Wolmirstedt l Der Mittellandkanal spendet unendlich viel Löschwasser. Deshalb nennen ihn Feuerwehrleute im Fachjargon „unerschöpfliche Wasserentnahmestelle“. Diese unerschöpfliche Wasserentnahmestelle war ein Segen, als im April vergangenen Jahres sehr viel Restmüll auf der benachbarten Elbeuer Annahmestelle in Flammen aufgegangen war. Sie war auch Gold wert, als ein Lkw auf der B189 brannte. Flugs hatten die Kameraden den Kanal angezapft und löschten, löschten, löschten... Ihre Schlauchsysteme reichen bei Bedarf sogar für vier Kilometer entfernte Brandherde. Doch woher kommt das Löschwasser, wenn es weitab des Kanals brennt? Ist genug in der Stadt vorhanden?

Für das Löschwasser ist die Stadt verantwortlich. Im Rathaus liegt eine Übersicht vor, in einer Risikoanalyse wurde vor zwei Jahren jede Ecke der Stadt unter die Lupe genommen. Klar ist: Gelöscht wird überall. „Müssen längere Leitungen gelegt werden, sind zunächst die Tanklöschfahrzeuge und Schlauchwagen im Einsatz“, erklärt Frank Schröder, der im Rathaus für die Feuerwehren zuständig ist. Die Feuerwehr bringt in den Autos selbst soviel Wasser mit, dass es genügt, bis eine Leitung zum nächsten Hydranten, Teich oder Brunnen gelegt ist. „Es gibt keine Unterbrechung der Löschwasserversorgung.“

Das bedeutet auch, dass geschlossene Schranken kein Hindernis sind. Brennt es jenseits der Bahnschienen, kommt die Glindenberger Feuerwehr von der anderen Seite gefahren und beginnt mit den Löscharbeiten, bis die anderen dazustoßen können.

Unternehmen müssen Löschwasser vorhalten

Doch zurück zum Löschwasser. Damit die Feuerwehrleute im Ernstfall schnell reagieren, spontan Wasserquellen anzapfen können, machen sich die Kameraden überall mit den speziellen Gegebenheiten vertraut.

„In Glindenberg beispielsweise gibt es viele Brunnen“, weiß Stadtwehrleiter Michael Langrock, „Firmen oder Hotels halten hingegen oft Zisternen vor.“ Große Unternehmen sind verpflichtet, die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Unabhängig davon gewährleistet ein leistungsstarkes Hydrantennetz den Grundschutz überall in der Stadt.

Im Ernstfall bleibt wenig Zeit, sich mit den spezifischen Löschwasserstellen zu beschäftigen, da muss jeder Handgriff sitzen. Deshalb üben Feuerwehrleute immer wieder an verschiedenen Orten. „Besonders bei den Brunnen müssen wir regelmäßig testen“, sagt Michael Langrock, „sie müssen genutzt und überprüft werden.“ Es kann schließlich sein, dass sie versanden und dann im Ernstfall nicht zur Verfügung stehen.

Am Montagabend rückten die Wolmirstedter Feuerwehrleute jedoch an der „unerschöpflichen Wasserentnahmestelle“ an, postierten ihre Fahrzeuge an beiden Ufern des Mittellandkanals. Ein Ziel der Übung war, die beiden Saugstellen zu überprüfen. Sie waren im Zuge der Kanalarbeiten in Höhe des Elbeuer Bootshauses auf jeder Kanalseite installiert worden und erleichtern die Arbeit der Feuerwehr erheblich. Die Mitarbeiter des Wasserstraßenamtes sind ihrerseits daran interessiert, dass die Funktion der Saugstellen regelmäßig geprüft wird.

Sie funktionierten. Bis zu 2000 Liter pro Minute können damit aus dem Kanal entnommen werden. Das probierten die Kameraden aus, große Wassermengen schossen durch Leitungen und Monitore wieder in den Kanal zurück.

Doch die Übung am Kanal hatte noch einen anderen Grund. „Hier sind wir an der frischen Luft“, begründet Yves Hummelt, der für diese Übung zuständig war, „dass lässt sich mit den Corona-Vorschriften gut vereinbaren.“

Schulungsstau durch Corona beim Atemschutz

Die Corona-Pandemie hat seit März verhindert, dass Feuerwehrleute gemeinsam üben. „Natürlich verlernt niemand, wie Feuerwehrarbeit geht“, sagt Stadtwehrleiter Michael Langrock. Dennoch: Die Kontaktbeschränkungen und Schließungen öffentlicher Einrichtungen haben auch Einfluss auf die Truppe.

Atemschutzgeräteträger müssen einmal im Jahr eine Schulung absolvieren. Das war für diejenigen, die ihre Eignungsbestätigung während der Corona-Beschränkungen auffrischen mussten, nicht möglich. Fehlen nun diese Atemschutzgeräteträger im Ernstfall? „Nein“, beruhigt Michael Langrock, „der Gesetzgeber hat die besondere Situation anerkannt. Sie dürfen weiterhin eingesetzt werden, wenn sie sich in der Lage fühlen.“ Die Schulungen müssen schnellstmöglich nachgeholt werden. Der Landkreis ist nun gefordert, den Schulungsstau abzubauen, der in allen Wehren entstanden ist.

Die Corona-Krise hat vieles verändert und Erstaunliches zutage gebracht. „Die Zahl der Einsätze hat rapide abgenommen“, hat Michael Langrock beobachtet. Eine Erklärung kann er nur versuchen: „Es gab eine allgemeine Vorsicht, das Leben war entschleunigt, vielleicht waren alle sensibler.“ Außerdem gab es in einigen Betrieben Kurzarbeit, sodass keine Brandmeldeanlagen auflaufen konnten. Michael Langrock hofft, dass die Vorsicht bleibt.

Eine Sorge treibt den Stadtwehrleiter dennoch um: „Vielleicht haben einige Kameraden während der Corona-Beschränkungen wahrgenommen, wie ruhig das Leben ohne Ausbildungen und Einsätze läuft.“ Er fürchtet, dass nicht alle in den aktiven Dienst zurückkehren werden. Eine Sorge, die übrigens auch Vorsitzende von Sportvereinen hinsichtlich der Trainer schon in den Raum gestellt haben. Michael Langrock wird die Stimmung in der nächsten Beratung mit den Ortswehrleitern erfragen.

Bei der Wolmirstedter Ortsfeuerwehr scheint diese Sorge unbegründet zu sein. Yves Hummelt weiß: „Wir sind alle froh, dass wir wieder zusammen sind.“