon alleine einkaufen oder fährt selbstständig mit dem Bus nach Magdeburg“, sagt die Samswegerin. Vor Ort bleibe sie Ansprechpartnerin. „Wenn Francisco ein Problem hat oder seine neue Familie, bin ich jederzeit für sie da“, versichert sie. Sie sei seit kurzem Gastfamilienberaterin des AFS.

Auch wenn es kein Geld für die Aufnahme eines Austauschschülers gibt, empfiehlt Corina Siewert jedem diese Erfahrung. „Sie ist einfach unbezahlbar. Wir sind allein durch Francisco schon viel lockerer geworden, so nimmt jeder etwas von der jeweils anderen Kultur mit.“ Neben der Schule hat Francisco auch zahlreiche Hobbys. Er spielt Fußball, Basketball und Tennis. Außerdem ist er begeisterter Gitarrist. „Wir setzen uns oft zusammen und Francisco spielt uns etwas vor“, sagt Corina Siewert.

Über Skype hält Francisco Kontakt zu seinen Eltern. Heimweh habe er nicht, sagt er. Durch die Teilnahme am Alltag hat er dazu auch kaum Zeit. Er hilft in der Küche und im Garten mit. „Das Wichtigste ist, dass man den Austauschschülern sagt, was sie tun sollen. Man darf nicht denken, dass sie von selbst auf etwas kommen müssten“, sagt Corina Siewert. Francisco brauche nicht viel, nur ein Zimmer mit Bett und Schrank, den Rest bringe er mit. Auch mit Haustieren hat er keine Probleme. Die Siewerts haben selbst eine Katze, um die er sich mit kümmert.