Knochenmarkspende

Feuerwehr aus Glindenberg sucht nach Knochenmarkspender für Kameraden

„Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein ...!“ so wird bereits seit vielen Jahren für die Aufnahme von Personendaten in die Stammzellenspenderdateien geworben. Nachdem in Glindenberg ein Feuerwehrmann an Leukämie erkrankt ist, wurde auch hier die Werbetrommel gerührt. Allerdings ging man einen ungewöhnlichen Weg und plötzlich hieß es: „Fenster auf, Stäbchen rein, Spender sein ...!“

Von Tom Wunderlich
Fenster auf, Stäbchen rein, Spender sein: Kathleen Bünsch führt die Typisierung bei Student Maximilian Männe durch. 100 potenzielle Spender sind am Samstag nach Glindenberg gekommen.
Fenster auf, Stäbchen rein, Spender sein: Kathleen Bünsch führt die Typisierung bei Student Maximilian Männe durch. 100 potenzielle Spender sind am Samstag nach Glindenberg gekommen. Foto: Tom Wunderlich

Glindenberg - Ohne lange zu Zögern lenkt Maximilian Männe seinen kleinen roten Flitzer vor das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Glindenberg und stellt den Motor ab. Dort, wo halten und parken normalerweise strengstens verboten ist, ist das Anhalten heute ausdrücklich erwünscht. „Jeder, der heute hier kurz ranfährt, ist für uns ein Gewinn“, erklärt Kathleen Bünsch überzeugt. Sie arbeitet für das Deutsche Rote Kreuz und unterstützt die Glindenberger Feuerwehr sowie ein Team der Magdeburger Universitätsklinik bei einer wichtigen Mission. Das Ziel: potenzielle Spender für die zentrale Stammspenderdatei registrieren.

Die Sache hat einen ernsten Hintergrund, denn ein Glindenberger Feuerwehrmann ist schwer erkrankt. „Unser Kamerad Heinz Klang ist lebensbedrohlich an Leukämie erkrankt und braucht dringend eine Knochenmarkspende“, erklärt Wehrleiter Andy Opitz. Seit über einem Jahr kämpfen er und die Ärzte gegen den Krebs, nach Chemotherapien und anderen Behandlungen ist klar: Er braucht dringend eine Knochenmarkspende. „Deshalb haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit wir unserem Heinz helfen können. Auch wenn aus dieser Typisierungsaktion fast nichts geworden wäre.“ Opitz meint damit vor allem die aktuelle Corona-Pandemie. Tatsächlich war bereits für März die Aktion in Glindenberg angedacht. Allerdings verhinderten zu hohe Inzidenz-Werte eine öffentlichkeitswirksame Spenderregistrierung. Mit einer genialen Idee konnte die Aktion doch noch gerettet werden.

Spender-Registrierung im Drive-In

„Wir hatten gar keine so große Hoffnung mehr, dass der Termin zeitnah stattfinden wird“, gibt Professor Hans-Gert Heuft von der Magdeburger Universitätsklinik zu. Allerdings seien die Glindenberger mit der Idee eines Drive-In's an das Team der Blutbank herangetreten. „So hatten potenzielle Spender plötzlich die Möglichkeit, mit ihrem Auto direkt bis zum Test heranzufahren.“ In Zeiten der Corona-Pandemie eine Lösung, um Infektionswege zu unterbrechen. Laut Heuft sei die Typisierung in Glindenberg die erste seit Bekanntwerden des Virus. Davor habe man alle sechs Wochen vor allem an Schulen solche Typisierungen durchgeführt. „Da nicht alle potenziellen Spender mit dem Auto kommen, haben wir auch noch die klassische Teststrecke aufgebaut. Diese wird dann fußläufig abgearbeitet“, so Heuft weiter.

Yannick Rusdorf ist einer dieser Fußgänger. Der 19-Jährige will auf jeden Fall helfen. „Ich will unbedingt etwas Gutes tun und bin heute deswegen hier“, erzählt er. Seine Freundin habe ihn auf den Termin aufmerksam gemacht. Ähnlich sieht es auch bei Maximilian Männe aus. Der Student aus Magdeburg will unbedingt etwas gutes tun. „Ich bin selber bei der Freiwilligen Feuerwehr in Magdeburg und in meiner Heimat und will natürlich gerne einem erkrankten Kameraden helfen“, so Männe. Die Idee mit dem Drive-In gefalle ihm besonders gut, da das nicht nur bequem, sondern auch praktisch im Kampf gegen die Pandemie sei.

Hans-Gert Heuft erklärt Yannick Rusdorf (19) die Verfahrensweise mit dem Stäbchen.
Hans-Gert Heuft erklärt Yannick Rusdorf (19) die Verfahrensweise mit dem Stäbchen.
Foto: Tom Wunderlich

Partnerfeuerwehr hilft bei der Spendersuche

Ebenfalls vor Ort, um die Aktion zu unterstützen, ist auch Ortsbürgermeisterin Gerhild Schmidt. „Ich finde es wirklich klasse, was unsere Feuerwehr hier auf die Beine gestellt hat“, sagt sie. Da nicht jede Person zum typisieren zugelassen sei, sei es aufgrund gesundheitlicher Mängel oder dem Überschreiten des Höchstalters, habe sie Geld gesammelt. Am Samstag übergab sie den Briefumschlag an Wehrleiter Opitz. „Ich war wirklich überrascht, wie viele Personen gekommen sind, um unseren Heinz auch finanziell zu unterstützen. Das ist wirklich super.“ Dem kann Andy Opitz nur zustimmen. „Wir haben wirklich sehr viel Zuspruch erhalten. Auch ortsansässige Firmen hätten unterstützt.

Unterstützung kommt auch aus dem rund 300 Kilometer entfernten Philippsthal. Dort haben die Glindenberger ihre Partnerfeuerwehr. „Etwa 70 Männer und Frauen sind hierher gekommen, um sich registrieren zu lassen“, erzählt Andy Opitz. Das mache einen schon stolz, wenn man sich auf so viele helfende Hände verlassen könne. „Und da Heinz leider nicht persönlich vor Ort sein kann, telefonieren wir heute regelmäßig, um ihn auf dem Laufenden zu halten. Er dankt allen, die sich die Zeit genommen hätten, um sich als Spender registrieren zu lassen.“

Am Ende sind am Sonnabend genau 100 Männer und Frauen in Glindenberg zusammengekommen, um sich als Spender für Heinz Klang registrieren zu lassen.

Wehrleiter Andy Opitz und Professor Hans-Gert Heuft (v. l.) nehmen eine Spende von Florian Wesemann entgegen.
Wehrleiter Andy Opitz und Professor Hans-Gert Heuft (v. l.) nehmen eine Spende von Florian Wesemann entgegen.
Foto: Tom Wunderlich