Wolmirstedt l Die Barleber Feuerwehr möchte eine eigene Drehleiter. Derzeit kann die Gemeinde zwar weder die halbe Million Euro aufbringen, noch gibt es Kameraden, die so ein Fahrzeug bedienen können. Bisher rücken bei Bedarf die Wolmirstedter Kameraden mit ihrer Drehleiter an. Mitunter benötigen sie bis zum Einsatzort 15 Minuten. „Es wird der Eindruck erweckt, dass aufgrund des längeren Anfahrtsweges der Einsatzerfolg nicht gegeben ist“, sagt Wolmirstedts Stadtwehrleiter Michael Langrock, „als wäre es in der Vergangenheit deshalb zu Defiziten gekommen.“

Wolmirstedter Leiter braucht 15 Minuten

Das möchte er auf gar keinen Fall so stehen lassen, zumal die Wolmirstedter Drehleiter bereits seit über 20 Jahren bei Bedarf nach Barleben, Meitzendorf oder Ebendorf ausrückt. Die Wolmirstedter Kameraden waren stets verlässlich vor Ort. Das bestätigt auf Volksstimme-Nachfrage auch der Barleber Wehrleiter Daniel Säuberlich. „Es hat nie Probleme gegeben. Die Zusammenarbeit funktioniert gut.“

Dennoch fordern die Barleber aufgrund einer Risikoanalyse eine eigene Drehleiter samt geschultem Personal. Der Wolmirstedter Wehrleiter Michael Langrock will auf gar keinen Fall dagegen sprechen, sieht aber die Schwierigkeiten einer Feuerwehr künftig nicht in erster Linie in der Anzahl der Drehleitern oder anderer technischer Ausrüstungen, sondern in der Zahl der verfügbaren Einsatzkräfte, auch solcher, die mit Spezialtechnik umgehen können.

Wehrleiter betont Zuverlässigkeit

Derzeit herrscht in der Region nahezu Vollbeschäftigung, sodass es für viele Kameraden schwierig ist, tagsüber auszurücken, da sie in Lohn und Brot stehen und nicht immer im Heimatort arbeiten. Momentan und in den kommenden Jahren können alle Übungen und Einsätze noch sicher erledigt werden. „Doch sollte der Trend anhalten“, warnt Michael Langrock, „müssen wir uns in naher Zukunft damit abfinden und ein geändertes Sicherheitsniveau in Bezug auf den Brandschutz in Kauf nehmen.“

Vor diesem Hintergrund sieht er als oberstes Ziel an, dass die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden noch stärker zusammenarbeiten als bisher, dass Spezialwissen gebündelt und allen zur Verfügung gestellt wird.

Wehren sollen Kräfte bündeln

Die Zusammenarbeit mit Barleben sieht er bisher als durchaus erfolgreich an. So wie die Wolmirstedter Drehleiter nach Barleben fährt, gibt es umgekehrt eine Vereinbarung, nach der die Barleber bei Unfällen mit Gefahrgut mit ihrer Spezialtechnik anrücken. „Bei solchen Einsatzszenarien sind wir auf Nachbarschaftshilfe angewiesen“, stellt Michael Langrock klar. Das bestätigt auch Daniel Säuberlich: „Wir wollen uns weiterhin gegenseitig mit Spezialtechnik unterstützen.“

Laut Brandschutzgesetz muss eine Feuerwehr nach spätestens zwölf Minuten am Einsatzort eintreffen. Das können alle Wehren der Region gewährleisten. Ob sämtliche verfügbare Fahrzeuge - also auch die Drehleiter - mit vor Ort sein müssen, ist nicht festgelegt. Allerdings kann sie manchmal den geforderten zweiten Rettungsweg bieten und dabei helfen, Personen aus gefährlichen Situationen zu bringen.

Prinzip Nachbarschaftshilfe

Besonders neue Gebäude verfügen über zwei Rettungswege und nicht immer bietet die Drehleiter die perfekte Methode. „In Krankenhäusern und Altenheimen gibt es meist geeignetere Varianten der Rettung“, erklärt Michael Langrock. Deren Personen können oft nicht über Fensterbrüstungen klettern, außerdem findet im Drehleiterkorb nur ein Rollstuhl Platz. In solchen Einrichtungen werden Menschen im Notfall eher in Bereiche gebracht, in denen es weder Rauch noch Feuer gibt.

Michael Langrock würde im Notfall lieber die Alarm- und Ausrückordnung nachjustieren, die vorschreibt, bei welchem Notfall welche und wieviele Kameraden und Fahrzeuge ausrücken, für eine gesunde Nachwuchsarbeit sorgen und die Ausbildung sichern. Außerdem bittet er Firmenchefs, Kameraden im Ernstfall vom Dienst freizustellen. Den Bürgern versichert er: „Wir tun alles Mögliche, um im Ernstfall zu helfen, auf die Feuerwehr können sich alle verlassen.“